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KVNO stellt Pläne für Notdienst im Krankenhaus in Kleve und Geldern vor

Altes System wird abgelöst : Kreis Kleve bekommt ab Juli neue Notdienstpraxen

Als letzter Kreis in NRW stellt Kleve den ambulanten Notdienst neu auf. Im Juli gehen drei Notdienstpraxen in Kleve und Geldern an den Start. Damit soll der bisherige Flickenteppich mit einhergehender Unsicherheit für die Patienten abgelöst werden.

Der Kreis Kleve bekommt zum 1. Juli insgesamt drei neue zentrale Notdienstpraxen für die ambulante Versorgung außerhalb der Praxisöffnungszeiten – also etwa abends, nachts und am Wochenende. Das hat die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Für erwachsene Patienten werden die neuen Anlaufstellen im St.-Antonius-Hospital in Kleve und im St.-Clemens-Hospital in Geldern eingerichtet. Erstmals wird es ab Juli außerdem auch einen eigenen ambulanten Kinder-Notdienst im Klever St.-Antonius-Hospital geben. Im Falle akuter, aber nicht lebensbedrohlicher Beschwerden können sich Patienten künftig dort direkt an den ambulanten Notdienst wenden. Die Einrichtungen werden von der KVNO in Kooperation mit den beiden örtlichen Krankenhäusern betrieben. „Durch die zentrale Lösung entfällt für die Patienten vor allem die bislang nötige Recherche nach der jeweils dienstbereiten Arztpraxis in der Region – der Standort der Versorgung bleibt in Zukunft fix“, sagt Wolfram Althoff, Vorsitzender der Ärztekammer im Kreis Kleve.

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Der Kreis ist der letzte in NRW, der diesen Schritt geht. Insgesamt werden in den Notdienstpraxen künftig rund 300 niedergelassene Mediziner wechselweise ihren Notdienst leisten. „Die Eröffnung der drei Notdienstpraxen verbessert die ambulante Akutversorgung und macht sie auf hohem Niveau zukunftssicher“, sagt Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KVNO. „Bislang ist Kleve der einzige Kreis, in denen es noch gar keine Notdienstpraxen gibt und die Niedergelassenen ihre Dienste noch in eigener Praxis leisten müssen.“ Mit der neuen Struktur würden nun auch die Vorgaben der Politik umgesetzt, die bei der Notfallversorgung eine enge Zusammenarbeit zwischen den niedergelassenen Ärzten und Kliniken fordert.

Mit dem Start der Notdienstpraxen sind organisatorische Veränderungen verbunden: So bilden ab Juli Kleve, Kranenburg, Bedburg-Hau, Kalkar (inkl. Xanten-Marienbaum, Vynen und Obermörmter), Goch, Uedem, Emmerich und Rees den nördlichen Notdienstbezirk. Die Versorgung für diese Städte und Gemeinden erfolgt in Kleve. Der Notdienstbezirk Süd setzt sich aus Geldern, Kevelaer, Weeze, Issum, Straelen, Wachtendonk und Kerken zusammen – hier wird Geldern die zentrale Anlaufstelle. Den bislang wechselweise organisierten Notdienst von örtlichen Ärzten in deren eigenen Praxen gibt es ab Juli nicht mehr.

Mit Einführung der neuen Struktur wird es auch eine Trennung von Sitz- und Fahrdiensten geben. Damit wird immer jeweils ein diensthabender Arzt die Patienten in den Notdienstpraxen Geldern und Kleve versorgen, während andere Mediziner der Region ausschließlich die Hausbesuche im Notdienst durchführen. Bislang behandelt der jeweils diensthabende Arzt jene Patienten, die in seine Praxis kommen, übernimmt aber auch die Hausbesuche. Insbesondere Bettlägerige können auch weiterhin notwendige Hausbesuche weiter über Rufnummer 116 117 erfragen.

Die neue Struktur sei „eine positive Entwicklung für die Patienten der Region“, sagt Ronald Jelinski, ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme im St.-Antonius-Hospital Kleve. „Und sie verkürzt durch die sinnvolle Entlastung der Krankenhausambulanzen die Wartezeiten für alle Patienten“, sagt Jochen Rübo, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. „Das ist ein echter Mehrwert, vor allem in den infektgeplagten Wintermonaten.“

Für Christoph Weß, Geschäftsführer des Gelderner St.-Clemens-Hospitals, ist die Freude über die Entscheidung zwiegespalten: „Grundsätzlich begrüße ich die Anbindung der KV-Notfallpraxen an die Krankenhäuser in Geldern und Kleve“, sagt er. „Noch ausbaufähig ist für mich perspektivisch die Lösung für die Familien und Kinder im Süden des Kreises. Denn was sich für die Erwachsenenmedizin so unproblematisch durchsetzen ließ, gilt ab Juli noch nicht für die Kleinsten in unserer Gesellschaft. Ich würde mir auch für sie in Zukunft ein wohnortnahes Versorgungsangebot in Geldern wünschen.“

Man werde die neuen Strukturen in Zukunft überprüfen, sagt Harald Meißen, Vorsitzender der KV im Kreis Kleve. „Der große Vorteil aller Einrichtungen ist, dass sie sowohl für Bürger aus dem Nord- als auch aus dem Südkreis grundsätzlich gut erreichbar und unmittelbar in die Krankenhaus-Infrastruktur eingebunden sind.“ Schwere Notfälle könnten direkt dem stationären Bereich zugeführt werden, während sich niedergelassenen Ärzte um die Versorgung leichterer Gesundheitsbeschwerden kümmern können.