Doppelter Einsatz in Kleve Festnahme in mysteriösem Mordfall – Polizei schnappte erst den Falschen

Update | Kleve · Vor fünf Jahren verschwand ein Mann auf der Bodensee-Halbinsel Höri. Nun wurde ein Tatverdächtiger in Kleve gefasst. Kurios: Die Einsatzkräfte schnappten zunächst einen unbescholtenen Bürger – kamen aber noch einmal wieder.

Kräfte der Polizei bei einem Einsatz (Symbolfoto).

Kräfte der Polizei bei einem Einsatz (Symbolfoto).

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Fünf Jahre nach dem Verschwinden eines Mannes auf der Bodensee-Halbinsel Höri hat die Polizei einen Mann in Kleve festgenommen. Der 48-Jährige steht im Verdacht, den damals 51-Jährigen in seinem Haus in Gaienhofen-Hemmenhofen heimtückisch und aus Habgier ermordet zu haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Konstanz mit.

Die Tat soll sich am 2. Juni 2019 ereignet haben. Die Leiche soll der heute 48-Jährige beseitigt haben, von ihr fehlt laut Ermittlern weiterhin jede Spur. Der nun Festgenommene sei bereits zu Beginn der Ermittlungen in das Visier der Beamten geraten, hieß es am Mittwoch. Damals habe der Verdacht gegen ihn jedoch nicht hinreichend konkretisiert und erhärtet werden können.

Ende Mai wurde vom Landgericht Konstanz ein Haftbefehl wegen Mordverdachts gegen den Mann erlassen. Am 6. Juni nahmen die Ermittler ihn in Kleve unterstützt vom Spezialeinsatzkommando aus Düsseldorf fest. Er wurde in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

Kurios: Nach Informationen unserer Redaktion schnappten die Einsatzkräfte zunächst den Falschen. Das Haus stimmte – allein die Person nicht. Was war geschehen? Polizeibeamte hatten am Donnerstag gegen 11.30 Uhr einen Mann in Kleve verhaftet. Als dieser gerade auf dem Gehweg entlanglief, stürmte zunächst ein Beamter auf den Mann zu. Mit gezückter Waffe riss er ihn zu Boden, legte ihm Handschellen an und führte ihn ab. Mehrere Fahrzeuge waren an dem Einsatz beteiligt. Eines fuhr direkt auf den Gehweg, auf dem der Klever spazierte, und versperrte ihm den Weg. Die Aktion war ebenso blitzschnell beendet, wie sie begonnen hatte. Der Mann lag nach dem Zugriff zunächst auf dem Pflaster, wusste nicht wie ihm geschah und fragte immer wieder nach dem Grund für die Aktion.

Der Klever wurde mitgenommen und in einem Auto verhört. Wie Nachbarn berichten, sollen sich der Tatverdächtige und der zu Unrecht Festgenommene durchaus ähneln. Spätestens beim Abgleich der Personalien war aber klar: Die Einsatzkräfte hatten den Falschen erwischt. Der unbescholtene Bürger wurde wieder freigelassen.

Der Auftrag der Beamten war eigentlich, den mit Haftbefehl gesuchten 48-Jährigen festzunehmen. Er lebt zusammen mit seiner Frau in demselben Mehrfamilienhaus, in dem auch der zu Unrecht festgenommene seine Wohnung hat. „Wir haben mehr als nur Respekt vor ihm“, sagt ein Anwohner. Wie ein weiterer Nachbar erklärte, standen in den vergangenen Wochen immer wieder Fahrzeuge mit Personen am Straßenrand. Hatten sie den Verdächtigen observiert?

Doch wurden die Beamten am selben Tag noch einmal aktiv. Der nächste Einsatz ging gegen 19.30 Uhr über die Bühne. Diesmal wurde tatsächlich der Gesuchte festgenommen. Der Mann ist bei den Behörden kein unbeschriebenes Blatt. Polizeidienstlich bekannt, war er mindestens einmal in Haft. Unter anderem wegen Drogendelikten.

Stefan Sparberg, Leiter der Pressestelle der Kreispolizeibehörde, wollte sich zu dem Fall nicht näher äußern: „Ja, den Einsatz gab es. Was den gesamten Fall betrifft, so liegt der auch unter dem Vorbehalt der Staatsanwaltschaft.“ Der Einsatz sei nicht in erster Linie der Fall der Klever Polizei gewesen, so Sparberg. „Einsatzkräfte aus Nordrhein-Westfalen waren hier maßgeblich dran beteiligt.“