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Orgeln im Kleverland – mehr als nur Instrumente

Abschluss unserer Serie : Orgeln im Kleverland – mehr als nur Instrumente

Im Verlauf der vergangenen Monate haben wir unseren Lesern zahlreiche Orgeln und die Geschichten dahinter näher gebracht. Nun endet die Serie. Ein Blick zurück.

Über 150 Orgeln gibt es im gesamten Kreis Kleve – und jedes Instrument hätte viel zu erzählen, wenn statt der Töne Worte herauskämen: Geschichten von Zerstörung und Krieg, aber auch Aufbau und Liebe zur Musik, von Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen, von Berufen und Hobbys. Denn manchmal stehen Orgeln in privaten Haushalten von Orgelliebhabern; meistens jedoch in Kirchen. Und dort erklingen sie nicht nur zur Freude der Gottesdienstbesucher, sondern „Soli deo gloria“, sind sie bestimmt für die Musik zur Ehre Gottes.

Über Jahrhunderte hinweg war die Orgel das einzige Instrument, dessen Tonumfang dem Hörspektrum des Menschen entsprach, kein anderes Instrument kann tiefere oder höhere Töne erzeugen, ist Einzelstimme und Orchester in Einem und bietet dabei oft einen mächtigen und kunstvollen Anblick, wie die Seifert-Orgel der St. Nicolai Kirche in Kalkar, die Seifert-Orgel in der Kirche St. Maria Magdalena Goch oder die Rieger-Orgel in der Stiftskirche Kleve eindrucksvoll belegen. Dazu ist sie in Kirchen wohl das teuerste Ausstattungsstück – und es lässt sich festhalten: Manchmal muss Überzeugungsarbeit geleistet werden, um eine Generalreinigung oder Überholung anzugehen, denn auch diese Kosten sind nicht gerade gering.

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Nicht zuletzt ist die Orgel immer auch ein wirtschaftlicher Faktor einer Gemeinde: Wurmbefall, Mäusefraß oder Schimmel sind sehr profane Anteile des sakralen Musiklebens. Bei der Erforschung der Geschichten der Instrumente sind oftmals die Kirchenbücher wichtige Ratgeber. In ihnen sind über Jahrhunderte hinweg zum Beispiel Kostenvoranschläge oder Reparaturen erwähnt und bieten Anhaltspunkte für Überlegungen, wann eine Orgel angeschafft, renoviert oder ersetzt wurde. Am Niederrhein machten allein die Kriegsfolgen wie kaum eine andere Zeit Neubauten notwendig.

Wahre Schätze sind Orgeln, die von Krieg und von eher ungünstigen Renovierungsarbeiten der 1950/60er Jahre verschont blieben, wie zum Beispiel die historische Heynemann-Orgel in Kleve-Bimmen, die älteste am unteren Niederrhein. Das vermeintlich älteste Orgelgehäuse im Rheinland gehört zur Rütter-Orgel in der St. Clemenskirche Kalkar-Wissel.

Der Kreis Kleve bietet so eine reiche Orgellandschaft: Auch in Dorfkirchen sind kleinere Instrumente vorhanden, die ihren Dienst tun, und vielleicht weniger wegen ihres Äußeren oder vielen Registern bestechen, sondern durch die Kirche, in der sie stehen, wie zum Beispiel die Peters-Orgel in der idyllisch gelegenen und als Hochzeitskirche beliebten Elisabethkirche in Louisendorf.

Und auch wenn es kein wissenschaftlicher oder historischer Aspekt ist: Oftmals zeigen sich persönliche, emotionale Verbindungen zu Orgeln, zum Beispiel von Organisten, die jahrelang „ihr“ Instrument spielen, vielleicht sogar an Disposition und Überlegungen zu Neu- und Umbau beteiligt sind. Beispiellos war auch die Orgelbegeisterung des Pfarrers Jordans, die einst dazu führte, dass die Breil-Orgel in der St. Markuskirche in Bedburg-Hau stetig erweitert und gepflegt wurde und so heute die zweitgrößte Orgel im Kreis ist. Und so sehr die Orgelmusik zum kirchenmusikalischen Alltag gehört, bildet der Kreis derer, die Orgeln lieben, spielen und bauen, eine ganz eigene „Gemeinde“ mit einem ganz eigenen Wortschatz von Spieltischen, Registern und Trakturen, mit wertvollem Hintergrundwissen zu historischen Entwicklungen und heutigen Klangmöglichkeiten.