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Museum Kurhaus Kleve bereitet Ausstellung mit Katz, Indiana und Warhol vor

Museum Kurhaus Kleve : Nach Beuys kommen Indiana und Warhol

2021 ist das Jahr des aus Kleve stammenden Weltkünstlers Joseph Beuys: Büchervorstellungen, Ausstellungen und Symposien reichen sich die Hand. Kleve bereitet sich auf die Zeit danach vor.

Gleich zwei Ausstellungen zum großen Sohn der Stadt hat das Museum Kurhaus Kleve zum Jubiläumsjahr anlässlich des 100. Geburtstages von Beuys präsentiert: „Intuition! Dimensionen des Frühwerks“ hieß die eine, die andere bot Beuys-Highlights aus der Sammlung und gönnte der großen Wanne, die als Dauerleihgabe in Kleve ist, einen neuen Platz in der Wandelhalle. Eine nicht überbordend große, aber sehenswerte Präsentation, die fast den „ganzen“ Beuys abbildet: Von frühen Zeichnungen bis zu der posthum gegossenen Wanne, in deren Hintergrund Beuys’ „Seven Palms“ die Wand beherrscht. Es fehlen auch nicht – Kleves Museum trägt ja Matarés Namen im Untertitel – die großen Domtüren von Beuys, die 1980 zum Dom-Geburtstag in Köln geschaffen wurden.

Die Ausstellung „Intuition!“ wird derzeit abgebaut. Abgebaut wird auch die große Zins-Ausstellung, die das kompletten Werk des Klever Bildhauers würdigte. Kleves Museumsdirektor Harald Kunde war am Wochenende zum Ende des Beuys-Jahres Gast auf dem Podium des Kolloquiums und Symposiums „Das Problem Beuys“. Das Kolliqium in der Uni-Düsseldorf war unter der Leitung von Eugen Blume, Catherine Nichols, Bettina Paust, Timo Skrandies in der Landeshaupt organisiert worden und bot, so Kunde, „die volle Packung Beuys“. Dort sei ein facettenreiches Bild des Künstlers gezeichnet worden – auch unter dem Aspekt, ob Beuys nun der „ewige Hitlerjunge“ war, wie Beat Wyss ihn einst bezeichnet hatte. Letztlich aber, und das habe ihm, der als Generalist auf dem Podium saß und nicht als Experte, immer fasziniert, sei Beuys der „Schmerzensmann“ gewesen, der seine Wunde offenbar gemacht habe. Nicht annähernd vergleichbar seien die angeführten Aussagen des jungen Beuys – die auch immer im Zusammenhang gesehen werden müssten – mit den Tagebuchaufzeichnungen Emil Noldes, die den Expressionisten als glühenden Hitler-Fan entlarvten, obwohl die Nazis ihn zum entarteten Künstler gemacht haben, sagt Kunde. Er habe im anderen Zusammenhang auch angeregt, darüber nachzudenken, ob Beuys Kunst und seine Interventionen, frei nach Marx, darauf angelegt war, die Welt nicht zu interpretieren, sondern sie zu verändern.

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Zum Abschluss des Jubiläumsjahres „beuys2021“ bleibt in Kleve die Einrichtung in der Wandelhalle stehen. „Wir müssen in diesem Jahr in der Stadt, in der Beuys aufgewachsen ist, auch Beuys gesondert präsentieren – das wird bis Ende des Jahres so bleiben“, sagt Kunde. In den anderen Sälen wird die Kurhaus Sammlung neu präsentiert. Schön, dass dem kürzlich verstorbenen niederländischen Maler Jan Andriesse dabei ein Raum gehört, in dem seine Werke aus der Sammlung mit denen von Alex Katz konfrontiert werden: Eine Hommage einerseits an den Niederländer, andererseits an Katz. Die US-Pop-Ikone wurde von Andriesse interviewt (das Interview wird ebenfalls gezeigt werden, verspricht Kunde). Von Katz darf sich Kleve auf eine Dauerleihgabe aus dem „Portigon-Fundus“ freuen, der sich zu „Oona’s Back“, dem Frauenporträt in blond, gesellen wird.

Zusätzlich bekommt Kleve ein weiteres Bild des Hauptvertreters der US-Pop-Art Robert Indiana, dem das Kurhaus einst eine große Ausstellung widmete. „Den großen ,Love-Teppich’ aus unserer Sammlung hängen wir jetzt auf, als Pendant zu der neuen Dauerleihgabe“, sagt Kunde. Portigon ist übrigens der Rechtsnachfolger der West-LB, deren in Portigon-Besitz gekommene exquisite Kunstsammlung wurde vom Land NRW in großen Teilen gekauft (um sie vor dem Verkauf zu retten) und an die Museen im Land verteilt. Zu Katz und Indiana kommt ein weiterer großer Name: Zum Warhol-Bild, das schon in der ersten Runde aus dem Portigon-Fundus nach Kleve kam, wird sich ein weiterer Warhol gesellen.

Bleiben noch skulpturale Keramiken und Glasarbeiten und Teile der Sammlung Wörner, die in den oberen Sälen Platz finden. „Diese neue Einrichtung des Museums ist ein Gemeinschaftswerk von allen drei Kuratoren – von Susanne Figner, Valentina Vlasic und mir“, sagt Kunde. (Zu sehen ab Ende Oktober)

Nicht neu eingerichtet werden vorläufig die Säle des Beuys-Flügels, in denen „Intuition!“ zu sehen war. „Da bekommen wir neues Licht“, sagt Kunde auf Nachfrage. Die Installation der neuen Lampen mit der richtigen Kelvin- und Watt-Zahl soll Mitte Novermber abgeschlossen sein. Das neue Licht sei auch wichtig aus konservatorischen Gründen. Zusätzlich haben die Museumstechniker passende Rahmen mit Lichtschutzfolie für die Fenster gebaut.Wenn das Licht fertig ist, wird dort die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Hochschule Rhein-Waal über den Umgang mit dem nackten Körper eingerichtet.