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Kreis Kleve: Langes Warten auf Geld für Sozialbestattung

Kreis Kleve : Langes Warten auf Geld für Sozialbestattung

Wenn Angehörigen das Geld für würdevolle Bestattungen fehlt, muss diese aus dem Sozialhilfe-Etat bezahlt werden. Der Kreis prüft Anträge oft monatelang. Bestatter müssen vorfinanzieren. Manchmal bleiben sie gar auf den Kosten sitzen.

Immer mehr Menschen in Deutschland können die Kosten für eine würdevolle, angemessene Bestattung ihrer Verstorbenen nicht mehr aufbringen. Sie müssen beim Sozialamt beantragen, dass dieses die Kosten übernimmt. Früher sprach man von "Armenbegräbnissen", heute von "Sozialbestattungen". Inzwischen werden - so sagt der Sprecher des Bundesverbandes der Bestatter, Rolf Lichtner - zwölf bis 14 Prozent aller Bestattungen mit öffentlichen Geldern finanziert. Seit die rot-grüne Regierung 2004 das Sterbegeld aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen hatte, seien immer mehr Anträge auf Sozialbestattungen gestellt worden. Dieser Trend ist auch im Kreis Kleve zu erkennen. 2005 zahlte der Kreis für die Beisetzungen lediglich 75 000 Euro, 2013 waren es schon 130 000 Euro - eine Belastung für die sowieso schon klamme Kasse des Kreises.

Eine finanzielle Belastung stellen Sozialbestattungen auch für viele Bestatter im Kreis dar. Laut Gesetz müssen Erdbestattungen in NRW innerhalb von acht Tagen erfolgen. Bis die Entscheidung des Kreises über die Anträge zur Übernahme der Kosten im Rahmen der Sozialbestattung gefallen ist, vergeht oft aber viel mehr Zeit. "Die Bearbeitungszeit schwankt somit erheblich - so die Rückmeldung aus den verschiedenen Kommunen, und zwar von acht Wochen bis zu mehr als einem Jahr", teilte eine Sprecherin des Kreises Kleve mit.

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Für die Bestatter bedeutet dies: Sie finanzieren die Bestattung erstmal aus eigener Kasse vor. "Bis zu 20 Prozent sind bei mir Sozialbestattungen", sagt Bestatter Martin Ney (57) aus Emmerich. Dies bedeute für ihn, dass er im Schnitt wegen der langwierigen Antragsprüfungen ständig 5000 bis 10 000 Euro Außenstände in seiner Bilanz stehen habe. Ähnliches berichtet Michael Keunecke, der mit seiner Mutter Bestattungsunternehmen in Geldern (ehemals Spolders) und Wesel führt. "Aktuell haben wir 15 Fälle aus 2013/14, wo wir noch auf unser Geld warten", berichtet der 32-Jährige. Der Klever Bestatter Wilfried Hendricks (51) hat ebenfalls schon Fälle erlebt, in denen der Kreis eine Übernahme der Kosten am Ende abgelehnt hat. "Und dann sehen wir meist gar kein Geld", klagt der Klever. Michael Keunecke bestätigt: "Es gab Fälle, da haben wir keinen Cent bekommen."

Den Bestattern steht zwar die Möglichkeit offen, eine Sozialbestattung abzulehnen. Dies schadet jedoch zum einen nach Einschätzung mancher Bestatter ihrem Image. Zudem können einen solchen Schritt viele nach eigener Aussage "moralisch" nicht verantworten. "Der wirtschaftliche Druck, unter dem viele Bestatter inzwischen stehen, ist aber so groß, dass es auch solche gibt, die eine Sozialbestattung ablehnen", sagt Rolf Lichtner vom Bundesverband der Bestatter. Wenn jemand 20 Prozent Sozialbestattungen habe, dann sei einfach die Grenze dessen erreicht, was der Betrieb angesichts der daraus möglicherweise resultierenden Außenstände finanziell verkraften könne.

Die Gründe für die manchesmal monatelange Bearbeitungszeit der Anträge liegt nach Auskunft des Kreises zum einen in gesetzlichen Bestimmungen. Zum anderen seien eventuell viele Nachfragen bei den Antragstellern nötig, die zudem manchmal erst mit großen zeitlichen Abstand beantwortet würden.

Auch die Bestatter bestätigen, eine Mitschuld an den langen Wartezeiten liege bei den Antragstellern. Wenn beispielsweise eine Erbengemeinschaft von vier Nachkommen zu der Bestattung verpflichtet sei, liege es manchmal daran, dass nur eine Unterschrift fehle. Und bis die vorhanden sei, könnten Monate vergehen.

Es gibt Wege, die Zahlung zu beschleunigen. Einer sind ständige Anrufe bei Sozialamt und Kreisverwaltung. Dass es auch unkonventionell geht, zeigt ein Beispiel aus der Praxis. Als in einem Fall von Michael Keunecke mal nur eine Unterschrift einer älteren Frau fehlte, und die immer wieder sagte, sie wolle ja zum Amt fahren und unterschreiben, habe aber keine Gelegenheit dazu, schlug der Bestatter ihr kurzerhand vor: "Okay, ich komme eben vorbei und fahre sie hin." Damit war der Fall gelöst, das Geld wurde bezahlt.

Grundsätzlich wünschen sich betroffene Bestatter, dass alle mehr Vorsorge treffen. Jeder sollte - in welcher Form auch immer - etwas Geld zur Seite legen, damit die Finanzierung von Bestattungen kein Problem ist. Dann würde es keine Sozialbestattungen mehr geben - und keine Außenstände von mehreren Tausend Euro in ihren Bilanzen.

Doch dies ist laut Rolf Lichtner vom Bundesverband der Bestatter genauso utopisch wie der Vorschlag, das Sterbegeld in Deutschland wieder einzuführen. Eine umsetzbare Teillösung des Problems ist für ihn jedoch die Idee, dass die jeweils zuständigen Sozialämter (der Kreis) innerhalb von zwei, drei Tagen nach dem Tod eines Menschen dem Bestatter eine Kostenzusage geben - und den Antrag erst später prüfen. Dann hätte - wenn der Antrag negativ entschieden wird - aber der Kreis das Problem, vorfinanzierte Bestattungskosten von den Angehörigen zurückzubekommen.

(RP)