Schenkung von Erich Reusch für Schloss Moyland

Schenkung für Moyland : Schräge Säule für das Schloss

Der Bildhauer und Architekt Erich Reusch schenkt Moyland eine Skulptur. Reusch schuf das Wasserrelief der Universtät Bochum und gestaltete den Ehrenhof in der Gedenkstätte ,Deutscher Widerstand’ im Berliner Bendlerblock.

Sie irritiert, steht in der Blickachse und scheint den Weg zu verstellen. Vier Meter hoch und glänzend weiß wächst die schräge Säule aus dem gepflasterten Boden des Innenhofes von Schloss Moyland. Wie ein Fingerzeig. Optisch wirkt sie von der Brücke überm Burgraben  aus gesehen klein vor den hohen Wänden des Schlosses, die den Hof umstehen. Geht man auf die Stele zu, „wächst“ sie und steht auch nicht im Weg, wie es von Weitem schien. Man kann locker unter dem weißen „Fingerzeig“ hindurch.

Erich Reusch, dessen Werke derzeit im Museum Schloss Moyland gezeigt werden, hat die Skulptur der Stiftung Museum Schloss Moyland geschenkt. Er hat sie, als die Ausstellung „OIE“ eingerichtet wurde, speziell für diesen Ort entworfen. Moyland-Kurator Alexander Grönert stellte dem Bildhauer und Architekten die Pläne vom Schloss, Grundriss und Ansichten, zur Verfügung, so dass der 94-Jährige  die schmale Säule genau platzieren konnte. Der Fuß, der das Vier-Meter-Alu-Rohr im Boden hält, steht genau in der Achse der Fenster der beiden Flügel. Von hier weist die weiße Stange schräg in die Mitte und bricht die Symmetrie des Schlosshofes vollends auf, stört die Blicke, irritiert und macht das Ganze erheblich spannender: Der Minimalismus Reuschs wirkt hier im „barocken“ Moyland besonders.

Moyland-Team: Jürgen Ahrens, Katrin Schroeder, Alexander Grönert und Bernd Huebbers. Foto: Markus van Offern (mvo)

Mit der Skulptur bekommt Moyland das Werk eines bedeutenden Künstlers der Nachkriegszeit, der nicht nur im Rheinland arbeitete. „Mit Werken wie dem Wettbewerbsentwurf für ein Mahnmal in Auschwitz, dem Wasserrelief auf dem Forumsplatz der Universtät Bochum oder der Umgestaltung des Ehrenhofs in der Gedenkstätte ,Deutscher Widerstand’ im Berliner Bendlerblock hat Reusch maßgeblich dazu beigetragen, ein neues Verständnis von Skulptur im öffentlichen Raum zu schaffen“, schreibt Grönert im Falt-Katalog, der zur Reusch-Ausstellung erschienen ist.

Es sind vor allem die flachen Bodenplastiken, mit denen Reusch sich auseinandersetzt und die wie selbstverständlich im öffentlichen Raum stehen. Wie beispielsweise der Brunnen vor dem Innenministerium des Landes NRW in Düsseldorf. Reuschs Bodenskulpturen erinnern in ihrer minimalistischen, geradezu perfekt in die Räume eingepassten Einrichtung an die Werke des Amerikaners Carl Andre, die fast zeitgleich entstanden.

Zusätzlich schuf Reusch große Stahlskulpturen, die auch den Raum oder den direkten Weg versperren, experimentierte mit Klangskulpturen. „Als wir über ein Werk für Moyland sprachen, erzählte Reusch von einer Ausstellung im Garten des Düsseldorfer Malkasten“, sagt Grönert. Schon dort hatte der Bildhauer geradezu filigrane Stelen aufgestellt.

Erich Reusch platzierte die Säule in Moyland und zeigte auf, wie sie im Schloss stehen muss. Fertigen lassen mussten die Moyländer das Werk in Eigenregie. Dabei konnte sich die Stiftung auf ihre Mannschaft aus der Technik des Schlosses verlassen. Sie gossen ein Fundament  für die Säule, fanden in der Kranenburger Schlosserei van Bergen einen heimischen Betrieb, der das Rohr in Form und Farbe brachte und die Fußplatte baute, die die Skulptur trägt. Die Fußplatte  wird mit vier dicken Schrauben im Boden gehalten und verschwindet unter den schmalen Klinkersteinen, mit denen im Fischgrät-Muster der Innenhof ausgelegt ist. Zur feierlichen Übergabe des Joseph Beuys Preises für Forschung am Samstag wird die neue Skulptur im Innenhof stehen, als wäre sie schon immer da gewesen. Ein Gewinn für das Schloss und seine Sammlung.

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