Kreis Kleve: Landwirten fehlen Flächen

Kreis Kleve : Landwirten fehlen Flächen

Die Kreisbauernschaft Kleve beklagt sich über immer knapper werdende landwirtschaftlich nutzbare Grundstücke. Ein Grund: der vermehrte Anbau von Mais als Energiepflanze für Bioanlagen. Preis für Schweinefleisch ist im Keller.

Für Josef Peters, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve, ist es höchste Zeit, den "Landfraß" zu stoppen. "Der anhaltende Flächenverlust ist gesellschaftlich nicht mehr tragbar und den Landwirten nicht mehr zu vermitteln. Wir brauchen heute jeden Hektar", sagte Peters gestern im Rahmen einer Pressekonferenz auf dem Hof des Landwirts Heinz-Peter Tremöhlen in Reichswalde. Tremöhlen betreibt Ackerbau, eine Putenmast und unterhält in Kooperation eine Biogasanlage. Kreislandwirt Peters nannte es eine erschreckende Entwicklung, dass im Kreis Kleve Biogasanlagen "wie Pilze aus dem Boden sprießen".

Konkurrenz für Tierhalter

Der Anbau von Mais als Energiepflanze für Biogasanlagen sei eine zunehmende Konkurrenz für alle Tierhalter und sorge dafür, dass landwirtschaftliche Nutzflächen nahezu unerschwinglich werden. Peters: "Wenn das so weiter geht, können wir Tierhalter bald kein Geld mehr verdienen." Schon jetzt müsse Stroh kostenintensiv aus Frankreich importiert werden, weil hier die Flächen für Getreide fehlten. Der Niederrhein, so Peters weiter, verwandle sich allmählich in eine "Maiswüste". "Die niederrheinische Kulturlandschaft geht kaputt", betonte der Kreislandwirt.

Tremöhlen hielt dagegen, dass die Landwirte im Kreis Kleve sich langfristig darauf einstellen müssten, sowohl Nahrungsmittel als auch Energiepflanzen zu produzieren. In anderen Landkreisen, beispielsweise im Kreis Borken, nehme der Anbau von Mais 60 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ein. Im Kreis Kleve seien dies gerade einmal 30 Prozent.

Ein Problem für die Landwirte seien hohe Umweltschutzauflagen, waren sich die Landwirte einig. So betont Johann Schlaghecken, Schweinehalter aus Bedburg-Hau, dass auch für Projekte wie die Eisenbahnroute Betuwe-Linie große Ausgleichsflächen ausgewiesen werden müssten. Deutlich wurde Peters: "Die zunehmende Verlagerung auf den Umweltschutz seitens der Politik ist lediglich eine ideologische Vorstellung. Davon kommen kein Essen auf den Teller und kein Strom aus der Steckdose."

In einer schwierigen Lage befänden sich zurzeit die Schweinehalter, so Peters. Die Ferkelpreise seien sehr niedrig, gleichzeitig seien die Futterkosten gestiegen. Für ein 25 Kilogramm schweres Ferkel wurden nur noch 33 Euro erlöst — 50 Euro brauche der Landwirt aber, um die Kosten zu decken. Dagegen seien die Futterkosten im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen. "Ich weiß nicht, wie ich auf diese Entwicklung reagieren kann. Wirtschaftlich wird es für mich ganz schwierig", beklagt Sauenhalter Johannes van Wickeren aus Uedem. Die Alternative, eine Biogasanlage zu betreiben, böte sich ihm nicht. "Dazu habe ich zu wenig Flächen", so van Wickeren.

Eine gute Nachricht gab es auch: "Obwohl in diesem Jahr im Kreis Kleve rund zehn Prozent weniger Weizen als 2010 geerntet wurde, gibt es keinen Grund, die Brötchen teurer zu machen", sagte Peters.

(RP/jul)
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