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Kleve: Mit dem Zug nach Nimwegen

Kleve : Mit dem Zug nach Nimwegen

Seit der Stilllegung der Bahnlinie zwischen Kleve und Nimwegen im Jahr 1991 gab es immer wieder Versuche, die 26 Kilometer lange Strecke zu reaktivieren. Andreas Mayer möchte jetzt eine Bürgerinitiative dazu gründen.

Andreas Mayer hat einen Traum. Einen Traum, den er mit vielen anderen teilt und dessen Ursprung im vergangenen Jahrhundert liegt. Der 49-Jährige möchte, auch wenn sein Traum mit der Eisenbahn zu tun hat, kein Lokomotivführer werden, sondern eine Bürgerinitiative gründen, deren Ziel die Wiedereröffnung der Eisenbahnlinie Kleve — Nimwegen ist.

Ein altes Thema, in das Mayer neuen Schwung bringen möchte. "Es wird Zeit, dass wir eine Struktur bekommen, die unser Vorhaben vorantreibt", so der Kranenburger, der mehrfach in der Woche nach Arnheim pendelt und über Kontakte jenseits der Grenze verfügt.

Seit die Zugverbindung vor 19 Jahren geschlossen wurde (Grund damals: mangelnde Rentabilität), gab es immer wieder mehr oder weniger ambitionierte Versuche, die 26 Kilometer langen Strecke zu reaktivieren. Die Jahre gingen ergebnislos ins Land und jüngst wurde die Draisine heimisch auf dem heiß diskutierten Gleis.

Im Zentrum stand immer wieder auch die Gemeinde Groesbeek. Bis auf die dortigen Grünen war der Rat stets einstimmig dagegen und verwies auf die funktionierenden Buslinien und darauf, dass die Strecke schlichtweg "unwirtschaftlich" sei.

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Mayer hingegen spricht von einer Sache "mit vielen Gewinnern und wenigen Verlierern". Zu letzteren zählt er auch die Draisine: "Schade drum, aber alle wussten, dass diese Nutzung nur der Offenhaltung der Strecke diente." Allerdings gibt er zu, dass derzeit auf niederländischer Seite mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse als hierzulande.

Viel Hoffnung setzt er daher auf eine Machbarkeitsstudie, die von der Stadsregio Arnhem/Nijmegen in Auftrag gegeben wurde und die "mehrere Varianten der Reaktivierung der Strecke ökonomisch" untersucht. Ein Ergebnis wird im Herbst erwartet.

"Breite Zustimmung" habe er in Gesprächen mit verschiedenen Parteien, beispielsweise in Kleve und Kranenburg, erfahren. Mayer: "Alle sind dafür!" Ein Eindruck, den auch die Euregio Rhein Waal bestätigt. Man sei zwar froh über die Nutzung durch die Draisine, so Geschäftsführer Sjaak Kamps, doch unter anderem wegen der Hochschule ergebe sich zukünftig erhöhter Bedarf für die Linie Nimwegen — Kleve.

Problem sei aber nicht zuletzt, dass bei der Entscheidung Städte, Kommunen und auch das Land zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen müssten, sondern auch die Finanzierungsfrage völlig ungeklärt sei.

An die von Mayer zitierten Fördermittel der EU, die das Ganze zu zwei Dritteln unterstützen könnten, glaubt Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins so nicht. Steins, ebenfalls Fürsprecher einer Reaktivierung, sieht das Vorhaben dennoch weniger romantisch. Die Strecke sei "marode" und derzeit sei das Projekt (das Investitionsvolumen beträgt mindestens 30 Millionen Euro) schlichtweg "nicht finanzierbar". Von den laufenden Betriebskosten ganz zu schweigen — es sei denn, es finde sich ein privater Investor.

Schließlich ist die Finanzlage der Kommunen in den vergangenen Jahren bekanntlich nicht besser geworden — auf beiden Seiten der Grenze. Trotzdem: "Die Bahn wird kommen", so Steins, "aber frühestens in zehn Jahren". Mayer rechnet mit fünf. Dieser Zug jedenfalls ist nach wie vor noch nicht ganz abgefahren.

(RP)