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Waldmenschen und Justitias linkes Bein​ im Museum Kalkar zu sehen

Museum Kalkar : Waldmenschen und Justitias linkes Bein

Nele Waldert und Christian Theiß waren eingeladen, zusammen die Räume des Museums Kalkar zu gestalten. Es ist eine vom niederrheinischen Kunstverein organisierte Gemeinschaftsausstellung.

Justitia hat viele Gewichte. Ganz viele. Sie alle sind in einem dicken Holzstumpf eingelassen, der schwarz angebrannt oder geflämmt ist. Für jedes Kilo und jedes Gramm sind in diesem Stumpf Nischen eingefräst, in die die Gewichte mit ihrem klassischen runden Körpern und dem kleinen „Kopf“ ihren Platz haben. Justitia steht oben auf diesem Stumpf und hält die Waage, deren Schalen kostbar Messingfarben im Licht schimmern. Justitia selber ist hier nicht die Frau mit der Augenbinde, sondern ein Oberschenkelknochen, an dessen Kopf eben die Waage hängt. „Justitas left Leg“ heißt die Skulptur dort im Ausstellungssaal des Kalkarer Museums.

Es ist also ein linker Oberschenkelknochen, der dort oben weiß getüncht die Waage hält und je nach Gewicht der Tat auf die vielen gewichte des Baumstumpfs zurückgreifen kann. Christan Theiß mag’s skurril, surreal in seinen Werken, die oft aus Fundstücken bestehen, die der Bildhauer in einen neuen Zusammenhang stellt. Wie bei einem Treppenstück, das im unteren Saal des Museums arrangiert ist: Da kommen zwei Füße, die auf einem Hobel sitzen, eine schneeweiße Treppe herunter gestiefelt. Dabei ging es dem Bildhauer weniger darum, dass dort gehobelt werden könnte, sagt er. Hier erinnern ihn die hölzernen Werkzeuge mit ihrem schnabelartigen Griff an mittelalterliche Schuhe. Und das sei dann als Reminiszenz an das alte Stufengiebelhaus des Kalkarer Museums gedacht. Die Treppe hat Nele Waldert modelliert. Glatt weiß und ebenmäßig wie für die Ecke gemacht, in der sie steht.

 „Justitias left Leg“ von Christian Theiß im Museum Kalkar (Ausschnitt). Die „Justitia“ steht auf einem Holzstumpf, in dem die Gewichte eingelassen sind. 
  RP-Fotos (2): mgr
„Justitias left Leg“ von Christian Theiß im Museum Kalkar (Ausschnitt). Die „Justitia“ steht auf einem Holzstumpf, in dem die Gewichte eingelassen sind. RP-Fotos (2): mgr Foto: Matthias Grass
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Nele Waldert und Christian Theiß waren eingeladen, zusammen die Räume des Museums zu bespielen. Es ist eine vom niederrheinischen Kunstverein organisierte Gemeinschaftsausstellung, in der die beiden Bildhauer mit ihren eigenen plastischen Arbeiten und mit Gemeinschaftsarbeiten, die sie im Dialog inszenieren, die Räume gestalten, erklärt Carla Gottwein vom niederrheinischen Kunstverein.

Nele Waldert arbeitet bei ihren figurativen Skulpturen mit einem Polymer-Gips, einem Kunststoff, mit dem wie für eine Bronze modellierte Figuren gegossen und dann – wenn nötig– auch zusammengesetzt werden. Es sind hagere, aber in ihrem Gestus nette Menschen, die da als Vollkörperfiguren im Raum stehen oder als „Waldmenschen“ naturverbunden aus dem Geäst eines Baumes herauswachsen. Auch sie sind nach Kalkar gekommen, stehen still am Boden oder schweben durch den Raum, in dem Weiß die tonangebende „Farbe“ ist. 

Dabei arbeitet Waldert auch mit dem klassischen Stein, wie eine kleine Stadt-Skulptur mit ihren verschachtelten wie mittelalterlich anmutenden Häusern zeigt. Heraus aus dieser Stadt schaut wieder eines der weißen Gesichten ihrer Menschlein. 

Wie aus einem Guss wirkt ein Regal an der Wand im Saal: Nele Waldert hat ein Händepaar geschaffen, das an da Vincis „Dame mit dem Hermelin“ erinnert: Die langen schmalen Finger halten das Tier wie streichelnd fest. Theiß setzte das Hand-Tier-Stilleben auf ein Regal und stellt ein weiß getünchtes Dampfbügeleisen oben drauf. „Ich mag absurde Verbindungen“, sagt Theiß. Der 1988 in Meerbusch geborene Theiß, der an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte, arbeitet nicht das erste Mal mit Waldert zusammen. Die 58-Jährige stammt aus Düsseldorf und hatte Lehraufträge für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf und an der Uni Paderborn.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 7. August, 13 Uhr eröffnet. Es sprechen Lioba Rochell vom Verein der Freunde Kalkars und anschließend gibt’s ein Künstler-Gespräch mit Waldert, Theiß und Gottwein.