Moyland zeigt Gemälde des berühmten Zeichners Wilhelm Busch.

Schloss Moyland : Wilhelm Busch als Maler

Gut vier Monate lang zeigt das Museum Schloss Moyland die Ausstellung „Herzenssache – Wilhelm Busch malt“. Der berühmte Zeichner und Erzähler von Bildergeschichten hielt selbst nicht allzu viel von seiner Malerei.

Eine Überraschung trifft den Besucher gleich beim ersten Schritt in die Ausstellungsräume: Zum großen Teil sind die Gemälde von Wilhelm Busch gerade doppelt-postkartengroß. Man muss ziemlich nahe herangehen, um die Motive zu enttarnen, und selbst dann ist manches Mal noch sehr genaues Hinsehen nötig. Wilhelm Busch, der als Zeichner oft recht bösartiger Bildergeschichten berühmt wurde, kennen nur wenige als Maler. Das hat seinen Grund in erster Linie darin, dass der Mann selbst nicht allzu viel von seinen Ölbildern hielt. Es heißt, er habe das kleine Format unter anderem deshalb gewählt, weil er seine Arbeiten so immer schnell wegräumen konnte, wenn sich Besuch näherte. Dabei wäre das nach Ansicht der Moyländer Ausstellungsmacher wirklich nicht nötig gewesen. Dr. Barbara Strieder, Künstlerische Direktorin, attestiert Wilhelm Busch eine universelle Begabung. Zugleich habe er aber unter erheblichen Selbstzweifeln gelitten.

Julia Niggemann, Verwaltungsdirektorin und Geschäftsführerin der Stiftung Schloss Moyland, freut sich, mit der Ausstellung eine etwas andere Zielgruppe ansprechen zu können. Denn mancher, das ist klar, wird bei Wilhelm Busch, ob er er Tuschefeder, Buntstift oder Öl benutzte, an Max und Moritz und ihre bösartigen Kumpane denken, an denen bis heute ungezählte Menschen ihre Freude haben. Doch mit den humoristischen Bildergeschichten hat das malerische Oeuvre des Norddeutschen nicht viel gemein. Außer vielleicht mit einem Teil seines 3000 Bilder umfassenden Werkes: das bäuerliche Leben.  Anders als die niederländischen Zeitgenossen, die in ihren Radierungen eine heile Welt zeigten und deshalb zum Vergleich jetzt in zwei Ausstellungsräumen hängen, zitiert Busch keinesfalls eine Idylle. Ganz im Gegenteil.

Es sind meist grobe, nicht sehr scharf umrissene Gestalten, die Wilhelm Busch in Landschaften komponiert oder in ihrer jeweiligen Lebenswirklichkeit darstellt. Armut und Krankheit, harte Arbeit und bescheidene Wohnverhältnissen machten in den Augen des Künstlers häufig die negativen Charaktereigenschaften sichtbar. Streit auch heftiger Art, Tücke und Heimlichkeit, derbe Behandlung von Partner und Kindern: Ein Menschenfreund scheint Busch nicht gerade gewesen zu sein. Dabei hegte er offensichtlich eine große Bewunderung für die alten Meister holländischer und flämischer Schule. Ein Selbstbildnis von Frans Hals hat er zum Vorbild für sein eigenes genutzt, David Teniers oder Adriaen Brouwers scheinen hier und da durch. Deren meisterhaften Umgang mit Licht hat Busch nachzuahmen versucht und auch im Sujet manche Anleihe gewagt.

Ganz anders seine Landschaftsmalerei. An ihr zeigt sich, dass Wilhelm Busch, der mit der Moderne wenig am Hut hatte, doch – ohne es zu wollen – sich so langsam den Expressionisten annäherte. Die Motive wurden weniger gegenständlich, der Pinselstrich fiel mutiger aus, starke Farbkontraste bringen Dramatik ins Bild. „Aber auch wenn er die Naturelemente immer weiter reduzierte, malte er nie wirklich abstrakt“. sagt Strieder. Die „Blaue Sommerlandschaft“ ist dafür ein gutes Beispiel und lässt erahnen, warum zum Beispiel Paul Klee sich sehr positiv über die Malerei des Zeichners äußerte, während das allgemeine Urteil der Nachwelt kritischer ausfällt. „Es gibt ein Wilhelm-Buch-Museum in seiner Heimat Hannover und immer mal wieder auch Ausstellungen“, weiß Strieder. Eine Ausstellung wie die aktuelle in Moyland sei dennoch ziemlich einzigartig. Und passe so gut zum „Markenkern“ des Hauses, der Verbindung von Kunst und Natur.

Die Motive von Busch sind gezeichnete und gemalte Landschaften und zeigen oft dramatische Wetterstimmungen. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Studiert hat Wilhelm Busch die Malerei nur ansatzweise (in Antwerpen), er zog das autodidaktische Lernen vor. Busch reiste viel umher, besuchte etliche Galerien und Museen, war sehr produktiv – im Zeichnen wie im Malen. Nur sehr wenige seiner Bilder sind großformatige und damit repräsentative Porträts: Zwei seiner Brüder wurde diese Ehre zuteil, außerdem zwei reichen Gönnern. Ansonsten begnügte sich Busch mit der kleinen Fläche, wodurch viele seiner Arbeiten recht skizzenhaft wirken. Viele Bilder, viele Eindrücke. Und vielleicht ein Anlass, mal wieder ein Buch aus seinem humoristischen Werk aus dem Regal zu holen.