Kreis Kleve: Mehr Hilfe im Frauenhaus

Kreis Kleve : Mehr Hilfe im Frauenhaus

Da nach fünf Jahren Pause die vierte Stelle im Frauenhaus für den Kreis Kleve wieder besetzt ist, kann die Einrichtung seit vergangenem Jahr Nachbetreuungen anbieten. Außerdem sind immer häufiger Dolmetscher nötig.

Menschenhandel, häusliche Gewalt, eine drohende Zwangsheirat – die Gründe, aus denen das Frauenhaus in Kleve aufgesucht wird, sind vielfältig, haben aber eins gemeinsam: Sie sorgen für Angst und Verzweiflung bei den Betroffenen. 62 Frauen mit 65 Kindern suchten 2011 Zuflucht im Frauenhaus, der Aufenthalt reichte von unter einer Woche bis zu einem Jahr.

"Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren gleich geblieben. Auffällig ist aber, dass wir im vergangenen Jahr häufig Dolmetscher einsetzen mussten", sagt Viktor Kämmerer, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Kleve, Träger des Frauenhauses, bei der Vorstellung des Jahresberichts. Der Grund dafür sind Frauen, die aus dem Ausland kommen oder einen Migrationshintergrund haben – 22 der 62 Frauen stammten nicht aus Deutschland, sondern beispielsweise aus Marokko, Ghana, Thailand oder der Türkei – und schlecht Deutsch sprechen. "Dolmetscher bekommen Honorare. 400 Euro hat das Land pro Jahr dafür vorgesehen, aber das reicht nicht aus", sagt Kämmerer. Das Frauenhaus erhält zwar Zuschüsse durch das Land NRW, ist aber auch auf Tagesgelder und Spenden angewiesen, um die Kosten zu decken.

2011 kamen 27 Frauen zwischen 19 und 25 Jahre in die Klever Einrichtung, bei ihnen drehen sich die Probleme häufig um Schule und Ausbildung. Frauen zwischen 26 und 40 Jahren, von denen im vergangenen Jahr 28 Hilfe suchten, haben meist andere Anliegen. "Bei ihnen geht es vor allem um Erziehung, Mutterschaft und die finanzielle Absicherung", sagt Andrea Hermanns, Leiterin des Frauenhauses. Die Sozialpädagogin berät nicht nur, sondern begleitet die Frauen zu Ämtern, Anwaltsterminen und Ärzten. Außerdem arbeitet die Einrichtung mit der Polizei zusammen, um die Frauen in ihrer Obhut vor den zum Teil gewalttätigen Männern zu schützen.

Sozialpädagogin Nina Buil ist seit Mitte 2011 neu im Team. Sie besetzt die Stelle, die 2006 gestrichen wurde. Dadurch kann das Frauenhaus wieder Nachberatungen für Frauen anbieten, die das Haus verlassen haben, aber noch Unterstützung brauchen. "2011 haben wir elf Frauen nachbetreut und beispielsweise beim Umzug geholfen und bei Behördengängen begleitet", sagt Buil, die dabei mit den unterschiedlichsten Schicksalen in Berührung kommt. Eine Frau aus dem Dominikanischen Republik war von Menschenhandel betroffen. Sie fand im Frauenhaus Zuflucht, bekam dort ein Kind und hat inzwischen eine eigene Wohnung gefunden.

36 000 Euro stellt das Land für diese zusätzliche Stelle zur Verfügung, die tatsächlichen Kosten deckt das nicht. "Maximal acht Frauen betreuen wir hier. Seit ich Verstärkung habe, bleibt mehr Zeit für die einzelnen Probleme der Frauen übrig", sagt Hermanns.

(RP)