1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kalkar: Mit Knochenarbeit zum Maurermeister

Kalkar : Mit Knochenarbeit zum Maurermeister

RP-Serie Der Goldene Meisterbrief (Folge 8): Der 75-jährige Hans-Gerd Bültjes aus Kalkar legte 1963 an der Handwerkskammer Düsseldorf seine Prüfung zum Maurermeister ab. Heute führt sein Sohn die eigene Baufirma.

RP-Serie Der Goldene Meisterbrief (Folge 8): Der 75-jährige Hans-Gerd Bültjes aus Kalkar legte 1963 an der Handwerkskammer Düsseldorf seine Prüfung zum Maurermeister ab. Heute führt sein Sohn die eigene Baufirma.

"Auf den Baustellen ging es während meiner Lehrzeit anders zu als heute. Die praktische Ausbildung fand ausschließlich in der ausbildenden Firma durch den Meister statt. Wir hörten gerne den älteren Gesellen zu, wenn sie von ihren Erlebnissen im Arbeitsalltag berichteten. Zum Beispiel, wenn sie nach dem Krieg auf Bauernhöfen arbeiteten und zusammen mit den Knechten und Mägden ein ungewohnt gutes Mittagessen einnehmen konnten", sagte Hans-Gerd Bültjes aus Kalkar, der bei der Altmeisterfeier den Goldenen Meisterbrief als Maurermeister entgegennehmen konnte.

Es war der Wunsch des heute 75-Jährigen, von 1953 bis 1956 bei der Bauunternehmung Bültjes in Kalkar – der Firma seines Vaters – eine Lehre als Maurer zu machen. Am 1. April schickte man ihn zu einer Baustelle, mit der Aufgabe "Steigerlöcher" zu holen. Er bekam monatlich 15 Mark und arbeitete von 7 Uhr bis 17 Uhr, auch samstags. Oft wurde das Material erst spät am Nachmittag angeliefert, und die Lehrlinge mussten dann die einen Zentner schweren Zementsäcke per Hand vom Lkw abladen und oft bis zu 80 Meter weit tragen. Das konnte dann schon bis 20 Uhr dauern.

In der Berufsschule an der Brabanter Straße in Kleve waren 60 Schüler. Ausbildungsinhalt waren alle im Hochbau anfallenden Arbeiten. Als Werkzeuge dienten unter anderem Maurerkelle, Wasserwaage, Maurerhammer und Lot. Gearbeitet wurde mit Materialien wie Schwerbetonsteinen für den Keller, Hohlblock-, Ziegel - und Kalksandsteinen. Das Gesellenstück für die Gesellenprüfung 1956 in Kleve war ein Kamin mit Anschlägen und Verzahnungen. Hans-Gerd Bültjes war von 1956 bis 1962 Geselle im väterlichen Betrieb. Die Firma Bültjes wurde 1933 von Johann Bültjes gegründet. Aufgrund der damals herrschenden hohen Arbeitslosigkeit machte sich der Vater selbstständig.

Als Geselle wurde Sohn Hans-Gerd bei allen im Hochbau erforderlichen Arbeiten wie Maurer-, Putzer-, Fliesenleger-, Beton- und Stahlbeton-, Schalungs- und Eisenbinderarbeiten eingesetzt. Er erinnert sich an besondere Objekte wie den Bauhof in Kalkar mit Feuerwehrdepot einschließlich Wohnungen, Arbeiten an und in der Nicolaikirche, Kindergärten und Schulen. "Früher waren für eine Baustelle bis zu fünf Maurer und zwei Hilfsarbeiter nötig, heute sind durch das Einsetzen von Maschinen, Kränen und Fertigbeton kaum noch Hilfsarbeiter erforderlich", sagt Bültjes. Vor der Meisterprüfung am 26. April 1963 bei der Handwerkskammer Düsseldorf besuchte er den Meisterkursus. Montags fuhr er morgens um 4 Uhr mit dem "Kruppzug" nach Duisburg und von dort weiter nach Düsseldorf und Freitagabends zurück.

Im Wohnheim teilte er mit drei Mitschülern ein Zimmer. Die Aufgabe für das Meisterstück erhielt er in einem geschlossenen Kuvert. Seine Aufgaben, die er innerhalb einer Woche im Büro des Obermeisters Kösters in Kleve durchführen musste, waren: Drei Zeichnungen zur Herstellung eines Wohnhauses nach einer Skizze, eine Massenberechnung sowie die Erstellung von Angebot und Rechnung.

(RP)