Kleve: Musik der Romantik für die Seenotrettung

Kleve : Musik der Romantik für die Seenotrettung

Vier Studenten konzertieren an der Hochschule in Kleve zu Gunsten des Vereins Sea Watch.

Die Menschen sitzen dicht gedrängt in Schlauchbooten, der unberechenbaren Witterung auf dem Meer schutzlos ausgesetzt. Meist überleben sie nur, wenn Rettungsschiffe sie aufnehmen. Wie das UN Flüchtlingshilfswerk mitteilt starben seit 2014 jährlich mehr als 1000 Menschen auf ihrem riskanten Weg von der lybischen Küste über das Mittelmeer nach Italien. Die Informationen und die dazugehörigen erschreckenden Fernsehbilder sind den meisten Menschen hierzulande bekannt. Bekannt ist auch, dass Rettungsschiffe von Nichtregierungsorganisationen wie Sea Watch e. V. bereits zahlreiche Flüchtende retten konnten, aber politisch tatsächlich umstritten sind. Unstrittig aber ist, wie auch deutsche Politiker es betonen, dass die Rettung von Menschen in Not ein notwendiger humanitärer Akt ist. „Ich könnte 100 Euro spenden, aber vielleicht können wir mehr bewegen“, sagte sich vor einigen Monaten Christian Jacobi, Student der Ökologischen Landwirtschaft auf Haus Riswick in Kleve, als er in seinem E-Mail-Fach den Hilferuf der Kapitänin des Rettungsschiffes Iuventa, Pia Klemp, fand. Zusammen mit drei weiteren Studenten stellte er das Programm für ein Benefizkonzert zu Gunsten des Vereins Sea Watch zusammen. Nach bereits vier Aufführungen in Düsseldorf, Wuppertal, Herdecke und dem Dottenfelder Hof bei Frankfurt, treten die jungen Musiker nun auch in Kleve auf, und zwar am Montag, dem 9. Dezember um 20 Uhr im Gebäude 01 EG 005 der Hochschule Rhein Waal (HSRW). „Wir freuen uns sehr, dass die Hochschule und der AStA uns bei unserem Projekt sofort unterstützt haben“, sagt Jacobi. Das musikalische Programm des Abends bestimmen Werke von Chopin, Debussy, Saint Saens, Fauré und Rachmaninoff. Jacobi spielt Klavier, Hanna Gärtner, eine Schülerin aus Freiburg, Geige, und Nys Lehmberg, ebenfalls Landwirtschaftsstudent aus Frankfurt, spielt Cello. Zusätzlich konnte John Crossan aus Dublin gewonnen werden. Er studiert derzeit an der HSRW und wird eigene moderne Songs beitragen und mit der Gitarre begleiten. Der Eintritt zu dem Konzert ist frei, es wird um Spenden für Sea Watch gebeten. In den bisherigen vier Konzerten konnten auf diese Weise insgesamt bereits über 4000 Euro eingenommen werden. „Die Musik ist ein gutes Medium, um eine Botschaft deutlich zu machen“, findet Christian Jacobi. Er selbst stammt aus dem Schwarzwald und hat als Sohn einer Pfarrerin bereits Erfahrung mit Benefizkonzerten. „Bei der Auswahl der Stücke war uns klar: wir spielen unsere Lieblingsstücke, einfach das, wofür wir brennen“, berichtet er. Besonders die Spätromantiker sind sein Thema. Von Chopin bringen die drei die Fantasie impromtu op. 66 zu Gehör, von Debussy wird „Claire de lune“ erklingen. Zu der romantischen Mischung gehört weiter ein Allegro appassionato vom Franzosen Camille Saint-Saens, eine Elegie von Fauré, und als Höhepunkt kündigt Jacobi das Trio élégiaque des Russen Rachmaninoff an. Die Besucher erwarten hochemotionale Werke, gespielt mit ebensolcher Leidenschaft, mit der sie auch komponiert wurden. Das Geld, das mit  dem Konzert eingespielt wird, soll Sea Watch helfen, weiterhin Menschen aus seeuntüchtigen und überfüllten Schlauchbooten vor dem sicheren Tod durch Ertrinken zu retten. „Außerdem möchten wir durch unser Projekt auch dieses Thema in die Gesellschaft tragen und unsere Zuhörer weiter sensibilisieren für die Katastrophe, die dort auf dem Mittelmeer stattfindet“, erklärt Jacobi. Das Konzert wird ergänzt durch informative Videos und aktuelle Erfahrungsberichte.

Das Benefizkonzert findet statt am Montag, 9. Dezember, ab 20 Uhr im Gebäude 01 EG 005 der Hochschule Rhein Waal in Kleve. Der Eintritt ist frei. Um Spenden für Sea Watch wird gebeten.

Sea Watch ist eine gemeinnützige Initiative, die sich der zivilen Seenotrettung von Flüchtenden verschrieben hat.