Kleve: Malerischer Blick aufs Wasser

Kleve: Malerischer Blick aufs Wasser

Zum 11. Mal zeigt das Klever Museum den "Salon der Künstler”. Eine Jury hat aus 108 Bewerbungen 19 Bildhauer, Grafiker, zeichner, Fotografen und Maler ausgewählt, die jetzt im Kurhaus ihre Arbeiten präsentieren. Die große Ausstellung gibt einen repräsentativen Überblick.

Auch wenn der "Salon der Künstler” im Museum Kurhaus dem Salon-Gedanken des 19. Jahrhunderts endgültig entwachsen ist, bleibt der Name als Markenzeichen. Als Markenzeichen für die Künstler der Region, die von der Jury ausgewählt wurden, im Museum ausstellen zu dürfen. 108 Künstler haben sich beworben, 19 wurden von der Jury, Drs. Rick Vercauten, Direktor des Museums Bommel van Dam in Venlo, Dr. Sabine Röder vom Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld und Steffen Fischer vom Museum Goch ausgewählt.

"Die Jury hat es sich nicht leicht gemacht, hat mit der großen Erfahrung aus ihren eigenen Häusern eine sehenswerte Auswahl getroffen ­ auch wenn sie damit in die Rolle des Henkers schlüpfen musste”, sagt Kleves Museumsdirektor Drs. Guido de Werd.

De Werd meint es gut mit den Künstlern, hat das komplette Erdgeschoss für die 19 ausgewählten Maler, Bildhauer, Zeichner, Grafiker und Fotografen freigemacht.Die danken es mit Überraschendem wie Bewährtem, mit schöner Malerei, mit zarter Grafik, mit raumgreifenden Skulpturen. Daraus haben die Klever schöne Räume eingerichtet. Stark die Auseinandersetzung von Zhenia Couso Martell mit der Prostitution in ihrer Heimat, ein dreiteiliges Werk, das einen der hochhackigen Plateau-Schuhe auf den Sockel hebt. Mit einer alle Gefühle tötenden Hornhaut überzogen. Ausweglos die Situation dieser Frauen wie der Raum, den Brigitte Dams mit einer Schlaucharbeit teils verschlossen hat.

Wasser, Wolken Wälder

  • Fotos : Salon der Künstler: Kunst im Kurhaus

Zart dagegen der Saal der Grafik. Hier stehen auch die jüngste und die beiden ältesten Teilnehmer gegenüber: Paula Roesch, 23jährige Kunststudentin, zauberte in ihrem wie ein Leporello gefalteten Skizzenbuch zarte Zeichnungen von Wasser, Wolken, Wäldern aufs Papier, die den Schutz der Vitrine zu verlangen scheinen. Ihr gegenüber Fritz Poortens grazile wie dynamische Stromspuren und Hans van Heumens Fotos von Kindern im Museum. Dazu blickt André Lemmens durch diffuse Schichten wie in eine andere Dimension, eine andere Zeit: Schichtwechsel der Titel.

Fehlfarben und doch richtig Ivonne Zijps Fotos vom Golfplatz im Flutlicht. Spannend Gerd Borkelmanns neue Malerei, die sich aus dem Raum zurückzuziehen scheint, die von Farben erzählt, die vorsichtig auf dem Träger stehen, der sie erhaben von der Wand löst.

Bei Franz Baumgartens malerischen Blick aufs Wasser, das leuchtend zwischen dunkeln Baumstämmen liegt,träumt man vom Haus am See, auch wenn die Stämme wie ein Strichcode vor dem Licht stehen. Filigran reduziert wieder Günther Zins Stahlskulpturen, prinzipiell bewährt und doch immer wieder neu und spannend. Ebenso filigran aber detailverliebt Janusz Grünspeks Installation, die mit schmalen Holzstäbchen ein Atelier nachzeichnet. Dini Thomsen zeigt wieder ihre Großinstallation, die narrativ von Entwurzelung und Heimatlosigkeit erzählt, aber durch die wiederholte Präsentation ihre Kraft verliert

(RP)