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Museum Kalkar zeigt Entwürfe der St.-Nicolai-Kirchenfenster

Fenster von St. Nicolai : Ein Dreiklang der Kunst im adventlichen Kalkar

Zu den Fenstern von St. Nicolai gibt es jetzt im städtischen Museum Kalkar eine Ausstellung mit den gemalten Entwürfen des Künstlers. Und Ausschnitte sind im Rathaus-Adventskalender zu bewundern.

Die Idee ist im Grunde so naheliegend: Wenn die Fassade des Kalkarer Rathauses in der Vorweihnachtszeit durch stimmungsvolle Fensterbilder in einen Adventskalender verwandelt werden soll – warum dann nicht die Vorlagen in der Kirche St. Nicolai nutzen? Die sind schließlich künstlerisch sehr anspruchsvoll und in ihrer Wirkung beeindruckend. Vater und Tochter Bottenbruch von der Galerie Studio 20.21 hatten dies vorgeschlagen und waren auf Begeisterung gestoßen. Zumal sich daraus eine Aktion entwickelte, die der Stadt in den kommenden Wochen einige Aufmerksamkeit bringen dürfte: Nicht nur ist nun Tag für Tag ein weiterer prächtiger Fenster-Ausschnitt am Rathaus zu bewundern, im Museum ist parallel eine Ausstellung mit den Entwürfen zu den 22 Fenstern für St. Nicolai zu sehen. Und natürlich sind alle Gläubigen und Interessierten eingeladen, die Umsetzungen in der spätmittelalterlichen Kalkarer Hauptkirche zu betrachten.

Die Ausstellungseröffnung fand mit Rücksicht auf die Corona-Lage wegen des größeren Raumangebots nicht im Museum, sondern in der Kirche statt. Die Teilnehmer an der Veranstaltung hatten sich zum Tel schon vorher im Museum umgesehen, andere nutze die Möglichkeit im Anschluss. In jedem Fall bestand zum ersten Mal die Chance, die Vorlagen, die der Künstler Karl Martin Hartmann entworfen und gemalt hat, anzusehen.

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Lioba Rochel vom Verein der Freunde führte nach einem Grußwort von Bürgermeisterin Britta Schulz ins Thema ein, verwies auf 14 Originale aus der Hand des Künstlers und acht Nachdrucke, weil einige Entwürfe nicht mehr verfügbar seien. Tatsächlich hängen noch einige weitere Vorarbeiten zu Fenstern für die Sakristei von St. Nicolai an einer Wand im Museum.

Die sollten allerdings nur als vage Idee betrachtet werden, bat Pastor Alois van Doornick, denn die Gemeinde habe noch viele Jahre an dem Kredit für die 22 Großfenster zu zahlen. Der Künstler habe die Vorschläge für die Abrundung des Ensembles aus eigener Initiative angefertigt und wisse, dass der Kirchenvorstand vorerst keinen weiteren Auftrag vergeben werde.

Was Hartmann da seit 1997 geplant und bis 2020 umgesetzt hat, spiegelt die breite Interessenlage des Wiesbadener Meisters, der zuerst Naturwissenschaftler war, bevor er sich ganz der Kunst zuwandte. Sterne, Kometen und ganze Sonnensysteme werden in seinen Arbeiten zitiert, eine nur scheinbar abstrakte Gestaltung lädt dazu ein, die Symbolik zu hinterfragen. Wichtiger, als die Bildsprache zu „verstehen“, sei aber, ihre Wirkung zu spüren und das Licht auf sich wirken zu lassen. Dazu muss das Gotteshaus tagsüber besucht werden, denn nur das natürliche Licht kann von den Fenstern eingefangen werden und ins Innere des Kirchenschiffes abstrahlen.

Im Museum ist es nicht nur möglich, die Aquarellmalerei, die Hartmann mit feinem Pinsel aufgetragen hat, zu studieren, sondern auch zu lernen, wie Glasmalerei vonstatten geht. Oder noch einen Schritt zurück: wie noch heute in wenigen Manufakturen Glas im Schmelzofen behandelt, geblasen, zu Scheiben abgeflacht und dann weiterverarbeitet wird. Hartmann hat über viele Jahre zigtausende kleine Scheiben bemalt, geritzt, mit Blei aneinander gefügt, die Schnittpunkte verlötet, bis sie fertig waren und durch Bischof Felix Genn gesegnet werde konnten, die 22 Kathedralfenster, die jeweils aus 50 Segmenten bestehen.

Auch etwas sehr Prosaisches darf erwähnt werden: Das Projekt hat rund vier Millionen Euro gekostet, wovon die Hälfte von der Gemeinde aufzubringen war und ist. Neben Bistum und Land haben sich viele Bürger, Vereine und Gilden engagiert, zehn Jahre wird es laut van Doornick noch dauern, bis ein Kredit über die Restsumme abgetragen ist.

Die Ausstellung mit den Originalentwürfen ist im städtischen Museum bis Ende Februar zu sehen. Es empfiehlt sich, zum besseren Verständnis zeitnah St. Nicolai aufzusuchen. Vergessen können es Kalkarer kaum, denn die Rathausfassade am Markt erinnert zumindest bis Weihnachten Tag für Tag an die Fenster-Kunst.