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Werke von Robert Schad in Museum Schloss Moyland trotz Corona zu sehen

Museum Schloss Moyland : Von der Schwere der Leichtigkeit

Skulpturen von Robert Schad zeigt das Museum Schloss Moyland ab heute. Die monumentalen Stahlwerke des in Burgund lebenden Künstlers stehen im Park, der trotz der Corona-Pandemie für Besucher geöffnet ist.

Kraftvoll steht die Linie im Raum, klar definiert und mit dickem Strich gezogen. Ein Strich, der mäandert, nicht als Gerade die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten sucht, sondern sich intuitiv einen Weg bahnt, mal hier unvermittelt abbiegt, einen Knick macht, um zugleich wieder einen anderen Knick in die andere Richtung zu machen. Wie ein Baum, der wächst und mit seinem Astwerk imaginären Hindernissen auf dem Weg zum Licht ausweichen muss. Es ist keine schlanke gerade Linie, sondern eine dicke breite, wie mit einem ganz weichen Bleistift aufs Papier gesetzt, eine Linie, die organisch umrissene perspektivische Räume umfängt.

Doch die Linien, die Robert Schad für die neue Ausstellung von Museum Schloss Moyland gezogen hat, liegen nicht zweidimensional auf einem Blatt Papier. Schad hat sie in den Raum geholt und monumentale Werke voller Leichtigkeit geschaffen. Die Schwere des Materials steht im Gegensatz zu der Figur, die da plastisch in der Luft zu schweben scheint, sich beugt oder in den Himmel strebt, schmal wie Pappeln nach oben führt oder sich wie ein dickes Gestrüpp irgendwie in Augenhöhe entwickelt. Hier im Park gehen die Stahlskulpturen eine Symbiose zu den Bäumen und Sträuchern ein, wie sie an anderer Stelle mit dem Schloss erzählen.

Die „Linien“, aus denen die Skulpturen in den Raum gezeichnet sind, zieht Schad aus 100 Millimeter starken Kantstäben aus Voll-Metall in die Luft zwischen Bäumen und Schloss. Den Kantstahl schneidet und schweißt Schad selber. Zuvor gibt’s von den Skulpturen Zeichnungen und auch Modelle, die nach dem gleichem Prinzip wie die großen mit dünneren Kant-Stäben aus Vollmetall gebaut werden (mit toller Haptik, wenn man mit der Hand darüber fährt). In der kleinen und in der großen Skulptur entstehen so bewegte Linien, wo sich der Stahl nicht nur abwinkelt sondern sich wie selbverständlich in sich zu verdrehen scheint, weich und leicht und nicht hart und schwer wie Stahl.

Es gehe ihm in seinen Skulpturen auch darum, die physische Schwere aufzuheben und durch eine tänzerische Leichtigkeit zu ersetzen, sagt Schad. Wie gut das gelingt, zeigten Tanzperfomances mit einem Balletttänzer bei einer anderen Ausstellung, wo Schads Skulpturen wie zum Pas de Deux geschaffen schienen.

Das Vollmetall wird mit der schönsten Farbe der Welt belegt, sagt Schad: Rost. Denn Rost, sagt der Künstler, lebt. Seine Farbe ist immer anders: Dunkel, wenn es feucht ist, hell, wenn die Sonne die Figur trocknet und zugleich auch rauh in der Außenhaut. Ab und an rückt der 1953 in Ravensburg geborene Bildhauer, der im französischen Burgund lebt, der fertigen Skulptur auch mit Stahlwolle auf die Pelle, auf dass die Patina hier und da eine andere werde und sich wieder neu entwickeln kann. Heller oder dunkler, aber immer lebendig.

17 Skulpturen sind und werden im Park von Museum Schloss Moyland verteilt und sie sind ab sofort zu sehen: Denn zwar müssen die Museen schließen, aber Moylands Park voller Kunst hat geöffnet. Schad hat seine Werke rund um das Schloss in diesem Park verteilt: Die beiden ersten begrüßen die Besucher schon im Wiesenparterre der Wörner-Park-Anlage mit Blick auf Moyland: Mächtige Stahlwerke, die auf der Wiese stehen und über den Weg hinweg miteinander zu kommunizieren scheinen. Und dann begleiten sie einen auf dem Weg rund ums Schloss bis auf die Festwiese.

„Díe Skulpturen sind nur ein Teil einer Ausstellung mit Werken von Robert Schad“, sagt Moyland-Kurator Alexander Grönert. im kommenden Jahr werden in den Räumen des Schlosses auch die Zeichnungen zu sehen sein und die Maquetten, die Stahlmodelle, die letztlich wieder eigenständige Kunstwerke sind: Aus Stahl gefertigt, geschweißt und an den Schweißkanten geschliffen. Diese wird dann Anfang März eröffet werden, wenn die Museum dann wieder offen sind.

Schad möchte, dass seine Arbeiten mit den Raum, in dem sie stehen, kommunizieren, dass sie eine Verbindung mit der Umgebung eingehen: Und das tun sie, an jedem Ort anders. In Moyland „sprechen“ sie mit dem Park und dem Schloss. Und erzählen von der innere Kraft des Baumes, die aus der Erde komme, wie ja auch das Metall aus dem Erz der Erde komme (so Schad), und wachsen dem Licht entgegen.