Kleve: Museum Kurhaus mit drei Ausstellungen

Kleve: Museum Kurhaus mit drei Ausstellungen

Sonntag eröffnet die nächste Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve mit Werken von Matthias Hoch, Michael Reisch und Astrid Nippoldt. Doch was wie eine Gruppenausstellung klingt, sind drei in sich abgeschlossene Präsentationen.

"Reisch. Hoch. Nippoldt. mkk" schreit es dick und fett vom Plakat, das auf die neue Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve verweist. Drei Namen, die auch Gold über dem Sims des Hauses prangen. Drei Namen von drei Künstlern, klingt nach einer Gruppenausstellung. Alle beschäftigt das Medium Fotografie, alle haben aber völlig verschiedene Ansätze und jeder hat letztlich eine eigene, in sich geschlossene Ausstellung.

Michael Reisch, Matthias Hoch, Astrid Nippoldt vorm Kurhaus (v.l.). Foto: kds

Matthias Hoch, 1958 in Radebeul geboren, erzählt vom Untergang einer Bank mit stillen, fast dokumentarischen Fotos. Es ist nicht der rote Index des ins Bodenlose stürzenden Aktienkurses, es sind nicht die Bänker im feinen Zwirn mit schnöden Pappkartons vor dem Bauch, in denen sie ihre wenigen privaten Utensilien tragen als Zeichen des Scheiterns in ihrer Berufswelt. Hoch zeigt vielmehr den "Tag danach". Die mächtige Tür des Tresors, die so sinnlos offen steht, der Blick durch fast blinde Scheiben hinaus in eine trostlose Stadt, die Abdrücke des Schreibtisches im dicken Flausch des Teppichbodens, die demontierten Fassadenteile. "Silver Tower Frankfurt/Main" titelt diese der drei Ausstellungen und erzählt von der Dresdner Bank, die jetzt Commerzbank ist und die den großen Büro-Turm in Frankfurt nicht mehr braucht. Hoch spürt den Spuren der Bank, die in die andere Bank aufgegangen ist, nach, ist sachlich in der Frontalansicht der Fotos, politisch in der Geschichte der ganzen Serie, die vom Crash der Banken erzählt.

Matthias Hoch: Der Silver Tower hat seine Schuldigkeit getan – der Frankfurter Bankenturm ist leergeräumt. Foto: nn

Auch Astrid Nippoldt, 1973 in Gießen geboren, in Kranenburg aufgewachsen und inzwischen Professorin an der Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik in Freiburg, erzählt eine Geschichte. Die des "goldenen Käfigs" Oakwood-Residence in Peking. Eine Residenz, in der die Angehörigen ausländischer Angestellter, die nur eine bestimmte Zeit in China arbeiten, regelrecht abgeschottet in einer Welt für sich Leben. "Oakwood-Residence" ist eine starke Video-Installation über diese unwirkliche Welt in unwirklichen, nächtlichen Bildern. Bildern, in denen es künstlich auf sattdunkelgrünes Nadelholzgestrüpp regnet, in denen plötzlich Blüten in warmen Farben aufleuchten. Dann wiederum zeichnet kaltes Licht die Umrisse der Hochhäuser nach, als sei sie Filmkulisse für das vorfahrende Fahrzeug.

Michael Reisch: Wenn der Gipfel zum Dreieck wird. Foto: nn
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Dazwischen sind fast abstrakte, verschwommene Farbsequenzen geschnitten, wie gemalt, die wieder, wenn die Kamera scharf stellt, zum Gegenstand werden, der mit einem weiteren Kameraschwenk verschwindet. Darüber liegen die Geräusche der Stadt, ein Auto, das vorbeifährt, das Plätschern der Beregnungsanlage, ein kläffender Hund. Zusammengehalten wird dieser Bild-Geräusch-Mix von hämmernden Beats, die das Tempo bestimmen. Zu Oakwood-Residence stellt Nippoldt eine zweite Installation, die vom Leben der Menschen dort erzählt, vom gleichmäßig-langweiligen Rhythmus des Tages, der mit Nichtstun gefüllt werden muss. An der Wand wiederum die E-Mail-Korrespondenz mit den Menschen, die der in Berlin lebenden Künstlerin ihre Geschichte erzählt haben. Flankiert werden die beiden Video-Installation mit Fotos, auf denen Nippoldt Menschen rund um Oakwood-Residence porträtiert.

Michael Reisch, 1964 in Aachen geboren, ist der dritte im Bunde. Doch während Nippoldt und Hoch in ihren Fotos und Videos eine reale Welt abbilden und interpretieren, schafft Reisch wie ein romantischer Maler Ideal-Landschaften auf großen, am Computer arrangierten Hochglanzfotos. Da umschließt die Linie der Steilküste in einer perfekten Ellipse die Meeresbucht, erscheint das Matterhorn in idealisierter Bergwelt, entstehen geometrisch klare, glatte Felsformationen oder formt sich der Gipfel eines Berges zum Dreieck. Das Gipfel-Dreieck entwickelt Reisch weiter, abstrahiert, bis letzten Endes nur noch Pixel übrigbleiben, mit denen Bilder in den Schattierungen zwischen Schwarz und Weiß auf großen spiegelnden Bildtafeln entstehen.

Zu allen drei Teilen ist ein separater Katalog erschienen, die Eröffnung ist Sonntag, 29.9., 11.30 Uhr.

(RP)
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