Silvester 2013 - Menschen des Jahres: Mensa in Kleve - Hochbegabte unter sich

Silvester 2013 - Menschen des Jahres : Mensa in Kleve - Hochbegabte unter sich

Das Netzwerk für Menschen mit einem Intelligenzquotienten über 130, Mensa, veranstaltet derzeit sein Silvester-Treffen in Kleve. Auf dem Programm stehen zum Beispiel Museumsbesuche – aber auch Sauna-Gänge. Ein Besuch bei Hochbegabten.

Das Netzwerk für Menschen mit einem Intelligenzquotienten über 130, Mensa, veranstaltet derzeit sein Silvester-Treffen in Kleve. Auf dem Programm stehen zum Beispiel Museumsbesuche — aber auch Sauna-Gänge. Ein Besuch bei Hochbegabten.

Sie sind Lehrer, in der IT-Branche tätig, manche sogar arbeitslos. "Und das gar nicht wenige", sagt Hans-Gerd Theunissen, einer von vier Klever Mitgliedern bei Mensa — dem Verein für hochbegabte Menschen mit weltweit 110 000 Mitgliedern. Hochintelligent zu sein, heiße eben noch lange nicht, einen gut bezahlten Beruf auszuüben.

"Auch in Deutschland wird unser Verein immer bekannter", sagt Theunissen. Das Thema verliere langsam sein Stigma. Hochbegabung — also ein Intelligenzquotient von mindestens 130 — als Problem? "Sich in irgendeiner Form abzuheben, ist in unserer Gesellschaft nicht gern gesehen", sagt der Programmierer. Etwa 140 Menschen, die sich "abheben", sind derzeit in Kleve versammelt — zum jährlichen Silvester-Treffen.

Jeder Teilnehmer trägt ein kleines Schildchen an der Brust. Darauf groß der Vorname, klein der Nachname und Herkunftsort. Berlin, München, Hamburg — aber auch Gäste aus England oder Norwegen sind dabei. Auf dem Programm in Kleve stehen die unterschiedlichsten Aktivitäten. "Man muss sich ja einiges einfallen lassen", sagt Hans-Gerd Theunissen, der ein rotes Bändchen trägt. Organisationsteam. Museumsbesuche und Vorträge, aber auch Doppelkopf-Turniere und Sauna-Gänge sind geplant. Besonders beliebt: ein Schnupperkurs für Mahjong und eine Whisky-Verkostung für Anfänger. "Wir haben das alte Hotel Cleve komplett für uns. Da können wir uns ein bisschen breit machen", sagt Rolf Egging aus Kevelaer. Es ist das zweitgrößte Treffen im Kalender von Mensa-Deutschland, nur die Mitgliederversammlung zieht mehr Teilnehmer an.

Zwei Prozent der Bevölkerung sind hochintelligent. Das seien 1,6 Millionen Menschen in Deutschland, Mensa habe hierzulande 11 000 Mitglieder. "Auch wenn natürlich nicht jeder Hochintelligente dem Verein beitritt, spricht das für eine hohe Dunkelziffer", sagt Egging. Also Menschen, die hochbegabt sind, davon aber nichts wissen. "Man hält sich ja für normal", sagt Hans-Gerd Theunissen, der in der Vergangenheit regelmäßig mit seinen Arbeitskollegen aneinander geraten ist. "Ich habe nicht verstanden, warum manche Dinge noch nicht erledigt sind — warum sie anders arbeiten als ich", sagt er. "Nach dem Test ging es mir dann besser, weil ich die Situation anders einschätzen konnte", sagt Theunissen. Für Rolf Egging bedurfte es gar erst einer TV-Sendung, um seinem hohen Intelligenzquotienten auf die Schliche zu kommen. "Mir ist aufgefallen, dass ich hochbegabt sein könnte, als ich eine Sendung mit Günther Jauch gesehen habe. Da konnte man zuhause vor dem Fernseher an einen Intelligenztest teilnehmen", sagt der Kaufmann. Das Ergebnis sei im Hinblick auf den wissenschaftlichen Test, den er später durchführen lies, sogar erstaunlich genau gewesen. Theunissen und Egging waren schon lange erwachsen, als sie sich testen ließen. "Bei Kindern wird Hochbegabung viel zu selten erkannt, auch weil Lehrern viel zu wenig darüber bekannt ist", sagt Hans-Gerd Theunissen. So sei ein typisches Anzeichen für Hochbegabung, wenn ein Kind ständig den Klassen-Clown spiele. "Dann kann es unterfordert sein und sich langweilen", sagt er.

Der wissenschaftliche Intelligenztest wird bei Mensa für Menschen im Alter von 14 bis 65 Jahren durchgeführt und kostet 49 Euro. Eine Übersicht der Termine findet sich auf der Internetseite des Vereins www.mensa.de. Auch Psychologen führen Intelligenztests durch.

(RP)