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Kleve-Kellen-Kalkar: "Musik ist an jedem Ort gleich"

Kleve-Kellen-Kalkar : "Musik ist an jedem Ort gleich"

Der Kellener Musiker Manfred Ysermann wanderte nach Kanada aus, lebte dort drei Jahre lang vom Klavier- und Orgelspielen und kam wieder zurück. Mit der Big Band der Kreismusikschulen tritt er am 1. Mai bei "Kalkar in Blüte" auf.

Seine Beziehung zur Musik begann, da war Manfred Ysermann gerade acht Jahre alt. Ein kleines Akkordeon für Kinder war das erste Instrument, das ihm sein Vater damals schenkte. Er spielte und spielte und war bald gefangen von der Musik. Ein Jahr später wechselte er zum Klavier, irgendwann kam die Oboe dazu. Inzwischen ist der Kellener 63 Jahre alt und arbeitet seit langer Zeit als freischaffender Musiker. Mit der Big Band der Musikschule des Kreises Kleve tritt er am kommenden Donnerstag, 1. Mai, gegen 13.30 Uhr beim Stadtfest "Kalkar in Blüte" auf dem Marktplatz auf.

Schon der Haushalt, in dem Manfred Ysermann aufwuchs, war musikalisch. Seine Mutter spielte Violine, der Vater war Mitglied im Mandolinenorchester "Blaue Adria". Wenn die Familie Besuch hatte oder einen Geburtstag feierte, wurde irgendwann immer gemeinsam gesungen, erinnert sich der 63-Jährige. "Das fand ich schon damals toll." Er sorgte dafür, dass ihm die Musik auch während seiner Zeit beim Wehrdienst nicht abhandenkam.

Dort lernte er die Oboe und spielte fortan im Musikkorps der Bundeswehr. Gleichzeitig machte er an einer Abendschule das Abitur. Anschließend studierte Manfred Ysermann an der Musikschule Münster/Detmold mit dem Hauptfach Oboe und dem Nebenfach Klavier. In Münster führte er einen Kirchenchor und unterrichtete an mehreren Musikschulen. 1985 belegte er bei der Mainzer Talentbörse mit seiner Version von Chopins Stück "Fantaisie" am Piano den ersten Platz. Sein Herz aber gehört der Oboe. Ihn fasziniert der Klang, der sei hell und warm. "Damit kann man so vieles ausdrücken", sagt er.

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Bei der Big Band der Kreismusikschule, die ausschließlich Jazzmusik spielt, ist Manfred Ysermann erst seit einem Dreivierteljahr dabei. "Jazz war eigentlich nie so mein Ding", sagt er und grinst. "Da musste ich mich erst reinfinden." Jede Woche probt das bis zu 20 Musiker starke Orchester in der Musikschule an der Felix-Roeloffs-Straße. Bei dem Auftritt zum Stadtfest in Kalkar gibt es für die Besucher Klassiker der Jazzmusik wie "Lady is a tramp", "Fly me to the moon", "Summertime" und "Memory" zu hören.

Ysermann spielt in der Big Band das Klavier. Zusätzlich leitet er seit vorigem Jahr das Orchester "Klever Stadtmusikanten" und übernahm im Januar 2012 das Salonorchester "Schwarze Rose" in Emmerich. Bisher trat das Ensemble nur einmal im Jahr - immer am Volkstrauertag - auf, in Zukunft sind auch Konzerte auf Stadtfesten und in Holland geplant. Die Big Band spielt wieder am 13. September beim Lichterfest im Amphitheater in Kleve.

Vor einigen Jahren wanderte Manfred Ysermann nach Kanada aus. "Ich wollte mich verändern", sagt er und zuckt die Schultern. Von zahlreichen Reisen und Besuchen bei Bekannten kannte der 63-Jährige das Land bereits. Auf gut Glück stellte er einen Antrag - und bekam unbefristetes Aufenthaltsrecht. Drei Jahre lebte er abwechselnd in Vancouver und Burnaby, spielte Orgel in Kirchenmessen, leitete Chöre und gab Musikunterricht. Dann zog es ihn wieder in die Heimat. Sein nächster Besuch in Übersee steht aber bereits an: Nach dem Konzert in Kalkar am Donnerstag fliegt er zwei Tage später erneut hinüber. Zwei Monate will er dieses Mal bleiben, Konzerte geben, wieder Orgel spielen. "Das ist das Schöne", sagt er lächelnd. Trotz möglicher Sprachbarrieren oder anderer Kultur: "Musik ist überall gleich."

(RP)