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Schloss Moyland natura artis magistra - die Natur als Mutter der Künste

Museum Schloss Moyland : Die Natur als Mutter der Künste

Zur großen Moyländer Ausstellung „natura artis magistra“ ist bei Wienand ein Katalogbuch erschienen über die Naturmaterialien in der zeitgenössischen Kunst.

Da hängen Bäume von den Decken, zarte Samengebilde schweben hinter Glas oder Früchte fallen wie ein Wasserfall aus der Wand und wundersam schöne Installationen lassen einen gruseln im Museum Schloss Moyland. Moyland-Kurator Alexander Grönert hat mit sechs Künstlern eine ansprechende Ausstellung in den weißen Kabinetten des Schlosses inszeniert. Doch keiner kann sie derzeit sehen. Das verbietet der Corona-Lockdown. Dabei zog die Schau „natura artis magistra“ (die Natur ist die Mutter aller Künste) Besucher scharenweise ins Schloss.

Doch im Gegensatz zu den Museen in Kleve oder Goch kann Moyland immerhin den Park offen halten – und damit lohnt sich auch ein Öffnen des Museumsshops im Kassenhaus am Parkeingang. Im Park sind derzeit die Stahlskulpturen von Robert Schad zu sehen, im Shop des Museumsladens gibt es den Katalog zur Natur-Ausstellung. Der ist als Buch beim Wienand-Verlag erschienen und erzählt von den Künstlern und ihrer Intention, mit Natur Kunst zu machen. Der Band ist mit seinen guten Fotografien von Einrichtungen der beteiligten Künstler ein kleiner Trost, nicht in die Ausstellung zu dürfen. Auch wenn das Buch, weil vor der Ausstellung gedruckt, die Installationen an anderer Stelle und nicht in der Moyländer Inszenierung zeigt. Das animiert, sich bis Mitte Februar, wenn’s wieder offen ist, in Moyland die Kabinette im Original anzusehen. Und sich – wenn die Aufsicht es zulässt – unterm schwebenden Baumstumpf von Giuseppe Licari zum natur-inspirierten Plausch niederzulassen, wie Fotos im Katalog es zeigen. Gelungen das aus dem Band herausklappbare Faltblatt, das die Wirkung der beeindruckenden Installation von Claire Morgan unterstreicht.

 Anja Maria Strauss lädt in Moyland zum Tanz der Früchte, der sich im allerkleinsten dreht.
Anja Maria Strauss lädt in Moyland zum Tanz der Früchte, der sich im allerkleinsten dreht. Foto: Matthias Grass

Dass es um den Planeten Erde in seiner Verletzlichkeit momentan nicht gut bestellt ist, haben nicht mehr nur die Naturwissenschaftler, sondern auch die Künstler verstanden, schreibt der freie Kurator und Autor Michael Kröger in seinem Text über den Gegensatz zwischen dem Menschenzeitalter und der Natur als Hinführung zur Moyländer Ausstellung. 

 Wenn die Wurzeln in der Luft hängen: Die Installation „Humus“ von Giuseppe Licari in einem der Eckräume.
Wenn die Wurzeln in der Luft hängen: Die Installation „Humus“ von Giuseppe Licari in einem der Eckräume. Foto: Matthias Grass

„Kunst und Natur waren sich noch nie so nahe“, so Kröger einerseits. Andererseits habe der Mensch inzwischen so irreversibel in die Natur eingegriffen, dass die Vorstellung einer unberührten Natur im Grunde nur eine romantische Attitüde ist. Heute überhöhen Künstler nicht mehr wie im 18. Jahrhundert die unberührte Natur im romantischen Sinne, sondern auch sie nutzen die Natur als Rohstofflager, als kreatives Vorbild für Veränderungsprozesse. Auch so, dass sich Kunst oft nicht mehr grundlegend von Natur unterscheide. Zugleich führe die Corona-Pandemie dem Menschen einen grundlegenden Irrtum vor Augen: „Nicht die Menschen machen sich die Natur untertan, sondern die Natur in Gestalt eines Virus weist den Menschen in die Schranken“, so Kröger im Band zu Moyländer Ausstellung.

Doch Kröger bleibt Optimist: Mit Blick auf die Ausstellung und ihrem Umgang mit den Naturmaterialien bekomme man einen neuen Ansatz, nämlich „durch die Formen und Fragmente einer verletzbaren Natur hindurch in eine ganz andere, im Moment noch unvorstellbare Zeit zu blicken.“ Ganz im Sinne der Natur.

Und doch wäre es nicht richtig, die Ausstellung alleine als politisches, zeitkritisches Statement zu interpretieren, wie Alexander Grönert in seinem Beitrag aufzeigt: Es werde mit Materialien der Natur gearbeitet, aber das Ergebnis sei keine Ode an die Natur oder die Kritik an der Industrialisierung und Ökonomisierung der Natur und aller Lebensbereiche des Menschen. „Anna Artaker, Angela M. Flaig, Giuseppe Licari, Claire Morgan, Anja Maria Strauß und Elvira Wersche widmen sich dem Naturthema mit klarem Bewusstsein sowohl für die Komplexität des Naturbegriffs als auch für den prekären Status unserer Umwelt.“ Daraus entstehen ästhetisch beeindruckende Werke. Das zeigt die Ausstellung. Und der Katalog gibt ein sehens- und lesenswertes Abbild davon.

natura artis magistra. Wienand-Verlag, 132 Seiten mit 80 farbigen Abbildungen, 24 mal 29 Zentimeter im Hardcover, ISBN 978-3-86832-586-7, 29.80 Euro im Museumsshop oder im Buchhandel.