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Wendy White mit Ausstellung von Malerei im Museum Goch

Museum Goch : Die Umkehrung des Gewohnten

Am Sonntag, 11. Juli, wird die Ausstellung Wendy White im Museum Goch eröffnet, es ist die erste Einzelausstellung der Künstlerin aus New York. Sie spielt mit der Popkultur und verbirgt auch deren dunkle Seiten nicht.

Die Welt ist heute oftmals anders als sie scheint. Wenig ist klar und eindeutig, und was den Anschein macht, als müsste man’s verstehen, ist nicht selten der Versuch, den Betrachter aufs Glatteis zu führen. Oder ihm zumindest unerwartete Rätsel aufzugeben. Seit sich die Realität an dem messen lassen muss, was im Netz geschieht, sind Kategorien wie Wahrheit oder Sicherheit noch fragiler geworden. Wendy White spielt in ihrer Kunst auf  analoge Weise – nämlich durch Malerei – mit Themen und Motiven, die wir  vor allem aus der digitalen Welt kennen. Ein Überblick über ihre Arbeiten ist jetzt im Museum Goch zu sehen.

Die US-Amerikanerin, die mit ihrer Basecap so aussieht, als jobbe sie in einer Autowerkstatt (tatsächlich schraubt sie gerne an ihren eigenen Fahrzeugen herum), hat damit ihre erste Einzelausstellung in einem Museum. Bisher waren ihre Werke zwar in verschiedenen Ländern, aber immer nur in Galerien zu sehen. In einer solchen in Düsseldorf hatten Gochs Museumsleiter Stephan Mann und sein Kollege Steffen Fischer White vor einigen Jahren kennengelernt. Und sie waren beeindruckt von der Kunst der Frau aus New York City.

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Die Themen sind urbane, was die Frage auslösen könnte, warum damit ausgerechnet die Gocher konfrontiert werden sollen. Das kann Stephan Mann leicht beantworten: „Der Gegensatz Stadt/Land funktioniert nicht mehr. Wir sind doch mit einem Mausklick oder einem Blick aufs Smartphone selbst in New York. Die Welt ist bei uns angekommen, ob wir das wollen oder nicht.“ Selbst wer sich der Moderne verschließen möchte, kommt nicht umhin, Zeichen zu erkennen, die für weltbekannte Marken stehen. Und genau so verhält es sich ja mit der Popkultur: Ihre Bilder, Idole, Zeichen sind quasi jedem bekannt. Von Adidas über das stilisierte Kamel auf der Zigarette bis zum Peace-Zeichen erkennen wir von Alaska bis Zaire, was gemeint ist. Und deshalb kann man Kunst, die damit umgeht, überall zeigen.

Wendy White geht es allerdings nicht einfach um das Loblied dieser allgemeinverständlichen Zeichen oder gar der Produkte, die damit verbunden sind. Sie kritisiert, hinterfragt, entblößt Werbung. Eine Einordnung ihrer Arbeiten ist „Jaywalking Signs“ überschrieben, was soviel heißt wie verkehrswidrige Schilder. Was ja nun das Gegenteil von Verlässlichkeit ist. Welchen Sinn kann ein Verkehrsschild haben, das den Betrachter ins Verderben führt? Bei Wendy White ist auch das Herz gerne schwarz, denn im Video-Spiel ist es ein sehr fragiles „Leben“, das damit ausgedrückt wird: Sehr leicht sind die bevorrateten Herzen erloschen. Auch die Wolke mit den dicken Tropfen darunter ist schwarz, als zielte der Titel der Ausstellung „Low Pressure“ auf den meteorologischen Tiefdruck ab. Selbst der Regenbogen, in unserer Zeit mit Bedeutung überfrachtet, ist bei ihr mal bunt, mal schwarz, das Peace-Zeichen erfährt mehr Leichtigkeit durch regenbogenfarbige Tragegurte, die es von der Decke hängen lassen.

Was mag da auf den großformatigen gesprayten Bildern stehen? Es ist Schrift aus lateinischen Buchstaben, aber die Sprache lässt sich nicht enttarnen. Es ist ja auch keine, sondern eine Mischung aus Schwedisch und Englisch. Noch dazu läuft ein unvollständiger Rahmen um das Bild, das den Betrachter in die Ferne lockt: Irgendwo da hinten geht’s weiter, was Du hier siehst, ist nicht alles, vielleicht ist es nicht einmal wahr.

Klassische Leinwand dient der 50-Jährigen ebenso als Material wie Plexiglas, Holz oder Metall. Ihre Bilder müssen nicht hängen, schon gar nicht in gewohnter Höhe, manchmal lehnen sie auch als Objekte an der Wand. Mit der Spritzpistole wird gesprüht, aber auch ganz weich gemalt. Die meisten Bilder sind mehr oder weniger gegenständlich, sie sollen den Betrachter treffen und zwar am liebsten so unmittelbar, wie sie laut Aussage der Künstlerin entstanden sind. Was zählt, ist für Wendy White der Moment; die Automarke, das Sportartikel-Logo oder den Energy-Drink zu erkennen, ist leicht. Das Zitat zu hinterfragen oder das Paradoxon zu enttarnen braucht dabei schon mal den zweiten oder dritten Blick.

Die Ausstellung war schon für 2020 geplant, musste aber wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Eröffnet wird sie am Sonntag, 11. Juli, und ist bis zum 26. September zu sehen.