Werke des Künstlers Frank Maibier im Klever Kurhaus

Ausstellung : Der „Mauerfall“ im Kurhaus

„labile balancen“ – Die Ausstellung von Frank Maibier im Klever Museum ist eröffnet. Der Künstler aus Chemnitz zeigt verschiedene Werke, die speziell für das Klever Museum produziert wurden.

Die Ausstellung von Frank Maibier unter dem Titel „labile balancen“ im Museum Kurhaus Kleve ist eröffnet. „Die Arbeiten des in Chemnitz lebenden Künstlers entfalten sich in den oberen Sälen des ehemaligen Friedrich-Wilhelm-Bades und erzeugen dort ein modulares Wechselspiel zwischen Ordnung und Zufall. Über Wände und Decken, in verschiedenen Stapeln und Positionierungen, werden geometrische Grundformen ein dynamisches Eigenleben entwickeln und so auf die tendenziell unerschöpfliche Vielfalt von Gestaltungsvarianten verweisen“, so beschriebt der Museumsdirektor Professor Harald Kunde die Besonderheit der Ausstellung. „Wir möchten im 30. Jahr des Mauerfalls einen Künstler aus dem Osten zeigen und somit unter Beweis stellen, dass es dort eine reichhaltige Kunstszene gibt.“

Der 1959 in Werneneuchten bei Berlin geborene Maibier war in verschiedenen Bereichen künstlerisch tätig. Er habe viele Jahre in einer Punkband gespielt, Texte geschrieben und gemalt, erzählte der Künstler beim Aufbau der Ausstellung. 1987 begann er, mit Papier zu experimentieren. Inspiriert zu der Auseinandersetzung mit verschiedenen Papierarten wurde er durch seine Frau Claudia, die filigrane Scherenschnitte herstellte. Der Künstler entwickelte eigene Ideen und Techniken. Mittlerweile zeigen seine Arbeiten, die auch aus Draht, Holz, Acrylglas, Kunststoffen und weiteren Materialien bestehen, eine eindrucksvolle Vielfalt.

Der Künstler, der sich zu den Prägungen des Sächsischen Konstruktivismus bekennt und der sein Werk in Auseinandersetzung mit den grundlegenden Transformationsprozessen Ostdeutschlands nach dem Mauerfall entwickelt hat, zählt zu den wichtigsten Impulsgebern seiner Generation. „Aufgewachsen im produktiven Umfeld der Künstlergruppe Clara Mosch und insbesondere beeinflusst vom offenen Geist seines Mentors Carlfriedrich Claus, hat Frank Maibier von Beginn an den experimentellen Gestus seiner Arbeiten betont und seinen Wirkungsradius immer auch zu gesellschaftlichen Handlungsräumen, etwa innerhalb des Chemnitzer Aktionsraums Weltecho, erweitert“, so Professor Kunde. „Freiräume wurden eröffnet, die letztendlich das System zum Einsturz gebracht haben.“

Frank Maibier ließ sich von den besonderen Räumlichkeiten des Klever Museums inspirieren und präsentiert neben einigen seiner in Chemnitz entstandenen Exponate auch verschiedene speziell für das Kurhaus produzierte Werke. So wird im Raum 31 die „Rudelfaltung“ präsentiert. Verschieden gefalzte blaugefärbte Acryglas-Rechtecke bilden auf dem Boden eine geschuppte Schlangenform, wovon sich einzelne lösen und an den Wänden als Solo-Flügelpaare erscheinen. Dem Raum angepasst sind auch die aus Pappelholz gefertigten Skulpturen „gelehnt“ und „Bogen“, während ein anderer Raum durch seine vielfältigen Arbeiten an das Chemnitzer Atelier des Künstlers erinnert.

Dieses Atelier lernen die Besucher in einem knapp 20-minütigen Video kennen, in dem ein unterhaltsames Portrait des Künstlers gezeigt wird - an seinen verschiedenen Wirkungsorten. Janusz Grünspek hat Maibier einige Tage begleitet und das Video gedreht. „Maibier ist kein Künstler, der nur im Elfenbeinturm seines Studios produziert, sondern auch hinausgeht und zeigt: Es gibt ein anderes Chemnitz, eine Stadt, in der sich die Leute mit viel Herz engagieren“, so Harald Kunde.

Im Verbund mit Wandtexten, weiteren Objekten sowie seriellen Papierarbeiten entsteht in den Räumen ein typischer Gesamtklang der Werke. „Rollenschlag, Finnenschlag, Aneinander, Tretfalten oder Scheibenwürfel – so heißen weitere der ausgestellten Arbeiten. Was sich dahinter verbirgt und was es mit dem „schwebenden Tisch“ auf sich hat - da lohnt es sich, mal selber die Ausstellung zu besuchen. „Labile Balancen“ endet schließlich erst am 2. Februar 2020.

Es erscheint eine Edition “Serieller Faltschlag”, 2019 – Auflage: 23 Exemplare + 7 e.a. zum Preis von 280 Euro. Während der Ausstellung wird ein informatives Werk-Buch erarbeitet, das sowohl die Arbeiten im Museum Kurhaus Kleve in ihrem räumlichen Zusammenhang dokumentiert als auch frühere Werke und deren Kontexte in Bezug auf die divergierenden Kunstverhältnisse in Ost und West vorstellt.

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