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Lesung von Christoph Peters über Erinnerungen an Brüter-Planung

Ganz besondere Lesung : Christoph Peters und sein „Dorfroman“ in Hönnepel

Einen passenderen Ort für die Lesung hätte es nicht geben können. Weshalb es für Christoph Peters Ehrensache war, die erste öffentliche Auseinandersetzung mit seinem „Dorfroman“ seit Oktober 2020 in Hönnepel und nirgendwo sonst stattfinden zu lassen.

Dabei war es ja keinesfalls sicher, dass die Erinnerungen an seine Heimat, die Peters schon vor langer Zeit verließ, nur auf Begeisterung stoßen würden. Denn Anfang der 70er Jahre ging ein Riss durchs Dorf, wie sich Norbert van de Sand erinnert. Es gab Befürworter und Gegner des Projekts „Schneller Brüter“. So sensibel sei das Thema gewesen, dass es nicht einmal an den Tresen der damals noch drei Hönnepeler Gaststätten debattiert wurde. Jetzt, mit dem Abstand von 40 Jahren, sind die großen Emotionen abgeflaut, und nichts sprach dagegen, dem heute 55 Jahre alten Jungen aus dem Ort, der ein namhafter Schriftsteller wurde, zuzuhören.

Und zwar an geschichtsträchtigem Ort: auf der Wiese hinter der alten Volksschule, an der Christoph Peters’ Mutter als „Fräulein Meier“ unterrichtet hatte und auf der der kleine Christoph Fußball spielte. Die Zuhörer der Lesung waren Menschen, die die Familie Peters entweder immer schon kennen oder die sich damals zur AKW-Thematik positionierten. Auch Lehrer des Autors waren zugegen. Heute gibt es praktisch nur noch Bürger, die froh sind, dass der Kalkarer Brüter nie ans Netz ging. Das war damals anders: Der Rat gab 1971 seine Zustimmung zum Bau, ein kritischer Kirchenvorstand wurde von Münster abgesetzt, Christoph Peters’ Vater hoffte auf viele Arbeitsplätze für die Region, seiner Mutter passte es gar nicht, dass ihr heranwachsender Junge, der bis dahin Plakate von Franz-Josef Strauss in seinem Gaesdoncker Internatszimmer an den Wänden gehabt hatte, plötzlich mit den langhaarigen „Gammlern“ in der Kommune, die sich im „Freundschaftshaus“ gegründet hatte, abhing. Die betagten Eltern sind übrigens erst kürzlich aus Hönnepel weg gezogen.

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Diese drei Zeitebenen kommen im Roman, den die RP bereits vor einigen Monaten vorstellte, vor: die naive Sicht des Fünfjährigen auf die neue Lage im Heimatdorf (das im Roman Hülkendorf heißt), die spannende neue Freiheit in der Gemeinschaft radikal-ökologischer „Linken“, schließlich das Heimkommen des Erwachsenen in den heutigen Ort, an dem sich vieles verändert hat,etwa die gehaltenen Rinderrassen, manches aber anscheinend überhaupt nicht: die Wiesen, der Rhein. Weshalb der Wahl-Berliner nicht ausschließt, irgendwann zurück zu kommen an den Ort seiner Kindheit. Heute kann er ja mit all den Nachbarn (man ist immer noch per Du), für die der Brüter nur noch Historie ist, entspannt reden. Und sehr gerne signierte er seine Bücher, die die Buchhandlung Hintzen vor Ort verkaufte.