1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve: Materborn wehrt sich

Kleve : Materborn wehrt sich

Die Lebenshilfe möchte in Materborn einen Wohnpark für zehn Millionen Euro bauen, in dem Menschen mit und ohne Behinderung leben sollen. Jetzt haben 16 Vereine Bedenken gegen die Maße des Projekts geäußert.

Es ist das größte Projekt, das die Lebenshilfe gGmbH jemals geschultert hat. Eine Wohnanlage auf einem 5800 Quadratmeter großen Grundstück an der Dorfstraße, im Herzen Materborns, auf dem früher die Materborner Kirche gestanden hat. Nun hat der Heimatverein Materborn Bedenken gegen die Ausmaße des Projekts geäußert.

"Wir sind nicht generell gegen den Bau der Lebenshilfe, ganz im Gegenteil", sagt Dieter Frooleyks, Geschäftsführer des Vereins. Aber es gebe einige Punkte im Konzept der Architekten, die nicht ins Dorfbild von Materborn passen würden.

Die Bedenken hat man nun in einem offenen Brief an Bürgermeister Theo Brauer formuliert. "Eine drei- oder sogar viergeschossige Bebauung ist an der Dorfstraße unvertretbar, wo bisher nur ein- bis zweigeschossige Gebäude vorhanden sind", heißt es in dem Brief. Besondere Sorge gelte dem Autoverkehr und der Parkplatzsituation. "Der Verkehr ist zu bestimmten Zeiten stark. Es wird dann eng, wenn Radfahrer dazwischen sind. Bei Veranstaltungen in der Mehrzweckhalle und besonders bei Beerdigungen gibt es schon jetzt häufig nicht genügend Parkplätze", schreiben die Heimatfreunde.

  • „Lieblingsorte im Rhein-Kreis Neuss – Wir sind #auch da“ : Lebenshilfe startet große Plakat-Aktion zum Protesttag
  • Ingrid Hendricks, hört nach rund 22
    Fußball-Trainerin : Wie Ingrid Hendricks bei Siegfried Materborn eine Ära prägte
  • Nach einer würdevollen Verabschiedung gibt Marianne
    Lebenshilfe Viersen : Nach 34 Jahren geht Marianne Philipzig in Rente

Zwar soll auch eine Tiefgarage gebaut werden, man befürchte aber, dass die dort entstehenden Parkplätze nicht ausreichend seien, so Frooleyks. In diesem Zusammenhang sei auch die Anordnung der Tiefgaragenrampe störend. "Sie erhöht in diesem Bereich die Wandhöhe teilweise sogar auf 16,50 Meter." Überhaupt seien die Baumaße im Vergleich zur sonstigen Bebauung der Dorfstraße unverhältnismäßig groß. "Die Dorfstraße ist durch eine offene Bauweise geprägt. Der Bebauungsplan sieht jedoch teilweise eine geschlossene Bebauung vor. Ein Gebäude an der Grenze zum Grundstück Röhrhoff soll nach dem Entwurf 70 Meter land werden. Auch für die Materborner Kirmes hätte der Neubau in seiner jetzigen Form Folgen. "Es wird hier zu erheblichen Einbußen kommen, da deutlich weniger Fahrgeschäfte gestellt werden können", schreiben sie.

"Wir haben einige Leute in unseren Reihen, die fachkundig sind", erklärt Birgit Walterfang. Frooleyks war vor seiner Pension Sachbearbeiter im Bereich der Bauaufsicht, andere Mitglieder des Vereins besetzten Führungspositionen des Planungsamts in Kleve. Die Heimatfreunde wissen also, wovon sie sprechen.

Auf dem Grundstück sollen zwei dreigeschossige Flachdachgebäude entstehen, die gegenüberliegen. Die Häuser werden durch einen eingeschossigen Bau verbunden, in dem die Verwaltung der Lebenshilfe mit 20 Mitarbeitern untergebracht wird. In einem Haus leben Senioren und junge Menschen, zum Beispiel Studenten. Der gegenüberliegende Wohntrakt soll auf 900 Quadratmeter Platz für ambulantes und stationäres Wohnen von Menschen mit Behinderungen schaffen. In der geplanten Tiefgarage sollen 50 Parkplätze entstehen.

"Wir glauben, die geplante Einrichtung kann den Ortskern beleben", sagt Frooleyks. Aber das Dorfbild dürfe darunter nicht leiden.

(lukra)