Kranenburg Rosa – Vorfreude und Mahnung

Die liturgischen Farben im Kirchenjahr: Pfarrer Jörg Monier beschreibt in der letzten Folge die Farbe Rosa.

 Pfarrer Joerg Monier in der Kirche in Frasselt. Der Geistliche trägt das rosafarbene, nur selten genutzte Gewand und erläuterte die liturgische Farbe.

Pfarrer Joerg Monier in der Kirche in Frasselt. Der Geistliche trägt das rosafarbene, nur selten genutzte Gewand und erläuterte die liturgische Farbe.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

 Als letzte der sieben liturgischen Farben stellt Pfarrer Jörg Monier von St.-Antonius Abbas, dazu gehören die Kirchen in Nütterden, Frasselt und Mehr, die Farbe Rosa vor: „Als Kind fuhr ich mit in das Amelandlager der Stiftkirche. Dort feierten wir jedes Mal, wenn die Hälfte  herum waren, ein Bergfest. Dazu gehörten ein großes Buffet und ein bunter Abend. Verbunden damit war die Gewissheit, dass man nach weiteren anderthalb Wochen wieder zu Hause war. Das Gewohnte hatte einen dann wieder, und viele neue Erfahrungen, Erlebnisse, Begegnungen und Freundschaften konnten mitgenommen werden. Zugleich stand das Bergfest auch dafür, die noch nicht erledigten Briefe an Eltern und Großeltern endlich abzuschicken oder anderes noch zu machen.

Auch die rosafarbenen Messgewänder sind Zeichen eines Bergfestes. Sie werden nur am 4. Sonntag der Fastenzeit und am 3. Adventssonntag verwendet. Da sie so selten gebraucht werden, verfügt auch nicht jede Pfarrei über solche Gewänder. Wo sie jedoch vorhanden sind und getragen werden, sind sie an den beiden Sonntagen ein Zeichen dafür, dass mehr als die Hälfte der Vorbereitungszeit auf Ostern und Weihnachten vorüber ist. Zu den Gottesdiensten im Advent und in der Fastenzeit gehört die Farbe Lila oder Violett. Rosa als aufgehelltes Violett ist ein Zeichen der Vorfreude und der Mahnung. Ein Zeichen der Vorfreude für die Kinder, die das Weihnachtsfest kaum erwarten können, und für diejenigen, die das Suchen der Ostereier herbeisehnen. Für alle, die in der Fastenzeit auf Alkohol, Süßigkeiten oder anderes verzichten, ist es – besonders, wenn diese Form des Fastens schwer fällt – ein Zeichen der Vorfreude auf das baldige Ende. In den vergangenen Zeiten, als der Advent  als eine Zeit des Fastens und des Verzichtes galt, konnte man gleiches auch über diese Vorbereitungszeit sagen.

Heute könnte der Schwerpunkt eher auf einer innerlichen, besinnlichen Vorbereitung liegen, wenn nicht zu viel Äußeres (Baum kaufen und schmücken, Geschenke besorgen und anderes) anstehen würden. Damit wären wir schon beim mahnenden Charakter der rosafarbenen Gewänder, denn die Hälfte der Zeit ist schon um. Vielleicht gilt, es sollte doch noch mit den guten Vorsätzen für die Fastenzeit begonnen werden. Vielleicht ist doch noch  zusätzlicher Platz im Kalender für echte Besinnlichkeit im Advent. Die Mahnung kann natürlich auch den vielen anderen Dingen gelten, die noch getan werden müssen. Mit Rosa im Advent und in der Fastenzeit ist es letztlich wie mit dem Glas Wasser, das sowohl halb voll als auch halb leer ist. Für den einen steht diese liturgische Farbe für Vorfreude, für den anderen ist sie eine Mahnung. Auf jeden Fall aber ist die rosa Farbe der liturgischen Gewänder die Einladung, die verbleibende Zeit bis zum Fest gut zu nutzen für innerliche und äußerliche Vorbereitungen. Die Hälfte ist vorbei, und es wird höchste Zeit, wenn du noch etwas Bestimmtes zur Vorbereitung für deine Seele, deinen Haushalt oder deine Beziehung zu Gott und den Menschen erledigen willst, dann tue es bald. Übrigens: In manchen Kirchen wird auch der Adventskranz entsprechend gestaltet. Er hat drei lilafarbene und eine rosafarbene Kerze.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort