Kleve: Landschaft ohne Horizont

Kleve: Landschaft ohne Horizont

In ihrer großen Ausstellung präsentieren die künstlerische Direktorin von Museum Schloss Moyland Dr. Bettina Paust und ihr Museumsteam 79 Fotoarbeiten von 15 internationalen Künstlern. Keines der Landschafts-Fotos hat einen Horizont. Die Eröffnung ist Samstagabend.

Wie auf einer Modelleisenbahn: Männlein montieren zart-filigrane Moniereisen in grauen Beton, Mini-Leitern schauen aus kleinen Löchern. Doch Fotograf Miklos Gaál baut die Szenen nicht im Mini-Format nach,um sie wie echt aussehen zu lassen. Hier arbeiten handfeste Betonbauer an einem Brückenbau, setzen echten Monierstahl. Der Finne, der sich in der Regel seinen profanen Bildmotiven wie dieser Baustelle aus der Vogelperspektive nähert, spielt in der Regel mit den für Makro-Fotografie typischen Schärfen und Unschärfen, die die Sichtweise derart irritieren, dass man glaubt im Faller-Format der HO-Bahn zu sein. In dieser Vogelperspektive fehlt den Fotos von Gaál noch eins: der Horizont.

"Landschaft ohne Horizont. Nah und Fern in der zeitgenössischen Fotografie" heißt die Ausstellung, die heute Abend in der großen Ausstellungshalle von Museum Schloss Moyland eröffnet wird. Zwar steht diese Schau zum derzeit aktuellen Reigen der Landschaftsbilder in der Fotografie, will sich aber deutlich von anderen Landschafts-Ausstellungen unterscheiden. Den Bildern der Moyländer Ausstellung fehlt nämlich der eigentliche "Schlüsselreiz" (so die künstlerische Direktorin von Museum Schloss Moyland, Dr. Bettina Paust), der selbst bei abstrakten Bildern die Assoziation Landschaft hervorruft: Die waagerechte Linie, die sich Horizont nennt. Dennoch sind alle Fotografien Landschaften. Und es sind neue, spannende, überraschende Blicke auf, in oder unter Landschaft. Irritierende Blicke, romantische, kritische.

Skifahrer im Weiß

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Geradezu abstrakt die großen weißen Flächen des Südtirolers Walter Niedermayr. Mit jenen winzigen Punkten, die sich bei genauem Hinsehen als Skifahrer entpuppen. Der Blick ins Paradies stammt wiederum von Thomas Struth, einen der drei großen Vertreter der Düsseldorfer Schule: Als gebe es kein Oben und kein Unten schaut er sachlich Mitten hinein ins Gestrüpp eines Urwaldes in Florida. Großformatige Fotoarbeiten wie die Struths wechseln sich mit kleinen Formaten oder Serien. Schön der Blick von Dieter Appelt auf immer das selbe Stück Wasser, das er 27 Mal fotografierte und die Einzelbilder zu einem großen Tableau Wasser zusammenstellt, als sei es ein mit einem Rastermaß überzogener, vorbeiziehender Fluss.

Bettina Paust hat mit 79 Arbeiten von 15 Fotokünstlern eine spannend inszenierte und großzügig gehängte Ausstellung in die Ausstellungshalle gezaubert. Mit großen Namen, bekannten Künstlern und neuen Begegnungen. Wieder zu sehen die Stadt-Fotos von Taiji Matsue, den sie schon unterm Dach in einer Kabinett-Ausstellung zeigte. Während Matsue von oben herunter schaut, kriecht der andere Japaner in der Ausstellung, Naoya Hatakeyama unter die Erde und bringt grandiose "Höhlenfotos" ans Tageslicht, das schwach von oben in die unterirdischen Löcher scheint. Die Fotos des Chinesen Zhao Liangin in dunkel schimmernden Blautönen sind auf kostbare Reis-Papier-Bahnen aufgezogen. Ästhetisch wunderschöne Arbeiten, die nichts anderes als den Blick auf das Stück Wasser eines toten Sees mit bäuchlings verwesenden Fischleichen und Müll offenbaren.

(RP)