1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve
  4. Kultur

Museum Kurhaus Kleve: Talisa Lallai mit einer Auflage von Tukan Bosi

Museum Kurhaus Kleve : Lallais Tukan im Eichenrahmen

Talisa Lallai hat für Kleve einen Objektkasten für ein Buchprojekt geschaffen. Das Buch wird die laufende Kurhaus-Ausstellung einbeziehen.

Der Tukan lebt im Urwald. Scheinbar. Tatsächlich ist dieser Urwald eine Halle am Rande von Zürich und heißt „Stadtgärtnerei“. Es ist ein Urwald unterm Dach. Auch das Foto vom Tukan spielt mit dieser Täuschung. Geradezu plastisch sitzt der prächtige Vogel auf seinem Ast, schaut regelrecht verschmitzt herüber zur Fotografin, umgeben von der überbordenden Pflanzenpracht des Regenwaldes. Doch schaut man genau hin, läuft im Hintergrund das Schwitzwasser von der Außenscheibe herunter, die das graue mitteleuropäische Wetter ausschließt.

Die Bildhauerin Talisa Lallai entführt in diese Welt des scheinbar Tropischen, erinnert an die Zeit, als der Regenwald das Ziel der Sehnsüchte war und die Kolonialmächte die Natur einhausten, um dort ihre lebenden Schätze zu zeigen. Jetzt ist Europa das Ziel der Sehnsüchte. „Post Tropical“ heißt die Ausstellung der jungen Deutsch-Preisträgerin Lallai im Museum Kurhaus Kleve, in der sie „der Existenz und der Identität des Tropischen im westlichen Alltag nachgeht“, schreibt Susanne Figner in dem kleinen Katalog-Heft, das zur Ausstellung erschienen ist.

Einen Teil dieser Suche nach dem Tropischen kann der Kunstliebhaber jetzt auch mit nach Hause nehmen: Lallai hat zur Ausstellung eine Auflage von 25 Objekten gemacht. Elf sind bereits an Sammler, vor allem aus Düsseldorf, gegangen, 14 sind noch zu haben. Die Auflage zeigt den Tukan im Regenwald am Rande Zürichs, wo er auf seinem Baum sitzt. Lallai legt den Druck in einen schmalen Eichenrahmen, der das Bild umfängt, entspiegeltes, UV-gesichertes Museumsglas verhindert ein Ausbleichen des Drucks.

Susanne Figner, Kuratorin und Stellvertreterin von Museumsdirektor Harald Kunde, mit dem Tukan-Objekt. Foto: Matthias Grass

„Die Rahmung ist Teil des Objektes. Wir dürfen es nicht als Fotoarbeit ansehen, auch wenn Talisa Lallai die Aufnahme selber gemacht hat“, sagt Figner. Denn Lallai verstehe sich vor allem als Bildhauerin, die mit Räumen arbeitet und das Foto des Tukan als Objektkasten angelegt hat. Fast könnte man meinen, Lallai habe den Tukan, der Zeit seines Leben unter Dach bei Menschen aufwuchs und lebte, auch als Foto in eine abgeschlossene Welt gesperrt, hinten auf dem Foto das Glas der Stadtgärtnerei, wo das Schwitzwasser runterläuft, vorne das Museumsglas, das Ganze umgeben vom schmalen, aber etwa zwei Finger tiefen Eichenrahmen. Oft verwendet sie auch gefundene Bilder aus Zeitschriften oder alte Fotos. Den Tukan hat sie aber selber fotografiert. 25 Kästen hat Lallai fertigen lassen für die Klever Ausstellung.

Denn mit dem Erlös aus dem Verkauf und einer weiteren Förderung möchte Lallai ein Kunstbruchprojekt realisieren, sagt Figner, die dieses Projekt begleitet. Schließlich soll es unter der Herausgeberschaft des Museums und des Freundeskreises laufen und Teile der Klever Ausstellung dokumentieren. Doch wird das kein Katalog im klassischen Sinn werden. „Talisa Lallai möchte es als Objekt sehen und ein Heft herausgeben, das sich an alte Merian-Magazine orientiert“, sagt Figner. Die waren in den 1950er/60er Jahren aufwendig gearbeitet, oft mit einem Leinenband gebunden und etwas größer als DIN A4. Mit großen Bildern und Texteinschüben erzählten sie von der Sehnsucht nach der Ferne. So soll auch das Künstler-Buchprojekt aussehen.

In Figners Büro hängt eins der Objekte mit Tukan neben dem Fenster in Blickrichtung Klever City. Für die einen erzählt der Vogel vom Südamerika-Abenteuer des Prinzen Johann-Moritz, der die Maler Eckhout und Post mit in den Regenwald nahm, die exotischen Vögel zu malen. Für Figner erzählt der Tukan aber auch von der Schweiz, von Zürich: Denn der Vogel hieß Bosi und war der Star der Stadtgärtnerei – von Hand aufgezogen war er ausgesprochen zutraulich und begeisterte Kinder und Erwachsene. Er starb 2017 im stolzen Alter von 19 Jahren – und bekam in den Schweizer Zeitungen einen gebührenden Nachruf.