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Kleve: Literat zwischen Mord und Totschlag

Kleve : Literat zwischen Mord und Totschlag

Eigentlich war Tom Goeller wegen der Präsentation seines Buches "Der alte Fritz - Mensch, Monarch Mythos" nach Kleve gekommen. Dann hinterließ die Buchhandlung Hintzen aber einen bleibenden Eindruck bei ihm. Er schwärmt vom "Literaten" und einer außergewöhnlichen Auswahl.

Eckard Erdmann steht in der Buchhandlung Hintzen und liest ein Schreiben des Autors und Journalisten Tom Goeller. Er lächelt, blickt auf und sagt verschmitzt: "Schön, das freut mich." Gemeint ist damit ein wahrer Begeisterungssturm, den Goeller zu Papier gebracht hat.

"Ich kenne Buchhandlungen buchstäblich auf der ganzen Welt, von Sidney bis Seattle, von Berlin bis Boston, aber nirgends habe ich eine Buchhandlung kennengelernt, die einen Literaten als Buchverkäufer beschäftigt und die ihre Buchabteilungen mit solch kuriosen aber treffenden Titeln ausstattet", schreibt der Autor. "Es kommen immer wieder Menschen, die von unserer Art überrascht sind", sagt Erdmann – der "Literat". Aber das Kompliment freue ihn natürlich besonders. Literatur studiert hat Erdmann übrigens nicht, er hat es in seinem Leben aber immer mit einem Zitat von Peter Brückner gehalten. "Wer das Nichtstun ebenso wie die Arbeit scheut, findet leicht zum Buch", sagt er augenzwinkernd.

Tom Goeller war eigentlich wegen der Lesung seines Buches "Der alte Fritz - Mensch, Monarch Mythos" im Museum Schloss Moyland nach Kleve gekommen, die von Erdmann mitorganisiert wurde. "Am Tag vor der Lesung kam er dann her und schaute sich ein wenig um", erinnert sich der Buchhändler. Vor allen Dingen im Antiquariat habe er gestöbert. Zur Lesung selber konnte Erdmann übrigens nicht, eine Erkrankung setzte ihn kurzfristig außer Gefecht.

Goeller schwärmt unterdessen von der ungewöhnlichen Art der Buchpräsentation und dem Buchsortiment Hintzens. Die Krimi-Abteilung heißt "Mord und Totschlag", Biografien findet man unter "Dichtung und Wahrheit", gleichzeitig der Titel von Goethes Werk über sein Leben. "Eine Idee von Sigrun Hintzen", sagt Erdmann. Dass man ein Buchsortiment außerhalb der großen Ketten und Großanbieter anbiete, hänge auch mit dem "interessanten Kundenkreis" zusammen, der zur Qualität verpflichte. Erdmann nennt es "anspruchsvoll und literarisch, aber offen in alle Strömungen". Schon die Auswahl der angebotenen Titel sei eine Art der Beratung, da sie deutlich subjektiver ausfalle, als bei den meisten Buchläden. "Dazu kommt natürlich noch die persönliche Beratung im Laden. Die meisten Leute kommen nicht herein und sagen: "Ich will genau dieses Buch", erzählt er. Traditionell gepflegt wird auch der Kontakt in die Niederlande. Der besteht schon seit den 50er Jahren und ist durch Paul Hintzen begründet worden.

Neben dem Tagesgeschäft werden auch immer wieder Sonderveranstaltungen wie Lesungen und Buchpräsentationen angeboten. Zuletzt stand die Lesung des Historikers Horst Lademacher an, auch das sogenannte Bahnhofsliteratur-Quartett hat bereits Kultstatus erreicht.

(lukra)