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Museum Kurhaus Kleve Kabinettausstellung zum 90. Geburtstag von Fritz Poorten

Fritz Poorten im Kurhaus : Zeichner, Architekt und Weltumsegler

Fritz Poorten bekommt zum 90. Geburtstag eine Kabinettausstellung im Klever Museum Kurhaus. Die zehn ausgewählten Zeichnungen widmen sich dem Thema „Uferzone“, so auch der Titel der Ausstellung.

Wochenlang sind sie in der Wasserwüste unterwegs, kein Land, nur die See. Der kräftige Segel-Kutter „Juheika“ hält Kurs. Den Kurs, den der Navigator ausgerechnet hat. Irgendwo dort hinterm Bermuda-Dreieck liegt die winzige Azoren-Insel Flores. Dann über der Kimm das Leuchtfeuer der Insel, die Gewissheit, die Stecknadel im Ozean getroffen zu haben. Doch „Juheika“, das nach den ersten Silben der Namen der Töchter des Skippers getaufte Segelschiff, braucht Zeit, sich der Küste zu nähern, sich das Land zu erobern.

Auch Fritz Poorten, der Skipper, nutzt die Zeit, sich dieses Ufer zu eigen zu machen, sich ihm und vielen anderen Küsten anzunähern. Nicht nur mit dem Schiff auf seinen Törns, die bis zur Weltumseglung reichten, sondern auch mit dem Stift des Zeichners. Mit einem wundersam weichen Strich, der die Horizontale des Ufers aufs Blatt bringt. Eine Horizontale, die von Strich und Strichen umgeben ist, teils wie eine Spiegelung, teils abstrakt wirkt, und sich dann doch, bei längerer Betrachtung, als klar erkennbare Uferline, als Steilküste, als Flussufer entpuppt, von der Erosion erzählt, von Ebbe und Flut und eben von der Kimm, die die Horizontale ist und von der Weite erzählt.

 Fritz Poorten im Museum Kurhaus beim Aufbau der Ausstellung, die zu seinem 90. Geburtstag.
Fritz Poorten im Museum Kurhaus beim Aufbau der Ausstellung, die zu seinem 90. Geburtstag. Foto: Markus van Offern (mvo)
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Fritz Poorten ist 90 Jahre alt, steht fidel im unteren Flur des Museums Kurhaus. Hemdsärmelig jung erzählt er von Flores, von „Juheika“, von der Erosion an den Ufern, die es ihm angetan hat, sie zeichnerisch zu erkunden, berichtet von Ebbe und Flut, dem Steigen und Sinken des Wasserspiegels und von den Fehlern, die der Mensch im Umgang mit dem Fluss und der Natur gemacht hat. Poorten vergleicht das Auf und Ab des Wassers mit dem Auf und Ab des Lebens. „Es ist ein Kommen und Gehen“, sagt Poorten.

„Uferzonen“ heißt die Kabinett-Ausstellung unten auf den farbigen Wänden des Klever Museums Kurhauses, die jetzt vom weichen Strich Poortens dominiert werden, von der Horizontalen. Es sind nur zehn Arbeiten. Und doch sind die zehn Arbeiten auch ein bisschen die Essenz, auf die man sich konzentrieren kann, der man sich annähern kann, wie der Segelkutter „Juheika“ mit dem Skipper und seiner Frau den Küsten. Langsam und intensiv. Langsam und intensiv dem Strich folgen, bis beispielsweise klar wird, dass das anfänglich abstrakt erscheinende Bild  den Einsturz eines Stücks Steilküste zeigt, an der das Wasser unnachgiebig genagt hat, bis der Fels nachgab.

„Anlässlich des 90. Geburtstages des Schreiners, Architekten, Seglers, Malers und Zeichners Fritz Poorten zeigt das Museum Kurhaus Kleve eine Kabinettausstellung von zehn seiner Arbeiten aus dem Zeitraum von 1984 bis 2021“, sagt Kleves Museumsdirektor Harald Kunde. Mit Hilfe von Blei, Tusche und farbigen Stiften werden konkrete Erlebnisse vor Ort fixiert, verwandelt und vor dem flüchtigen Vergessen bewahrt. „Diese Zeichnungen verdanken sich großer Hingabe an das scheinbar Alltägliche und öffnen die Augen für die Schönheit des Unspektakulären. Sie beruhigen die vom Zeitgeist erhitzten Gemüter und verströmen Lust auf Wind, Wasser, Fluss und Meer“, sagt Kunde.

Wobei man zum 90. Geburtstag nicht nur an den Zeichner denken sollte, der sich mit der Natur, mit Wasser und Erde befasst, oder der den charakteristischen Einband des Heimatkalenders gestaltet. Poorten, 1931 geboren in Kleve, studierte an der Werkkunstschule in Krefeld von 1955 bis 1958 Architektur, nachdem er eine Schreiner- und Zimmererlehrer absolviert und als junger Geselle auf der Walz Europa durchwandert hatte. Seit 1962 war er freischaffender Architekt und schuf nicht nur die ihre Gemeinde umfassende und ergreifende Kapelle der Wasserburg (und weitere Gebäude auf dem weitläufigen Gelände). Er baute beispielswiese hinter dem Katharinenhof das Haus für den Weber Johan Peter Heek, in dem heute Jean-Pierre Wils wohnt. Er war lehrend als Zeichner unterwegs und regelmäßig für den Salon der Künstler ausgewählt.

Mit „Juheika“ umsegelte er mit seiner Frau die erde. „Juheika“, die er selbst ausbaute, war ein Schiff, das nach einem Prinzip des Schiffskonstureurs Colin Archer gebaut war, erklärt er stolz.  So, wie die berühmte „Fram“ von Fridtjof Nansen für der Fahrt an den Nordpol. Poorten hatte den Stahlrumpf gekauft und das Schiff ausgebaut. Das Schiff, mit dem er sich – auch zeichnerisch – immer wieder den Uferzonen näherte.