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Lisa-Maria Kamysz wurde beim Art Directors Club Junior Wettbewerb ausgezeichnet

Auszeichnung für Studentin : Gold für „Interkulturelle“ Hocker

Für ihre Bachelorarbeit, in der sie ein modulares Hockersystem präsentiert, wurde die 23 Jahre alte Studentin der Hochschule Rhein-Waal, Lisa-Maria Kamysz, beim Art Directors Club (ADC) Junior Wettbewerb ausgezeichnet.

„Eine Haltung einnehmen, bei der man mit Gesäß und Oberschenkeln bei aufgerichtetem Oberkörper auf einer Unterlage ruht.“ So steht es im Duden geschrieben. Gemeint ist das Sitzen, eine menschliche Grundhaltung. Jeder von uns verbringt mehrere Stunden täglich in dieser Position.

Lisa-Maria Kamysz, Bachelorabsolventin an der Hochschule Rhein-Waal, hat sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit mit diesem Thema beschäftigt und nun einen bedeutsamen Preis abgeräumt. Für ihre Bachelorarbeit „Uneo – Approaching Cultures through a Modular Stool System“ im Studiengang „Information and Communication Design“ wurde die 23-Jährige beim Art Directors Club (ADC) Junior-Wettbewerb mit Gold ausgezeichnet.

Das System der Hocker. Foto: Hochschule Rhein-Waal

Der ADC zählt zu den wichtigsten Kreativwettbewerben in Europa. Er bietet Nachwuchskreativen die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Kamysz’ Idee ist so einfach wie genial. Ihr modulares Hockersystem „Uneo“ basiert auf traditionellen Hockerformen und ermöglicht die individuelle Kombination von Formsprachen aus der ganzen Welt.

Es ist die Synthese zweier Ideen, die sie ihrem betreuenden Professor Christoph Zielke im Vorfeld der Bachelor-Arbeit präsentiert hatte. „Mein erster Themenvorschlag war, etwas über modernes Design und Kunsthandwerk verschiedener Kulturen anzufertigen“, erzählt sie. „Die zweite Idee bezog sich auf ein Modulsystem aus Sitzmöbeln.“ Zielke, Professor für Mediendesign, brachte schließlich eine Art Kombination ins Spiel.

In der Folge ging es an die Recherchearbeit. „Die meisten Informationen habe ich tatsächlich aus verschiedenen Bibliotheken, beispielsweise an den Unis in Köln und Düsseldorf, aber auch durch das Internet bezogen“, so die Moerserin, die mittlerweile für eine Agentur arbeitet. Auch einen Tischler habe sie zu Rate gezogen. Das Endergebnis kann sich sehen lassen. „Uneo“ besteht aus fünf verschiedenen Sitzflächen, die sich wiederum mit acht möglichen Beinelementen kombinieren lassen. Die kulturell bedingt unterschiedlichen Formsprachen kann Kamysz sehr anschaulich erläutern. „Während afrikanische Hocker tendenziell sehr stabil und stämmig daherkommen, sehen Hocker aus dem asiatischen Raum ganz anders aus. Dort findet man viel fragilere Exemplare, die oftmals mit Ornamenten verziert sind.“

Für den grenzgängerischen Charakter der Arbeit fand die Jury des ADC besonders lobende Worte: „Wenn Produktdesign zu Corporate Design wird, beides neu erfunden wurde und wenn beides kongenial zusammengehört und zusammenpasst, dann entsteht eine Arbeit, die wirklich Maßstäbe in ihrer Kategorie setzt. Uneo beschäftigt sich mit der Kulturgeschichte des Sitzens und schafft durch geschicktes Kombinieren eine völlig neuartige Produktfamilie. Zugleich entsteht ein visuelles System, welches ikonischer nicht sein könnte“, heißt es in einer Beurteilung.

Darüber hinaus hat „Uneo“ aber noch eine ganz andere Bedeutung. So sollen die „interkulturellen“ Hocker demonstrieren, wie gut vermeintlich gegensätzliche Ansichten zusammenpassen können und die Annäherung zweier Kulturen symbolisieren. „Lisa-Maria Kamysz hat eine beeindruckende integrative Arbeit entwickelt, die weit über die Grenzen des klassischen Kommunikationsdesigns hinausweist“, betont Zielke, der Kamysz letztendlich zur Teilnahme am ADC Junior Wettbewerb motivieren konnte.

In Zukunft will sie ihr Konzept auch gerne noch weiterverfolgen. „Irgendwann möchte ich es auf jeden Fall realisieren. Vom Tischler weiß ich, dass das durchaus möglich ist. Im letzten Jahr haben mir allerdings Zeit und technische Möglichkeiten gefehlt.“

Nun liebäugelt die 23-Jährige mit dem Gedanken, Produktdesign zu studieren.