Kalkar: Mehr Mediziner aufs Land

Kalkar : Mehr Mediziner aufs Land

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr besuchte die Stadt Kalkar und das St.-Nikolaus-Hospital. Bahr führte Diskussion mit Krankenhaus-Vertretern über den fehlenden Nachwuchs an Ärzten.

Die neue Generation der Ärzte fehlt auf dem Land. Das beklagte Kalkars Bürgermeister Gerhard Fonck, als sich gestern Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bei einem Besuch des Kalkarer St.-Nikolaus-Hospitals mit Vertretern des Verbundes der Katholischen Kliniken im Kreis Kleve (KKiKK) ein Bild über die medizinische Lage machte.

Eine wichtige Maßnahme gegen den Mangel an jungen Ärzten sei, mehr Studienplätze für Medizin zu schaffen, forderte KKiKK-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Enders. Bahr stimmte zu, verwies aber darauf, dass das Einrichten von Studienplätzen in die Hoheit der Bundesländer falle. "Die Abitur-Note darf nicht über die Vergabe an Studienplätzen für Medizin entscheiden. Zudem geht es künftig auch darum, familiengerechte Arbeitszeiten an den Hospitälern zu schaffen", so der FDP-Politiker.

Zwar ließen sich viele junge Menschen als Ärzte ausbilden, seien aber anschließend nicht in den Praxen oder in den Krankenhäusern tätig, sondern beispielsweise in der Wissenschaft — auch wegen der Arbeitsbedingungen, bedauerte Bahr. Es gebe aber Instrumente, damit niedergelassene Mediziner auf dem Land Nachfolger finden. So sei es möglich, dass im Notfall Kommunen oder die Kassenärztliche Vereinigung Praxen führten.

Zwar wünscht sich der Minister mehr Studienplätze für angehende Ärzte, doch die Länder verwiesen darauf, dass ein Studienplatz für Medizin der teuerste sei. Mehr Studienplätze einzurichten, sei preiswerter für die Gesellschaft als alle anderen Lösungen, entgegnete Enders. Er berichtete von den Schwierigkeiten, die der Hospital-Verbund hat, um Nachwuchs-Ärzte zu gewinnen. In knapp fünf Jahren hätten sich die Kosten für freiberufliche Honorarkräfte für den Krankenhausverbund verzehnfacht. Als weitere Belastungen kämen noch die höheren Löhne für angestellte Mediziner und die Energiepreissteigerungen hinzu.

Auch ein Mangel an Pflegekräften droht. Bärbel Peschges, Pflegedienstleiterin im Kalkarer Hospital, sagte, dass das St.-Nikolaus-Krankenhaus in zehn Jahren Probleme bekommen wird, wenn Pflegekräfte massenweise in Rente gehen und der Nachwuchs fehlt. Das Kalkarer Hospital sei zunächst gesichert, betonte der Hauptgeschäftsführer. Gründe seien die Ausrichtung auf Psychiatrie und Psychotherapie sowie die wirtschaftliche Situation des Hauses. Kalkar schreibt schwarze Zahlen.

(RP/rl)