Schloss Moyland: Erinnerung an Joseph Beuys

Museum Schloss Moyland : Lebendiger Beuys zum Todestag

Der Todestag des in Kleve aufgewachsenen Künstlers jährte sich am 23. Januar zum 34. Mal. Aus diesem Anlass gibt es am Sonntag, 26. Januar, ein Sonderprogramm im Museum Schloss Moyland. Johannes Stüttgen erzählt.

Wie macht man aus einem Druck ein Unikat, ein Kunstwerk? Die Antwort von Joseph Beuys hätte lauten können: Indem man einem Stempel darauf setzt. Und aus vielen Drucken wird eine ganze Serie, wenn sie gestempelt sind. Tatsächlich hatte Beuys eine ganze Reihe von Stempeln, die er auf seine Plakate setzte, auf Fotos, auf Druckgrafik, die aber auch, wie beispielsweise der so genannte „Hauptstrom-Stempel“, viele seiner Kunstwerke zieren. Die Entwürfe für den Stempel machte der Künstler selbst.

Das zeigt sehr schön eine kleine Zeichnung aus der derzeitigen Ausstellung im Museum Schloss Moyland zu der jetzt wieder so aktuellen Aktion 7000 Eichen für die Documenta in Kassel. Beuys hatte dort 7000 Eichen als wachsende Skulptur ausgedacht, die nach und nach gesetzt werden sollten. Neben jeder der Eichen steht ein grob behauener Stein. Beuys stilisierte für den Stempel die Wurzel des Baums und den aufgerichteten Stein als grafisches Element. Mit der Zeichnung war er aber noch nicht so so ganz zufrieden, denn neben dem Entwurf schrieb er: „Stempel noch verbessern“. Also wurde das Teil noch grafischer, wie man auf den vielen Stempeln, die Fotos und Werke in der selben Moyländer Ausstellung zieren, zeigen. Die Ausstellung präsentiert dabei sowohl die gummierten Stempel, wenn vorhanden Zeichnungen, die den Entwurf zeigen und schließlich gestempelte Werke aus den passenden Aktionen. Für die Ausstellung bekam Moyland auch eine Reihe von Leihgaben aus dem Museum Kurhaus Kleve.

Zeichnung des Stempels für die Aktion 7000 Eichen. Foto: Matthias Grass

Zu dieser Ausstellung hält der Künstler Johannes Stüttgen anlässlich des 34. Todestages von Joseph Beuys einen Vortrag am Sonntag, 26. Januar, 15.30 Uhr im Zwirnersaal. Der Vortrag gilt als Sonderveranstaltung in Gedenken des Todestages am 23. Januar, aber auch als Teil der laufenden Ausstellung. Stüttgen war Beuys-Schüler und von 1980 bis 1986 Geschäftsführer der Free International University (FIU) und Leiter des ehemaligen Ateliers von Beuys, „Raum 3“, in der Düsseldorfer Kunstakademie. Er gehörte zu den engen Begleitern von Beuys, 2004 wurde er mit der „Honory Fellowship“ der Brooks Universität Oxford ausgezeichnet.

„Johannes Stüttgen wird die Rolle des Stempels im Werk von Joseph Beuys noch einmal genau beleuchten“, sagt Barbara Strieder, die kommissarische künstlerische Leiterin von Museum Schloss Moyland. Man werde erfahren, wie man die seriellen Drucksachen mit dem Stempel adelte.

Julia Niggemann freut sich, mit Stüttgen einen Vortragenden gewonnen zu haben, der Beuys wieder mit seinen Erinnerungen lebendig werden und aufleben lässt, so die Verwaltungsdirektorin von Museum Schloss Moyland. Schließlich sei Beuys ein Künstler, der bis heute nichts von seiner Bekanntheit verloren habe, sagt Niggemann. Das bestätigt Moyland Sprecherin Sophia Tuchard: „Als wir 2016 die Aktion „beuys heute“ organisiert haben, haben sich Tausende beteiligt“, sagt sie. Und Strieder fügt hinzu, dass die Werke in ihrer Qualität einfach bis heute überzeugen. Moyland wird auch das Jubiläumsjahr zum 100. Geburtstag 2021 entsprechend feiern - Aktionen werden das ganze Jahr über an Beuys erinnern.

Aber zunächst stehen erst einmal die Aktionen vom Sonntag im Fokus: Neben dem Vortrag von Johannes Stüttgen „Die Rolle des Stempels bei Joseph Beuys“ bietet Alexandra Eerenstein um 14 Uhr eine interaktive Führung für Kinder ab acht Jahren an. Und die Ausstellung zeigt sehr schön eine große Bandbreite von Beuys’ Werk, im Keller sollte der Besucher das „Aggregat“ und den „Schlitten“ nicht vergessen.