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Kreis Kleve: Mars pustet Geldern um

Kreis Kleve : Mars pustet Geldern um

Interview Chicagos Top-Saxophonist Mars Williams hat mal eben das Programm des Offside-Festivals umgestellt und kommt statt mit Liquid Soul mit einem Weltklasse-Quartett – exklusiv für ein einziges Konzert.

Überraschung: Mars Williams bringt für einen einzigen Europa-Auftritt sein Quartett mit nach Geldern, wie Annette Scheepers im RP-Interview erfuhr.

Das OffsideFestival gehört nicht zu den bekanntesten Festivals – noch nicht jedenfalls. Wieso hast du dich dafür entschieden, hier aufzutreten?

Mars Williams Weil ich gerne Musik für Leute aus der ganzen Welt mache. Außerdem ist es eine prima Gelegenheit, für unser Quartett Baker/Hunt/Sandstrom/Williams zu zeigen, was wir in Chicago so machen.

Freust du dich schon darauf, rüber zu kommen?

Williams Auf jeden Fall. Ich liebe Deutschland. Ich habe schon fünf Mal in Moers gespielt, daher kenne ich die Gegend ein bisschen. Beim letzten Mal konnte ich die Zeit nutzen, etwas herumzureisen, beziehungsweise Leute haben mich mitgenommen und mir die Umgebung gezeigt. Das war wirklich toll.

Stimmt es, dass Jazzmusiker immer nur Jazz hören? Wen hast du auf deiner Playliste?

Williams Ich mag so viele Sachen, so viele Musikrichtungen und Musikstile – die Hauptsache ist, sie werden gut gespielt. Hmm, mal sehen, ich habe meinen iPod direkt hier [fängt an zu scrollen]. Also: Andrew Hill, Anthony Braxton, Aerosmith, Aretha Franklin, Beastie Boys, Beatles, Bob Marley ... Ich könnte jetzt endlos weitermachen. Ich liebe ganz einfach Musik, und ich mag es nicht, wenn man die einzelnen Stile voneinander abgrenzt. Wir leben auch in einer Zeit mit viel Crossover in alle Richtungen. Und all diese Musik ist in mir.

Hast du deshalb so viele unterschiedliche Projekte?

Williams Ja. Die meisten Projekte sind auch Stilmixe. Doch mit dieser Gruppe, dem Quartett, ist alles Improvisation. Wir spielen alle unterschiedliche Stile, und wir wissen nie genau, was dabei rauskommen wird, wenn wir uns auf die Bühne stellen.

Ihr probt also gar nicht?

Williams Nein. Allerdings muss ich dazu sagen, dass wir schon seit fast 20 Jahren zusammen spielen. Zuerst in verschiedenen Formationen, zum Beispiel bei Witches & Devils oder Caffeine. Als Quartett treten wir seit drei Jahren zusammen auf, und wir haben in diesem Jahr unsere erste CD herausgebracht, ,Extraordinary Popular Delusions‘ beim Okka Label. In Chicago spielen wir übrigens jeden Dienstag im ,Hotti Biscotti‘, und gestern haben wir bis zwei Uhr morgens im ,Hide Out‘ gespielt.

Du schreibst deine Lieder selbst. Woher nimmst du die Ideen dafür?

Williams Komposition – das ist für mich strukturierte Improvisation. Meine Ideen stammen meist von irgendetwas Improvisiertem, und dann mache ich von da aus weiter. Entweder daddel ich mit einem Sound am Computer herum oder ich finde eine Melodie, wenn ich Saxophon übe. Es ist schwierig, den kreativen Prozess zu beschreiben. Es passiert einfach.

Du bist viel auf Tour, ist das nicht sehr anstrengend?

Williams Das ist meine Art zu leben. Ich liebe es, zu reisen, und ich liebe es, Musik zu machen. Ich bin sehr dankbar dafür, wie mein Leben zurzeit ist. Das Reisen macht einen manchmal ganz schön müde, aber ich liebe es. Es ist toll. In den letzten zwei Monaten zum Beispiel habe ich in Russland, Österreich, Spanien, L.A. und New York gespielt. Aber ich kann es kaum erwarten, wieder loszuziehen.

Gibt es jemanden, mit dem du unbedingt mal spielen möchtest?

Williams Schwierige Frage. Da gibt es einige, glaub‘ ich. Dabei bin ich schon mit vielen aufgetreten, mit denen ich auftreten wollte. Es gibt zahlreiche Musiker, die ich respektiere und so viele, die ich wohl gar nicht kenne, und mit denen es toll wäre, aufzutreten. Vielleicht treffe ich in Deutschland ein paar Leute, die ich vorher noch nie gesehen habe und wir jammen zusammen, und das wird echt klasse. Aber schreib mal Ornette Coleman auf. Und Brian Eno.

(RP)