1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve
  4. Kultur

Museum Kurhaus und Schloss Moyland veröffentlichen Kataloge zu laufenden Ausstellungen.

Moyland und Kurhaus : Beuys und die Balance

Zu den laufenden Ausstellungen in Museum Schloss Moyland „Mail Art“ und im Kurhaus Kleve „Frank Maibier“ sind jetzt zwei unterschiedliche Kataloge erschienen.

Es sind zwei Ausstellungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und die doch eins vereint. Da ist auf der einen Seite die auf den ersten Blick minimalistische Kunst des Chemnitzers Bildhauers Frank Maibier, mit einer geradezu poetischen Einrichtung im Museum Kurhaus Kleve. Seine labilen Balancen auch zugleich politisches Statement in politisch schwierigen Zeiten. Doch nicht nur Harald Kunde holt den Osten in den tiefen Westen der Republik, auch wenige Kilometer weiter im Museum Schloss Moyland geht’s um die Auseinandersetzung Ost-West. Auch wenn man hier Moyland-Kurator Alexander Grönert mit „Joseph Beuys und die MailArt in der DDR“ aus der Gegenwart in die Geschichte schaut.

Frank Maibier. labile balancen In Kleve hat man für die Installation der filigran zerbrechlichen Werke von Frank Maibier einen klassischen Katalog im kleinen Format der Klever Schriftenreihe gewählt. Handlich und griffig, knapp 100 Seiten stark hält er des Chemnitzers Einrichtung in den Räumen des Klever Museums fest, die man jetzt noch nicht nur in der Publikation, sondern auch in der laufenden Ausstellung auf sich wirken lassen sollte (noch bis 19. April im Kurhaus, nicht verpassen!).

„Ein Gesamtklang schwebt durch die Räume, (...) Statik und Erdenschwere lösen sich auf zugunsten einer schweifenden Leichtigkeit“, schreibt Kunde treffend im Katalog. Wobei diese schweifende Leichtigkeit durchaus auch zu einer unerträglichen Leichtigkeit werden könnte. Denn Maibiers Werke berücken nicht nur durch die auf den ersten Blick wunderschöne Fragilität der Skulpturen. Vielmehr reagieren sie auch mit ihrer Fragilität und Zerbrechlichkeit als „Motto einer beständigen Gratwanderung in Kunst und Leben“ (so Kunde) auf die politischen Dinge. Auf die wie aus der Balance gekommene Politik, wie sie sich gerade nicht nur in Sachsen und Thüringen offenbart. Denn nicht nur die Leichtigkeit und Fragilität der Kunstwerke als Kunst um der Kunst willen will in Balance gehalten werden. Auch das gesellschaftliche und politische Leben bedarf dieser Balance.

Dieser Aspekt wird vor allem nach der Lektüre des Katalogs offenbar. So kann man Maibiers Kunst als um der Kunst willen auffassen, die sich mit dem Raum und seinen Klang auseinandersetzt. Man kann sie aber auch als Mahnung sehen, immer auf diese Balance zu achten. So heißt es in einem der Werke in einem Menetekel auf der weißen Wand: „in balancen schwanken die stabilen - dem verlassen der gewichte nah“. Kunde schreibt dazu treffend: Maibier verstehe sich „von Beginn an als Seismograph der Wirklichkeitserschütterungen in Kunst und Leben und wird deshalb auch in Kleve in einer veränderten Welt des Jahres 2019 nachhaltige Resonanzen entfalten“. Oder einfach mit seinen fragil-zarten Werken begeistern.

Joseph Beuys und die Mail Art in der DDR Als Joseph Beuys in der RWTH Aachen seine spektakuläre Aktion „Kukei, Akopee – Nein! Fettecken...“ aufführte, war ihm bewusst, dass die Aktion, die später tumultartig ausufern sollte, sodass Beuys die Nase blutig geschlagen wurde, hochpolitisch war: Sie sollte an den 20. Jahrestag des gescheiterten Hitlerattentats erinnern. Und Beuys hatte den Anspruch, durch seine Kunst Gesellschaft und Politik grundlegend zu verändern, wie Alexander Grönert im Heft zur Ausstellung schreibt. „Für viele in der DDR war Beuys ein Vorbild und für manche vielleicht sogar eine Identifikationsfigur“, schreibt der Künstler Lutz Wohlrab, dessen Sammlung von Mail Art in Moyland zu sehen war und an dessen Ende jetzt die von Grönert entwickelte Publikation erschien. Auf vielen der individuell gestalteten Postsendungen tauchten seit Mitte der 1970er Jahre neben teils subversiven Bild- und Textbotschaften immer wieder auch der Name oder ein Bild von Joseph Beuys auf, schreibt der Kurator.

Das Heft ist wieder in einem zum Umschlag gefalteten Poster eingeschlagen und überzeugt erneut nicht nur mit seinem ausgefallenen Konzept, sondern auch mit feiner Druckqualität wiedergebenden Karten, auf denen DDR-Künstler auf Beuys verweisen und sich subversive Botschaften über ihr Regime zusandten.