"Lidl"-Mord: Verteidigung fordert sieben Jahre Haft — Angeklagter weint

"Lidl"-Mord-Prozess : Verteidigung fordert sieben Jahre Haft — Angeklagter weint

Acht Prozesstage lang haben die Gebrüder O. im Fall des "Lidl"-Mordes geschwiegen, Einlassungen nur schriftlich abgegeben. Am Montag sprachen sie zum ersten Mal öffentlich über ihre Tat und entschuldigten sich bei der Familie des Opfers.

"Ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, dass weder ich noch mein Bruder vor hatten, B. zu töten. Dafür entschuldige ich mich", sagte der 31-jährige Adil O. Sein 22-jähriger Bruder wandte sich direkt an die Betroffenen. "Ich bereue die Tat zutiefst und möchte mich bei der Familie und den Angehörigen entschuldigen", sagte er.

hnen wird vorgeworfen, im März einen 43-Jährigen mit zahlreichen Messerstichen bei Lidl in Kleve-Materborn getötet zu haben.

Zuvor hatte Rechtsanwältin Gabriele Heinecke für die Nebenklage plädiert. Die Tat erwecke den Eindruck, aus niederen Beweggründen und heimtückisch geschehen zu sein, sagte sie. "B. hatte keine Chance, sich zu verteidigen. Nicht einmal die Chance, zu fliehen", betonte Heinecke. Die Angeklagten würden wegen eines vollendeten Tötungsdeliktes zu verurteilen sein, einen Antrag zur Höhe der Strafe stellte die Anwältin aber nicht.

Als Totschlag wertete die Verteidigung die Ergebnisse der Beweisaufnahme. "Adil O. hat die Tat begangen, dafür ist er zu bestrafen", sagte Rechtsanwalt Necdal Disli. Während Disli die Höhe der Strafe nicht ausführte, plädierten Verteidiger Dr. Stefan Tierel und Leonhard Mühlenfeld auf einen minderschweren Fall und sieben Jahre Haft für ihre Mandanten. Gleich mehrere Gründe würden für diese Wertung sprechen, führten sie aus. So sei die Tat unter anderem nicht in Einklang mit der Persönlichkeit der Angeklagten zu bringen.

Über Jahre hinweg habe das Opfer die Familie verfolgt, mehrfach sei die Bedrohung dabei in rohe Gewalt eskaliert. Auch gehe man von einer spontanen, nicht einer geplanten Tat aus. "Erst hole ich beim Arzt ein Asthma-Spray, dann begehe ich angeblich Ehrenmord. Das ist fernab jeder Alltagsvorstellung", sagte Mühlenfeld. Während der Plädoyers brach der geständige Adil O. dermaßen in Tränen aus, dass die Verhandlung unterbrochen werden musste.

Sollte sich das Gericht dagegen entscheiden, der Wertung der Verteidigung zu folgen, reichte diese gleich elf Anträge ein — darunter weitere Zeugenvernehmungen und Gutachten. Wie die Kammer darüber entscheidet, zeigt sich spätestens am nächsten Prozesstag, 12. Dezember, 13 Uhr.

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(RP)
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