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Lucas Blalock im Museum Kurhaus Kleve: Wie die Kunst ins Tablet kommt

Museum Kurhaus Kleve : Die Kunst im Tablet

Das Museum Kurhaus Kleve lädt ein, Bilder hinter den Bildern des amerikanischen Künstlers Lucas Blalock zu entdecken und im Tablet-Computer des Museums eine neue virtuelle Kunstwelt zu erkunden.

Seine Werke sind witzig, manchmal anstößig, sie sind klein oder riesengroß, stehen mitten im Raum oder lehnen irgendwo wie abgestellt an: Lucas Blalock hat mit seinen Foto-Werken das Museum Kurhaus erobert. Er erzählt von der Metamorphose des Hamburgers (der Wurst) zum Kunstobjekt und wieder, je nachdem, wie die Wurststückchen fotografiert sind, zum eklig-abgeschnittenen Menschen-Finger oder der Pinocchio-Nase. Er inszeniert Esswaren, Plastikflaschen und Handschuhe zu Stillleben, die er fotografiert und im Anschluss digital manipuliert. So manipuliert, dass diese Bildbearbeitungen auch immer als solche zu erkennen sind.

„Politische Aspekte werden subtil über diese Arbeiten geschichtet, indem Blalock zum Beispiel einen Ausstellungstitel wie ,Ketchup as a Vegetable’ wählt, der auf einen absurden Skandal aus der amerikanischen Politik der Reagan-Ära verweist: Um die Ausgaben für Mittagessen an öffentlichen Schulen zu reduzieren, wurde vorgeschlagen, Ketchup als Gemüse zu definieren, womit man gleichzeitig die vorgegebenen Nahrungsstandards hätte einhalten können und dennoch Kosten gespart hätte“, sagt Susanne Figner, die die erste Einzelausstellung Blalocks in Deutschland kuratiert hat.

Mit dieser Thematik verweise der US-Künstler auf die ständige Ausnutzung der ärmsten Schichten Amerikas zugunsten profitabler Renditen, so Figner.

Aber Blalock erweitert seine Kunst auch mit modernen Medien. Wie die großen Werke im Doppelsaal des Museums Kurhaus. Aber um die Verwandlung in ein neues Sein des Werks zu erleben, muss der Besucher die Aufsicht fragen, die dann aus dem Nirgendwo im Museum einen Tablet-Computer hervorzaubert, für den Blalock eine App geschrieben hat. Dieses Tablet kann der interessierte Museumsbesucher dann benutzen.

„Das erste Mal hat er das für eine Ausstellung in einer renommierten New Yorker Galerie gemacht, wo er das Banner draußen gegenüber der Ausstellung gestalteter.  Hatte man die App auf dem Handy und schaute dadurch auf das Banner, verwandelte sich die Szene“, erzählt Figner. Dann stand der Esel (übrigens das Wappentier der Demokraten) mitten in einer Sanddüne. Dann wurde es dunkel. Diese Werke Blalocks erinnere sie an die Arbeit von Bert Brecht, der seine Figuren auch aufbrach und aus dem Guckkastentheater herausholte, sagt die Kunsthistorikerin.

Figner, die den New-Yorker Kunst-Gag auch für Kleve haben wollte, überzeugte Blalock, das auch fürs Kurhaus zu inszenieren. Eine Inszeniereung, die nicht nur in den Raum greift, weil die Bilder schräg über fast zwei Etagen hoch an der Wand lehnen, sondern die auch digital regelrecht dreidimensional den Raum und die Menschen darin verwandelt - virtuell.

Das klingt schwierig, ist aber sogar ziemlich einfach. „Es ist ein Spiel mit versteckten Bildern“, sagt Figner. Mit versteckten Bildern, die man im versteckten Tablet findet. Hält man das Tablet nun, natürlich nach Aktivierung der App, vor die jeweiligen Leinwände, sieht man das Bild und die davorstehenden Personen zunächst, als wären sie schlicht Fotos. Doch dann schweben Ziegelsteine quer durch den Raum, scheinen Teile von Kakteen die Person vor dem Bild zu umgreifen, bewegen sich im Raum auf den Betrachter zu – so lange er durch den Tablet-Computer schaut. Dann öffnet sich das Bild im Hintergrund, Hände kommen nach vorne und die Begleitung vor dem Bild wird Teil des Ganzen.

Das fasziniert, erinnert irgendwie ein bisschen auch an Pokemon, an eine irreale, virtuelle Welt, die sich mit dem Realen zu einem ganzen zusammenfügt. Eben auf einem Computer-Bildschirm. So wird die Kunst interaktiv, verwandeln sich die Bilder an der Wand. Das ist witzig, manchmal anstößig, eigentlich ziemlich klein auf dem Bildschirm des Computers und doch riesengroß wie die Werke im Raum. Auf jeden Fall spannend und wert, es auszuprobieren. „Man muss nur die Aufsicht fragen“, lädt Figner ein, die virtuelle Welt des Herrn Blalock zu entdecken.