Museum Goch zeigt ab 8. Dezember Installationen von Harald Fuchs

Ausstellung : Über den Reiz der Unbestimmtheit

Es ist nicht schlecht, wenn Besucher der neuen Ausstellung im Museum Goch ein ganz klein wenig Ahnung von Physik haben. Oder von Philosophie. Oder zumindest große Neugier mitbringen.

Er ist ein Schüler von Rudolf Schoofs, über den in Goch geborenen Stuttgarter Kunstprofessor hat ihn auch das Gocher Museumsteam kennen gelernt. Längst ist Harald Fuchs allerdings selbst arrivierter Künstler, lehrt in Düsseldorf Design und hatte auch eine Professur für den Bereich Zeichnung. Im Museum Goch zeigt er ab Sonntag, 8. Dezember, Installationen, die aussehen wie naturwissenschaftliche Experimente. Doch das sind sie nicht, ahnt jeder, der einen Moment über die mögliche Wirkungsweise der Apparaturen nachdenkt. Womit dann schon ein großes Stück Erkenntnis gewonnen ist: Harald Fuchs will verunsichern. Seine Ausstellung hat er deshalb „Nennen wir es besser Unbestimmtheit“ genannt.

Wären die Aufbauten aus Glas, Licht, Kugeln und Bewegung klassische Versuchsaufbauten, hätten sie in einem Kunstmuseum nichts verloren. Also sind sie wohl Kunst, die mit einem Weltbild spielt, auf das wir uns alle gerne stützen, das aber falsch ist. Dr. Stephan Mann, Museumsleiter in Goch, bestätigt: „Je tiefer wir in eine Sache eintauchen, umso mehr erkennen wir, dass sie so nicht stimmt, dass nichts so eindeutig ist, wie es schien. Etwas mag Realität sein, aber ist es deshalb auch Wirklichkeit?“ Der Wahrnehmung von uns Menschen ist nicht zu trauen, das hat schon der Philosoph Platon, dessen Höhlengleichnis fortgeschrittene Schüler und Studenten kennen sollten, gewusst. Gut möglich, dass das, was wir für wirklich halten, in Wahrheit nur ein Schatten ist oder ein Spiegelbild. Und damit allenfalls Teil der erwarteten Antwort.

„Wir kennen nur Modelle und nutzen sie, um uns etwas begreiflich zu machen“, sagt Mann. Der Künstler Fuchs erzeugt mit seinen Arbeiten Irritation, um auf die Scheinsicherheit der bekannten Dinge hinzuweisen. Das in der Kunst darzustellen ist die Herausforderung. Bloß Vorsicht mit den Folgerungen: Kann sein, dass alles ganz anders ist, als der Rezipient meint. Das Video vom Tropfen, der sich da  auf der heißen Herdplatte bewegt, verändert sich nur deshalb eine Stunde lang, weil immer wieder ein klein wenig Wasser hinzugefügt wird. Der große Ausstellungsraum im Erdgeschoss ist nicht gewachsen, diverse Spiegel vergrößern seine Fläche nur scheinbar. Die Fußball großen Kugeln, die horizontale Glaswände zu durchdringen scheinen, sind in Wahrheit aufgeklebt, auf der Rückseite haften ebenso abgeflachte kleinere Exemplare.

Ein Klacken verwundert: Sind es die Kugeln, die aufeinander zu treiben und sich berühren? Eher nicht, sie werden ja nur von einem Projektor auf eine Wand projiziert. Es klingt nach gegeneinander prallenden Billardkugeln, die aber nicht zu sehen sind. Die Erklärung bleibt aus. „So ist das mit Denkmodellen: Die gelten immer, bis einer kommt, der mehr weiß und es glaubhaft anders erklärt“, sagt Museumsmitarbeiter Steffen Fischer.

Im Obergeschoss hat Harald Fuchs sechs Bauzaun-Elemente hintereinander aufgestellt. Jede Menge Zettel- und Plakat-Fragmente hängen daran. Bis der Betrachter allerdings auf die Idee gekommen ist, hier und da mal ein wenig zu „lesen“ (Wohnung gesucht, Katze entlaufen, Werbeanzeigen), kommt schon die Störung: Ein Projektor schickt schemenhafte Bilder auf die Installation. Es soll sich um Verweise auf die Kunstgeschichte handeln, aber das ist nicht wirklich zu erkennen. Es ist ein Spiel mit unseren Sehgewohnheiten und Erwartungen.

Wer mehr Konkretes sehen möchte, sollte sich die Vergrößerungen reproduzierter Fotos aussehen, die im letzten Raum in der ersten Etage hängen und weniger abstrakt wirken. Doch Vorsicht: Um die Skyline von Shanghai (es kann auch eine andere chinesische  Großstadt sein) oder eine Gruppe fernöstlicher Menschen geht es nicht wirklich. Es sind nur Hinweise, vermutlich irreführende.