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Schloss Moyland Ja zur Natur - Aktion des Künstlers Igor Sacharow-Ross

Museum Schloss Moyland : Ein „Ja“ für die Kräfte der Natur

Mit einer zweistündigen Aktion des Künstlers Igor Sacharow-Ross endet der Reigen zum Schamanismus in Museum Schloss Moyland. Die Aktion mit Feuerschale, „Duftkräften“ und Gaben aus Birkenrinde ist im Schlosspark.

Die blaue Stunde, der dämmrige Schwebezustand zwischen Tag und hereinbrechender Dunkelheit, wenn vielleicht schon erste Nebel über dem breiten Burggraben liegen, der Park unter den Bäumen schon dunkel ist und die Fenster im Schloss warm ins Innere einladen, ist rund um Museum Schloss Moyland immer ein Erlebnis. Am Sonntag, 27. Februar, wird der russische Künstler Igor Sacharow-Ross, dessen beeindruckend dunkel-warme Graffit-Einrichtung in Museum Schloss Moyland  zur Ausstellung „Schamanismen in der zeitgenössischen Kunst“ gehört, im Park eine Aktion machen. Die gilt als Finissage der Ausstellung. Zu sehen ist die Schau auch noch am Rosenmontag, 28. Februar, danach wird sie abgebaut.

 Der Künstler Igor Sacharow-Ross kommt mit einer zweistündigen Aktion in den Park von Schloss Moyland.
Der Künstler Igor Sacharow-Ross kommt mit einer zweistündigen Aktion in den Park von Schloss Moyland. Foto: Museum Schloss Moyland

Igor Sacharow-Ross hat sich für die Aktion ein Stück Wiese im Park vor dem Kunstwerk „Steinbuch“ in der Nähe des Kräutergartens ausgesucht. Eine Weide steht auf diesem Wiesenstück, auf dem für die Aktion in zwei großen Becken mit Gasbrennern Wasser zum Kochen gebracht wird und in einer Feuerschale offene Flammen lodern sollen. Aus dem Wasser der Becken steigen Dämpfe und Düfte auf: Hier werden aus der Heilkunde bekannte Pflanzen, unter anderen Thymian, Johanniskraut, gemeiner Beifuß, aufgekocht, die so ihre natürlichen Kräfte freisetzen sollen, sagt Barbara Strieder. Die  kommissarische Leiterin von Museum Schloss Moyland begleitet die Aktion als Kuratorin. Während seiner Aktion wird Sacharow-Ross die Besucher „mitnehmen“, wird sie beispielsweise einladen, von ihm vorher verteilte Gaben in der Feuerschale zu verbrennen. „Der Künstler wird dazu kleine Briketts aus Birkenrinde mit Reis vorbereiten“, sagt Strieder.

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Starten soll die Aktion am Sonntag, 27. Februar um 17 Uhr und leitet dann über zweieinhalb Stunden Dauer  hinüber in die anbrechende Dunkelheit, in die Schwebe zwischen Tag und Nacht. Begleitet wird Sacharow-Ross  von Helfern, die ab 14 Uhr Feuerschalen und Wasserbecken aufbauen, einen Jutekreis auslegen und den Künstler auch musikalisch unterstützen. So werde man gewiss eine Trommel hören und damit ans Schamanische erinnert, sagt Strieder.

„Wichtiger Aspekt der Aktion ist der Versuch, die Trennung von Mensch und Natur aufzuheben, das ursprüngliche Eins-Sein mit der Natur vielleicht wieder ein Stück  zurück zu gewinnen“, sagt Strieder. Man solle als Besucher versuchen, die starke Fokussierung auf das „Ich“ aufzugeben zugunsten eines Gemeinschaftsgefühls. Einer Gemeinschaft der eigenen Person mit den Kräften der Natur, aber auch mit den anderen Menschen, so die Kuratorin.  „Vielleicht lösen wir während der Aktion auch Ur-Erinnerungen aus“, sagt Strieder. Darunter verstehe sie Erinnerungen, die verschüttet sind und wieder aufkommen, wenn man beispielsweise bestimmte Geräusche oder Gerüche wahrnimmt, aber auch Erinnerungen, die der Fötus noch vor der Geburt sammeln konnte. Das müsse man als Angebot an die Besucher verstehen, so Strieder. Symbolische Elemente – Zeichen, Gesten, Geräusche – sollen in eine übergeordnete Resonanz münden.

Igor Sacharow-Ross versteht seine Aktion als eine Art Zeremonie. Entsprechend titelt die Aktion „Ceremonia“, hinter der ein spiegelverkehrtes „R“ steht. Das sei, erklärt Strieder, der letzte Buchstabe des kyrillischen Alphabets. „Der Buchstabe wird wie ,ja‘ ausgesprochen und bedeutet ,Ich‘“,  sagt Strieder. Das spiegelverkehrte R solle hier als ein klares „Ja“ zu den Naturkräften verstanden werden, ein „Ja“ für die Gemeinschaft, ein Abschied von einer zu starken Fokussierung auf das „Ich“. Es gehe darum, Menschen wieder das verlorene Eins-Sein mit der Natur und ihren Kräften spürbar zu machen, sagt die Kuratorin. Ohne allerdings, so Strieder, ins Esoterische abzudriften.  Igor Sacharow-Ross sei offen für Wissenschaft und an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen interessiert, sagt sie. Auch sieht er die Natur keinesfalls unkritisch - ihre Urkraft sei gleichermaßen segensreich wie zerstörerisch, so Sacharow-Ross.

Das eindrucksvolle visuelle und klangliche künstlerische Ereignis solle nachdenklich machen, anregen, über das Verhältnis von Natur und Mensch zu reflektieren, die Natur vielleicht auch ein bisschen zu erspüren, die Naturerfahrung nahbar zu machen, sagt Strieder. Das Ganze sei natürlich keine schamanische Aktion. „Verewigen“ können sich die Teilnehmer auf einer langen Papierbahn: Hier kann man seinen Fingerabdruck mit der Asche der in der Aktion verbrannten Dinge hinterlassen.

Igor Sacharow-Ross wurde 1947 in Chabarowsk am Amur in der Nähe zu China geboren – dort waren seine Eltern zu Sowjet-Zeiten verbannt. In der Tundra ganz im fernen Osten des Riesenreiches am Amur lernte er die Kräfte der Natur und des Schamanismus kennen. Nach seinem Studium ging er nach Leningrad (heute St. Petersburg) und schloss sich einer Künstlergruppe an, veranstaltete  in den 1970er Jahren Happenings und Perfomances und wurde schließlich aus der Sowjetunion ausgebürgert. Heute lebt und arbeitet Igor Sacharow-Ross in  Köln und München.

Die Aktion findet im Freien statt, es ist keine Bestuhlung vorgesehen. Gegen möglichen Regen sollen Pavillons aufgestellt werden, es wird auch Sitzmöglichkeiten geben für die, die sich zwischendurch etwas ausruhen wollen. Die Aktion wird gefilmt und fotografiert. Sie beginnt um 17 Uhr, ab da ist auch der Eintritt in den Park frei. Anmeldung unter Telefon 02824 9510-60 oder pers Mail an besucherservice@moyland.de