Museum Schloss Moyland : Bettina Paust verlässt das Schloss

Die langjährige Direktorin des Museums Schloss Moyland übernimmt im Herbst die Leitung des Kulturbüros der Stadt Wuppertal. Damit bekommt sie eine facettenreiche Kulturszene statt Streit im Schloss.

Künftig ist das Rathaus der Stadt Wuppertal ihr Domizil: Statt Zwirners Tudor-Schloss ist es ab Herbst der stadtbildprägende, mächtige Gründerjahrebau von 1895, in dem sie täglich ihre Arbeit für die Kultur macht: Bettina Paust hat dem Museum Schloss Moyland, wo sie seit 1995 zuerst Pressesprecherin, dann Leiterin des Joseph-Beuys-Archivs war und schließlich ab 2009 künstlerische Direktorin, den Rücken gekehrt. Gestern wurde sie von Kulturdezernent Matthias Nocke als künftige Leiterin des Kulturbüros der Stadt vorgestellt. Ihre Vorgängerin, Monika Heidermoser, wird in den Ruhestand gehen. Paust setzte sich in einem von der Stadt organisierten Assessment-Center gegen 68 Mitbewerber durch.

Dass Bettina Paust Moyland verlassen würde, war nur noch eine Frage der Zeit. 2016 hatte die Stiftung den Sieben-Jahresvertrag mit ihrer Direktorin nicht mehr verlängert, seitdem lag man im Streit, der nach einem Gerichtsverfahren, das die zur stellvertretenden künstlerischen Leiterin degradierte Paust gewann, in ein Güterichterverfahren mündete, das immer noch andauert. Ein Verfahren, das allerdings, so hieß es jetzt bei der Vorstellung in Wuppertal, keinerlei Auswirkungen auf die neue Stelle habe. Letztlich schafft Paust Fakten, die in Moyland für Klarheit sorgen, bestätigte gestern Arnim Brux, Vertreter des Landes im Stiftungsvorstand.

Damit ist jetzt die komplette Führungsspitze des Schlosses vakant, denn auch Verwaltungsdirektor Johannes Look hat Moyland gen Ruhestand verlassen. Jetzt hoffen alle auf eine stabile Lösung für das Museum, wie es der kulturpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Lorenz Deutsch, bei einem Besuch im Kreis Kleve kürzlich formuliert hatte. Denn Moyland, das in den vergangenen Jahren kontinuierlich bei guten Besucherzahlen des Museums deutlich über 50.000 Menschen lag, ist auch Zugpferd für die Region. Und das vor allem als Museum.

„Soweit ich das einschätzen kann, eröffnet sich für Bettina Paust eine Vielzahl neuer beruflicher Perspektiven, für deren Realisierung ich ihr großen Erfolg und allerbestes Gelingen wünsche. Für uns vom Museum Kurhaus Kleve ist es nun wichtig, ob und wie es in Moyland weitergeht“, sagt Kleves Museumsdirektor Prof. Harald Kunde. Durch die topografische Nähe und die beiderseits singulären Bestände des Werks von Joseph Beuys wünsche man sich in Kleve, dass das offene und kollegiale Arbeitsverhältnis, wie es mit Bettina Paust aufgebaut werden konnte, auch weiterhin Bestand habe und nach Möglichkeit zu noch intensiveren Kooperationen führen werde, sagte Kunde.

Bedburg-Haus Bürgermeister Peter Driessen bedauert den Weggang der einstigen Direktorin und wünscht - wie übrigens auch die NRW-Kulturministerin Isabell Pfeiffer-Poensgen - das Beste für die Zukunft.

Und die liegt für Bettina Paust im Bergischen. Sie wird auch privat Kleve verlassen und ihren Lebensmittelpunkt in der Schwebebahnstadt mit dem reichen Kulturleben haben. „Wir haben eine Wohnung im dortigen Luisenviertel gefunden“, sagt Paust. Die 56-jährige Kunsthistorikerin war reichlich lädiert nach einem schweren Fahrradunfall in den Niederlanden nach Wuppertal gekommen, in jene Stadt, die schon ab Sommer ihre Heimatstadt werden wird.

Dort hat sie es mit einem sehr breit gefächerten Spektrum von Kultur zu tun, soll Kulturprojekte wie die Wuppertaler Literatur Biennale entwickeln und durchführen. Vor allem wird sie es mit der Aquise von Drittmitteln und Geldern für die meist arme freie Szene zu tun haben. In der Aquise von Fördergeldern hat Paust Erfahrung: Schon in Moyland holte sie enorme Beträge für Ausstellungen und Projekte und Kunstankäufe herein. Sie versprach, auch den einen oder anderen dieser Kontakte mit nach Wuppertal zu bringen.

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