Kleve: Kunde: "Wir fragen, was macht uns aus?"

Kleve: Kunde: "Wir fragen, was macht uns aus?"

Ein vom Land NRW gefördertes und vom Freundeskreis unterstütztes Projekt bringt Fremde und Freunde, Studenten, Zugezogene, Flüchtlinge und Einheimische zusammen.

An Minerva geht kein Weg vorbei. Die antike Göttin der Künste und der Wissenschaft steht unten geschützt im Museum und wacht über das Geschehen im Klever Kurhaus, während draußen im Park ihre Kopie Wind und Wetter trotzen muss. Drinnen und draußen werden bald Menschen unterschiedlicher Kulturkreise ihr und der mit ihr verbundenen Kunst und Wissenschaft begegnen, wenn sie durch das Museum streifen, wenn sie die Klever Parks erforschen.

Sie werden im Rahmen des Projekts "Identität ausloten" über Kunst und Wissenschaft und die historische und vor allem kulturelle Identität des Gastlandes im Allgemeinen und der Stadt und der Region im Besonderen diskutieren. "Wir fragen, was macht uns aus, was macht den anderen aus?", sagt Kleves Museumsdirektor Prof. Harald Kunde.

Die Teilnehmer werden erfahren, wo Kleve seine Identitätspunkte hat - in der Schwanenburg und in der Stiftskirche zum Beispiel, aber auch im toten Krieger, der für die Gewalt der beiden Weltkrieg und die völlige Zerstörung der Stadt steht. Sie werden sich mit Klever Persönlichkeiten auseinandersetzen und auch die Stiftskirche oder St. Nicolai in Kalkar besuchen. Die Kirchen als Zeugen mittelalterlicher Kunst auf der einen, als Zeugen des christlichen Glaubens auf der anderen Seite.

"Gerade Menschen anderen Glaubens sind bei Führungen in Kirchen nicht nur an der Kunst, sondern auch an der Liturgie und den Abläufen, den Glaubensinhalten interessiert", sagt Brigitte Alex, Museumspädagogin im Kurhaus. Sie gehört zum Team des Klever Museums, das ab Freitag, 20. April, bis Oktober das interkulturelle Kunstprojekt mit einer siebenteiligen Veranstaltungsreihe an mehreren Orten und mehreren Wochenenden in und um Kleve umsetzt.

"Identität ausloten" ist ein vom Land hochgelobtes Integrations-Projekt, für das Kuratorin Valentina Vlasic eine Förderung von 25.600 Euro vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen bekam und vom Freundeskreis die dann noch fehlenden 2.400 Euro.

Für die Freunde des Museums war nämlich klar: "Das ist ein wichtiges Projekt, das ist interkulturell und in seiner Art etwas Besonderes. Das bietet für jeden etwas", sagt Harald Korth, Schatzmeister des Freundeskreises. Rund wird die Sache vor allem, weil Vlasic auch Sonja Lemm gewinnen konnte. Die Kulturpädagogin des Theodor-Brauer-Hauses leitet die "Alte Post. Gemeinschaftsunterkunft und Integrationszentrum", in dem viele Klever Flüchtlinge untergebracht sind.

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Damit die auch wissen, worum es in dem Projekt geht, ist der schmale hohe Projekt-Prospekt in drei Sprachen gestaltet: Deutsch, Englisch und Arabisch. Gehalten werden die Kurse, Führungen und Workshops aber in Deutsch. "Die Sprache des Landes zu lernen, ist eben auch Teil der Integration", sagt Vlasic. Zur Not hilft ein Übersetzer.

Begleitet wird das Projekt von Filmemacher Ibrahim Karci und Fotografin Annegret Gossens, die Hochschule Rhein-Waal ist ebenso mit im Boot wie die Künstler der Bensdorp, die in ihren Ateliers vom Leben und Arbeiten als Maler, Bildhauer oder Glaskünstler erzählen werden. Dank der Förderung ist die Teilnahme kostenfrei, enthalten sind alle Führungen, Eintritte und auch das Essen an den ganztägigen Projekt-Tagen. Start für die bis zu 25 Personen starken Gruppen ist Freitag, 20 April, 14 Uhr.

Dann stellen Museumsführer Gerd Borkelmann und Valentina Vlasic Museum und Sammlung vor. Samstag, 21. April, folgt eine Stadtführung mit Brigitte Alex, es gibt ein gemeinsames Mittagessen im Integrationszentrum und eine Gesprächsrunde über die jeweiligen kulturellen Hintergründe. Sonntag wird es kreativ mit Alexandra Eerenstein, die ein kleines eigenes Museum mit den Teilnehmern baut. Dieser erste dreitägige Block heißt "Kunst & Geschichte in Kleve". Es folgt der Block "Klever Gärten" vom 18. bis 20. Mai und vom 16. bis 17. Juni geht es um "Bedeutende Klever Persönlichkeiten".

Beim 4. Wochenende wird typisches niederrheinisches Essen vorgestellt. Für die "Klever Kulinarik" geht es auch auf den Wochenmarkt. "Die Bedeutung von Kirche & Kunst in und um Kleve" wird im August erforscht und im September geht es um "Berufe im Kunstbereich in Kleve". Den Abschluss ist am 7. Oktober der Tag der offenen Tür in der "Alten Post".

Anmeldung an Sonja Lemm, Tel. 0 28 21 711 66 67 oder sonja.lemm@tbh-kleve.de

(mgr)