Kleve/Geldern: Mammutprozess um Schlüsseldienst startet in Kleve

Kleve/Geldern: Mammutprozess um Schlüsseldienst startet in Kleve

Im August 2016 hatten die Behörden dem laut Staatsanwaltschaft betrügerischen Treiben des Schlüsseldienst-Imperiums mit einer Razzia und Verhaftungen ein Ende gesetzt - am Dienstag ist nun der Prozessauftakt vorm Landgericht Kleve. Die beiden mutmaßlichen Köpfe hinter dem "Geschäftsmodell", ein heute 57-Jähriger aus Geldern und ein 39-Jähriger aus Weeze, müssen sich verantworten. Die Anklage: gewerbsmäßiger Betrug und Wucher, Steuerhinterziehung sowie Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt.

Die Schwanenburg erwartet einen echten Mammutprozess: Bereits jetzt sind 28 Fortsetzungstermine angesetzt. Über 100 Zeugen sollen gehört werden - geprellte Kunden der Schlüsseldienste, aber auch Monteure und Mitarbeiter der Gelderner Zentrale. Am Dienstag werden voraussichtlich zunächst nur die Anklageschriften verlesen. Davon gibt es drei Stück, "und die sind ellenlang", so Alexander Lembke, Sprecher des Landgerichts in Kleve.

Am zweiten Prozesstag hofft man auf Aussagen der Angeklagten. Bislang haben die beiden die Anschuldigungen zurückgewiesen und sich ansonsten bedeckt gehalten. Für den dritten Prozesstag werden die Aussagen von Mitarbeitern erwartet, die im Gelderner Call-Center saßen und von dort aus die Monteure anwiesen. Anschließend werden die Handwerker angehört, und danach geht es los mit den Zeugenaussagen von Kunden. Die beiden Angeklagten befinden sich seit ihrer Verhaftung in Untersuchungshaft. Der 57-Jährige aus Geldern hat im Laufe der Zeit zwar eine Haftbeschwerde eingereicht, scheiterte damit jedoch. Zum Prozessauftakt wird großes Medieninteresse erwartet - schon, weil es in ganz Deutschland mutmaßliche Opfer gibt. Die beiden Unternehmer sollen von ihrer Firmenzentrale in Geldern aus bundesweit Monteure zu Menschen geschickt haben, die auf die Hilfe eines Schlüsseldienstes angewiesen waren. Weil sie überall mit örtlichen Telefonnummern geworben hatten, glaubten die Kunden, sie hätten es mit ansässigen Betrieben zu tun. Später wurden ihnen weite Anfahrtswege berechnet. Die Dienstleistungen sollen vielfach schlecht erledigt und zu völlig überhöhten Preisen abgerechnet worden sein. Auch überflüssige Arbeiten sollen durchgeführt worden sein, um die Kosten in die Höhe zu treiben.

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Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten zudem vor, die Monteure als Scheinselbstständige beschäftigt zu haben. Dadurch hätten sie Lohnsteuern und -nebenkosten in Höhe von rund zehn Millionen Euro nicht bezahlt. Umsatzsteuern sollen sie in Höhe von 5,8 Millionen Euro nicht abgeführt haben.

(RP)
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