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Kleve: Mädchen (8) fälschlich verdächtigt

Kleve : Mädchen (8) fälschlich verdächtigt

In der Klever Kaufland-Filiale an der Flutstraße glaubte der Hausdetektiv, ein Kind beim Diebstahl erwischt zu haben. Mädchen und Mutter wurden in ein Büro mitgenommen. Der Kassenbon sorgte für Aufklärung.

Was der Detektiv der Klever Kaufland-Filiale an der Flutstraße da auch gesehen haben mag, besonders genau kann der "Held für Minuten" nicht hingeschaut haben. Am Donnerstag, 16. Juni, hielt der Aufpasser des Hauses einer Mutter seinen Dienstausweis unter die Nase und eröffnete das Gespräch mit: "Sie wissen wohl, worum es geht." Wusste die 39-jährige Kleverin zwar nicht, doch wurde ihr schnell klar, als sie ihre verstörte Tochter sah, dass der Einkauf nicht nach Plan gelaufen war.

Funky-Bands und Babyfläschchen

Mit ihrer 8-jährigen Tochter hatte die Mutter bei Kaufland die Besorgungen vor dem Wochenende erledigt. Das Kind war alleine durch den Laden gelaufen und hatte sich für Funky-Bands, das sind kleine Bänder aus Silikon, die man als Armband anziehen kann, und ein Babyfläschchen mit Zuckerperlen entschieden. Gesamtsumme: 2,78 Euro. Sie hatte an der Kasse drei Euro abgegeben und 22 Cent zurückbekommen. Dieser Vorgang muss dem eifrigen Detektiv entgangen sein. Denn er beschuldigte das Kind kurz darauf, die Ware gestohlen zu haben.

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Mutter und Tochter mussten dem Ermittler in ein Büro folgen. Keine kluge Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Die Rollen waren für den Ermittler klar verteilt: Die Beweisführung sollte da lediglich Formsache sein.

"Wir haben uns gefühlt wie Schwerverbrecher. Meine Tochter wusste zunächst überhaupt nicht, worum es ging", erzählt die 39-Jährige. In dem Büro, so empfand es die Mutter, eskalierte die Situation weiter. Jetzt schien nur noch Heiner Geißler helfen zu können. "Ich war mir so sicher, dass unser Kind nichts gestohlen hat", erklärt die Kleverin. Erst beim Durchsuchen des Portemonnaies der 8-Jährigen entspannte sich die Situation. Der Kassenbon wurde gefunden.

Was nach der Auflösung des "Missverständnisses" passierte, sorgte bei der Klever Familie noch für weit mehr Unmut als der Vorfall in der Filiale. "Wir haben von der Firma auch knapp zwei Wochen nach dem Vorfall nicht eine Entschuldigung gehört", ärgerte sich die Mutter. Erst gestern, als die Rheinische Post sich in der Pressestelle des Unternehmens in Neckarsulm nach dem Vorfall erkundigte, kam es zu einer Reaktion. Man erkundigte sich nach der Adresse des Mädchens und wollte sich "persönlich und in aller Form mit einem Einkaufsgutschein entschuldigen", so die Mitteilung. Dies sei ein klarer Fall, erklärte eine Sprecherin von Kaufland. Für die Familie war das eine Aktion, die man gerne sofort gesehen hätte. Trotz des Vorfalls wird die Familie aber weiter bei Kaufland ihre Einkäufe tätigen.

Der Verkaufsleiter will sich jetzt bei dem Mädchen entschuldigen. Im Gepäck hat er einen Warengutschein über satte 10 Euro.

(RP/jul)