1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Landratswahl Kleve: Bundesliga-Schiedsrichter Guido Winkmann stellt Programm vor

Bundesliga-Schiri will Landrat in Kleve werden : Guido Winkmann stellt sein Wahlprogramm vor

Die meisten Menschen kennen Guido Winkmann als Schiedsrichter der Bundesliga. Nun möchte er als unabhängiger Kandidat Landrat im Kreis Kleve werden. Was zeichnet ihn aus? Wie führt er Wahlkampf? Was steht im Programm?

Gerne hätte Guido Winkmann (46) sich und sein Wahlprogramm für die Kandidatur zum Landrat des Kreises Kleve vor einer großen Menschenmasse vorgestellt. In der Sommerpause der Fußball-Bundesliga. So wie es geplant war. Corona-bedingt ging dies am Dienstag nur in kleiner Runde. Zwischen dem 29. und 30. Spieltag der bis mindestens Ende Juni laufenden Spielzeit der Bundesliga. „Eigentlich wären wir jetzt durch mit der Saison. Natürlich ist das so viel Stress, zum Glück sind wir aber gut vorbereitet.“

Wir – damit meint Guido Winkmann sich, seinen Freund Bernie Kuhnt, Ex-Polizist und Schauspieler im Sat-1-Krimi „Niedrig und Kuhnt“, und ein kleines Wahlkampfteam aus acht bis zehn Vertrauten. Sie wollen gemeinsam den Bundesliga-Schiedsrichter und LKA-Beamten als unabhängigen Kandidaten zum neuen Landrat des Kreises machen. Doch was befähigt den 46-Jährigen seiner Meinung nach als Nachfolger von Landrat Wolfgang Spreen?

„Viele Menschen denken, ich wäre all die Jahre nur als Schiedsrichter aktiv gewesen“, sagt Winkmann, der seit 2001 als LKA-Beamter tätig ist und dort seit Jahren im Bereich der Wirtschaftskriminalität viel mit Verwaltungen, Kommunen und Ämtern zu tun hat. „Ich hätte mich niemals als Landrat beworben, wenn ich nicht sowohl den polizeilichen als auch kommunalen Hintergrund hätte.“ Seit 2018 hat der Nieukerker, der gebürtig aus Nütterden stammt, bei der LKA-Task-Force „Bekämpfung Finanzierungsquellen organisierter Kriminalität und Terrorismus“ eine Führungsposition. Bei der Entwicklung von Maßnahmen zum Beispiel gegen den Sozialleistungsmissbrauch und die Ausbeutung osteuropäischer Facharbeiter habe er – zusätzlich zu seiner polizeilichen Erfahrung – vieles an kommunalem Wissen aufgebaut. „Diese Kombination ist fundamental wichtig“, sagt Winkmann. „Dort, wo früher Politiker saßen, sitzen heute Fachleute. Auch ich sehe mich als Landrat eher in einer operativen Rolle.“

Als großen Vorteil – das betonte Winkmann immer wieder – sieht er seine Unabhängigkeit. Fünf große Themen hat er auf seine Agenda gesetzt, die er in den fünf Amtsjahren unabhängig von Parteibüchern und Wahlstrategien angehen will. „Ich möchte deshalb auch nicht im Hintergrund bleiben, sondern Sachthemen nach vorne stellen.“

Mit dem Projekt „Jugend trifft Landrat face-to-face“ möchte er die Kommunikation und Diskussion mit Jugendlichen fördern, um aus ihren Bedürfnissen und Ansichten konkrete Maßnahmen ziehen zu können. Beim Vorhaben „Für alle 16 – mit allen 16“ soll die Verwaltung der 16 Städte und Gemeinden im Kreis digitalisiert und dezentralisiert werden. „Der Bürgerservice steht an erster Stelle. Wir müssen die Verwaltung effizienter machen, Bearbeitungszeiten verkürzen und eine effektive Mischform aus Digitalisierung und persönlicher Beratung finden.“

Ein großer Punkt ist für Winkmann die Bekämpfung der Ausbeutung von EU-Facharbeitern in der Fleischindustrie und Landwirtschaft. „Ein komplexes und heißes Thema, das sicherlich nicht jeder angehen würde“, meint er. Mit einer kreisweiten Task Force möchte er dem strukturellen Problem, das hinter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und Ausbeutung steht, auf den Grund gehen. Zuletzt will er den Kreis frühzeitig auf die weiteren Auswirkungen der Corona-Pandemie einstellen und den Kampf gegen illegale Importgülle aus den Niederlanden angehen, um das Grundwasser vor Nitrat zu schützen.