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Kleve: "MINT"-Erlebniscamp begeistert Mädchen

Kleve : "MINT"-Erlebniscamp begeistert Mädchen

Ein fünftägiges Erlebnis-Projekt der Hochschule Rhein-Waal soll junge Schülerinnen für naturwissenschaftliche Fächer begeistern. Die Gruppen arbeiten an fünf Themen. Organisatorin Phyllis Ndugire sagt: "Bei uns gewinnen die Mädchen an Selbstbewusstsein."

Löten, kleben, programmieren, das mögen nur Männer? Technik, Physik und Chemie sind klassische Jungenfächer? Mitnichten. Das bewies die Hochschule Rhein-Waal in dieser Woche, indem sie Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren technische und naturwissenschaftliche Themengebiete schmackhaft machte. 18 Schülerinnen opferten dafür fünf Ferientage.

"Es hat sich absolut gelohnt. Wir haben viel gelernt", sagt die 15-jährige Eva Wissmann, Schülerin am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Kleve, während sie ein Gerät baut, das an Fenster montiert werden soll und den Benutzer daran erinnert, wann er lüften muss.

Die "MINT Girls' Summer School" ist organisiert von der Hochschule Rhein Waal in Kooperation mit dem ZDI (Zukunft durch Innovation) im Kreis Kleve. Die Leitung hat die Kenianerin Phyllis Ndugire, die an der Hochschule in Kleve Maschinenbau studiert. Für sie ist dieses Projekt eine Herzensangelegenheit. "Ich habe selber sehr früh begonnen, mich für Mechanik zu interessieren; auch weil ich dahingehend sehr von meinem Vater unterstützt wurde. Dennoch muss man sagen, dass dies bei den meisten Mädchen nicht der Fall ist", sagt sie. Das liege vor allem daran, dass sie sich nicht genügend trauen: "Die Mädchen sind häufig scheu und glauben, dass naturwissenschaftliche Fächer zu anspruchsvoll sind. Das stimmt aber nicht. Je früher sie das lernen, desto besser", sagt Ndugire. Gemeinsam mit zwei weiteren Studentinnen aus dem Iran und Syrien, zahlreichen wissenschaftlichen Mitarbeitern der Fakultät Mechanik und den Professoren der Hochschule führt sie die Schüler ein in die Welt der "MINT"-Fachbereiche Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. "Besonders die Professoren waren direkt für diese Idee zu begeistern. Sie waren mit großem Eifer dabei", sagt Ndugire. So stellte die Hochschule für eigens Platinen her.

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Mathematik, Mechanik, Chemie, Elektronik und Thermodynamik sollen anschaulich präsentiert werden. "Leider werden diese Studienfächer immer noch von Männern dominiert", so Kirstin Hengstenberg, die das Projekt für das ZDI mitorganisiert hat. "In Kleve liegt die Frauenquote in diesen Fächern bei unter 20 Prozent. An anderen Universitäten im Ruhrgebiet ist dieser Anteil noch deutlich niedriger. Das können wir uns nicht erlauben, denn genau diese Berufe gewinnen heute zunehmend an Relevanz."

Die Stimmung innerhalb der 18-köpfigen Gruppe ist animiert; bei Problemen sucht man gemeinsam nach Lösungen. Für die Schülerinnen ist es außerdem eine besondere Erfahrung, das Uni-Leben kennenzulernen: "Sie essen gemeinsam in der Mensa. Da kommen andere Studenten auf sie zu. So begreift man, was es heißt, Studentin zu sein", unterstreicht Ndugire.

Die 17-jährige Jule Schwartz, Schülerin am Gymnasium Aspel in Rees, meint: "In den Köpfen gibt es noch immer das alte Bild, dass Mädchen in Naturwissenschaften nicht gut sind." Zwar würden die MINT-Fächer an ihrer Schule anschaulich gelehrt, dennoch trauten sich einige Schülerinnen nicht an die Fächer heran. "Die Begeisterung während der Versuche hier verbindet uns innerhalb der Gruppe. Wir lernen mit- und voneinander", sagt sie. Jule könnte sich jetzt vorstellen, selbst in Kleve Biologie-Life-Science zu studieren: "So eine Veranstaltung macht Werbung für die Fachbereiche hier."

Die Kosten des Projekts werden von Hochschule, ZDI und dem Land NRW getragen. "Es geht hier auch um Chancengleichheit. Jegliche Berufe müssen sowohl Jungen, als auch Mädchen offenstehen", erklärt Hengstenberg. Um die Workshops interessant zu gestalten, legten die Veranstalter den Fokus auf die Praxis. "Es gab nur wenig Vorlesungen und dafür viele Versuche. Dennoch zeigen wir so ein realistisches Bild unseres Fachs auf. Wir werkeln eben gerne", erklärt Ndugire.

Für die meisten Schülerinnen war vor allem die Arbeit mit den 3-D-Druckern spannend, mit denen sie kleine Piranha-Nachbildungen herstellten: "Es ist sehr faszinierend, zu sehen, wie filigran eine solche Maschine arbeitet", findet Jule.

Das Projekt Summer School steht neben anderen Angeboten. Die Hochschule spricht etwa mit der Kinder-Uni den jüngsten Nachwuchs an. Das MINT-Erlebniscamp richtete sich aber ausschließlich an Mädchen.

(RP)