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Kreis Kleve: Lammert wirbt in Kevelaer für Europa

Kreis Kleve : Lammert wirbt in Kevelaer für Europa

Der Bundestagspräsident war Redner beim CDU-Jahresempfang. Wer eine Wahlkampfveranstaltung erwartet hatte, wurde im Konzert- und Bühnenhaus angenehm überrascht vom bemerkenswerten Auftritt des Politikers.

Norbert Lammert kam zu spät. Das ist nichts Ungewöhnliches. Veranstalter sind es gewohnt, dass sie auf hochkarätige Politiker warten müssen. Der Flieger ist verspätet, es war Stau oder das Navi hat den Ort dann doch nicht richtig gefunden. In Kevelaer vermutete das wartende CDU-Begrüßungskomitee um den Kreisvorsitzenden Dr. Günther Bergmann scherzhaft, dass sich Lammert vielleicht spontan der Pilgergruppe aus Bocholt angeschlossen hatte, die gerade durch die Marienstadt zog.

 Die CDU-Kandidaten Dr. Axel Stibi, Rainer Weber, Udo Janssen, Wolfgang Spreen, Ulrich Francken, Christoph Gerwers, Gerhard Fonck, Stefan Vester und Heinz van Baal mit Norbert Lammert (6.v.l.) und Günther Bergmann (r.).
Die CDU-Kandidaten Dr. Axel Stibi, Rainer Weber, Udo Janssen, Wolfgang Spreen, Ulrich Francken, Christoph Gerwers, Gerhard Fonck, Stefan Vester und Heinz van Baal mit Norbert Lammert (6.v.l.) und Günther Bergmann (r.). Foto: van Offern, Markus (mvo)

So ganz falsch lagen sie nicht. Als Lammert nämlich kurze Zeit später am Bühnenhaus vorfuhr, berichtete er, dass er die Gelegenheit genutzt hatte, um in aller Stille in der Wallfahrtskirche zu beten. "Ich war vor gefühlten 50 Jahren als Obermessdiener in Kevelaer, und es war mir immer ein besonderes Anliegen, die Kirche noch einmal zu besuchen." Bemerkenswert.

Es sollte nicht die einzige Überraschung an einem bemerkenswerten Abend bleiben. Denn wer geglaubt hatte, dass Lammert vor den Wahlen im September noch einmal ordentlich die Wahlkampftrommel für die CDU-Kandidaten im Kreis rühren würde, sah sich getäuscht. Zwar gab es zu Beginn das obligatorische Bild von Lammert mit den CDU-Spitzenleuten aus dem Kreis Kleve. Doch das war es dann auch schon an Wahlkampf. Lammert betonte, dass er die luxuriöse Situation genieße, einmal losgelöst von Wahlkampf oder Tagespolitik Dinge in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Das tat er in so beeindruckender Art und Weise und fernab jeder Parteipolitik, dass sich auch die Gäste von Grünen, FDP und SPD im Saal sicher gut unterhalten gefühlt haben.

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Dabei verlangte Lammert seinen Zuhörern einiges ab. Er schlug den großen Bogen vom Deutschen Bund zur Wiedervereinigung, ordnete historisch ein, warum Deutschland heute da steht, wo es ist, und warum Europa gerade für die Deutschen eine so große Bedeutung hat. Lammert sprach frei, ohne Manuskript, und zeigte, dass er es nach vielen Jahren als Präsident des Deutschen Bundestages gewohnt ist, die Worte so zu wählen, dass ihm alle Aufmerksamkeit sicher ist. Er setzte Pausen, wo sie hingehören, um Spannung zu erzeugen, unterstützte seine Ausführungen durch kleine, aber wirksame Gesten.

Lammert machte deutlich, dass gerade Deutschland die Aufgabe habe, sich bei Fragen wie der Ukraine-Krise einzumischen und Position zu beziehen. Hier werde die nationale Selbstbestimmung in Frage gestellt. Und dass es diese überhaupt in Deutschland gebe, verdanke man den Nachbarländern. Nach dem Weltkrieg sei es nicht selbstverständlich gewesen, dass sich die anderen Nationen um eine Versöhnung mit Deutschland bemüht hätten. "Obwohl sie doch eigentlich allen Grund gehabt hätten, nie wieder etwas mit Deutschland zu tun haben zu wollen."

Aber weil sich eben andere damals um Deutschland gekümmert hätten, ergebe sich daraus die Verantwortung, sich dafür einzusetzen, dass die Errungenschaften wie nationale Selbstbestimmung auch bei anderen Nationen in Europa erhalten werden.

"Gemütlich ist so etwas nicht, aber wir dürfen vor den Herausforderungen nicht weglaufen", betonte Lammert, dem es gelang, die Zuhörer bis zum Schluss zu fesseln. Vielleicht auch, weil er sich am Geburtstag von Westernheld John Wayne an dessen Grundsatz hielt: "Rede einfach, rede langsam, sage nicht zu viel."

(RP)