Kleve: Liebesbeweis am Fenster

Kleve: Liebesbeweis am Fenster

Bemalte und beschrifteterEier werden im Marburger Landzu Ostern verschenkt. Sie drückenLiebe und Zuneigung mit ihren vielenGesichtern aus - beispielsweisedie zu Gott oder die bräutliche Liebe.Motive und Sprüche sind seitGenerationen überliefert; einigevon ihnen stammen von Altar- oderFronleichnamstüchern.

Die Muster und Schriften werdenmit flüssigem Bienenwachs auf dasrohe Tierprodukt aufgetragen. Fürdiese Filigranarbeit benutzen dieFrauen einen Federhalter mit einerStahlfeder. Die Eiermal-KünstlerinChristine Schraub benötigt fürsolch ein Werk mindestens zweieinhalbStunden. Für bestimmteMotive wird zum Malen sogar eineauf Holzstäbchen befestigte Stecknadelbenutzt.

Mit heißem Wachs bemalt

Das Färben geschiehtin Batikfarbe, die in Metallgefäßenmit Salz und Essig aufgekochtwird. Das beschriebene oderbemalte Ei wird in die heiße Farbegetaucht, bis das Wachs langsamschmilzt. Es wird aus dem Bad genommen;das Wachs wird abgewischt.An den frei gewordenenStellen kommt die Naturfarbe desEis zum Vorschein. Die gemaltenOrnamente und Schriftzeichensind als Negativ zu sehen. Die nachdiesem Verfahren hergestelltenKunstwerke trocknen im Laufe derJahre aus und können bei kühler,luftiger und erschütterungsfreierAufbewahrung über 100 Jahre altwerden.

Das bemalte Ei im MarburgerLand diente auch als Beweis derLiebe. Früher war es üblich, dass diejungen Männer über eine Leiterzum Fenster ihrer Herzensdamestiegen und dort die Kunstwerke alsBeweis der Zuneigung entgegennahmen.Hatte der junge Burschedie Gunst seiner Auserwählten,wurde er sogar ins Haus gerufen.Wenn mehrere Bewerber beim"Fensterln" dabei waren, gab es fürden Favoriten bis zu einem Dutzendbemalte Eier.