Kalkar/Rees: Museumsreif

Kalkar/Rees: Museumsreif

Vor 50 Jahren wurde die Rheinbrücke zwischen Kalkar und Rees eröffnet. Eine Ausstellung im Museum Koenraad Bosman zeichnet die Geschichte des Bauwerks nach.

Im Museum Koenraad Bosman ist die Ausstellung "Damals... - 50 Jahre Rheinbrücke Rees-Kalkar" eröffnet worden. Dabei liegt die Keimzelle des Wahrzeichens in der Grube von Kiruna in Nordschweden. Denn dort wurde das Eisenerz gefördert, aus dem später tausende Tonnen Stahl für die Schrägseilbrücke produziert wurde. 23 Millionen Mark kostete die Brücke, 33 Monate dauerten die Bauarbeiten.

Blick auf die Rheinbrücke: Den Weg über den Rhein legen täglich rund 15.000 Fahrzeuge zurück. Foto: Endermann

Das sind nur einige von sehr vielen "Zahlen, Daten, Fakten", die Stadtarchivarin Tina Oostendorp und Eila Braam auf einer von mehr als 40 Infotafeln zusammengetragen haben. Doch die sehenswerte Ausstellung, die im Frühjahr 2018 auch nach Kalkar wandern wird, lebt nicht allein von ihren großen Zahlen. Es sind die vielen Fotos, Postkarten, persönlichen Erinnerungsstücke und Augenzeugenberichte, die den Gang ins Museum lohnenswert machen. Mancher der durchschnittlich 15.000 Auto- und Lastwagenfahrer, die heute täglich die Rheinbrücke Rees-Kalkar nutzen, wird noch wissen, dass die Brücke einst blau war. Doch kaum einer kennt die Geschichte hinter diese Farbwahl. "Die verantwortlichen Herren fuhren mit einem Boot über den Rhein", erzählt Tina Oostendorp. Plötzlich rief einer ,So soll die Brücken gestrichen werden' und zeigte auf die blaue Tür eines Toilettenhäuschens auf der Brückenbaustelle. Die Tür wurde abmontiert, zur Begutachtung an die Brücke gehängt und später mitgenommen, um exakt diesen blauen Farbton zu bekommen."

Ein Stunt für die Dreharbeiten des Films "Fickende Fische" im Jahr 2009. Foto: kds

Vor drei Jahren wurde die Idee geboren, der Rheinbrücke Rees-Kalkar zum Jubiläum eine Ausstellung zu widmen, im Frühjahr 2017 begann die intensive Suche nach Zeitzeugen und Exponaten. Besonders stolz sind Tina Oostendorp und Eila Braam auf einen Briefbeschwerer, der aus einem winzigen Ausschnitt der bis zu 112 Meter langen Schrägseile hergestellt wurde, aber auch auf einen original Niet, wie er einst in Rees verbaut wurde. "Unsere Rheinbrücke ist die letzte genietete Rheinbrücke, danach wurde nur noch geschweißt", wissen die beiden Organisatorinnen von ihren Fachberatern wie Gerhard Hollenberg, Jochen Woeste, Jutta Küppers-Dirschus und Rainer Breuer von Straßen NRW.

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Wie wichtig das Bauwerk und seine Eröffnung für die Reeser Bürger waren, lässt sich auch daran ablesen, dass viele von ihnen bestimmte Erinnerungsstücke 50 Jahre lang aufgehoben und nun für die Ausstellung abgegeben haben: darunter schwarz-rot-goldene Fähnchen, mit denen die Schüler dem Bundespräsidenten zuwinkten, ein schwarzer Kugelschreiber, der an die Schüler der weiterführenden Schulen verschenkt wurde, oder "Golddukaten", die zur Brückeneinweihung von der Stadtsparkasse verkauft und manchmal zu Schmuckstücken umgearbeitet wurden. Das Reeser Stadtarchiv konnte viele Fotos und Dokumente zur Ausstellung beisteuern. In Kalkar gibt es weniger Material. "Kalkar fehlt die räumliche Nähe zur Brücke und identifiziert sich deshalb vielleicht auch etwas weniger mit ihr, als es die Stadt Rees tut", erklärt Tina Oostendorp. Dabei waren es in den 60er Jahren die Stadtherren von Kalkar, die kurz vor der Grundsteinlegung anregten, das Bauwerk "Rheinbrücke Rees-Kalkar" zu nennen.

Die Schau, die bis Anfang Februar des Jahres 2018 im Museum bleiben wird, zeigt auch einen frühen Entwurf für die Rheinbrücke. Darauf heißt sie "Deckbrücke" und sieht genauso langweilig aus wie der Name verspricht. "Irgendwann war in den Unterlagen aber von einer Schrägseilbrücke die Rede und keiner weiß, warum", sagt Tina Ostendorp. "Für Rees war das ein glückliches Umdenken, denn die Deckbrücke hatte keinerlei Potenzial, um ein Reeser Wahrzeichen zu werden."

(RP)
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