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Museum Kurhaus Kleve: Ankauf Haim Steinbach mit letztem Gedicht von Samuel Beckett

Museum Kurhaus Kleve : Ein Gedicht fürs Kurhaus

Wenn Klassiker auf Neueingänge treffen: Harald Kunde zeigt die Schätze der Sammlung als exemplarischen Weg durch die Kunstgeschichte: Balkenhols Männer glänzen im Doppelsaal, Ankauf von Haim Steinbachs Wandarbeit.

Wenn die Worte fehlen. Karg ist die Sprache, sie erzählt von der Suche nach einem Wort, von der Suche nach der Bedeutung des Wortes, von der Torheit, es nicht zu finden. „What is the Word“ ist das letzte Gedicht des Literatur-Nobelpreisträgers Samuel Beckett.

Jetzt stehen die ersten Verse des späten Poems groß im Museum Kurhaus: Der amerikanisch-israelische Künstler Haim Steinbach hatte sie auf die Wand geschrieben – als Teil der Steinbach-Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve. Abgestimmt mit dem Künstler prangen die Worte jetzt groß auf der Wand in der Dritten Etage des Hauses im Dialog mit Werken von Joel Shapiro (als Dauerleihgabe der Stiftung Kunst aus Landesbesitz) und Steven Prina, der alle Manets auflistet und übersprüht oder als Bindfaden im Originalmaß auf die Wand pinnt. Dazwischen der verspielte Brite Thorpe. Land, Förderstiftung und Freundeskreis haben den Ankauf des Steinbach-Werks ermöglicht und so die Sammlung wieder erweitert. Auch als Erinnerung an eine der spannendsten Ausstellungen 2018.

Kleves Museumsdirektor Harald Kunde hat die Schätze der Klever Sammlung wieder im ganzen Haus ausgebreitet – exemplarisch führt sie durch die Kunstgeschichte der Moderne und der Nachkriegszeit, am Beispiel vieler großer Namen, die in die Sammlung des Museums kamen, als Kleve sich die Arbeiten noch leisten konnte – und die jetzt für das Klever Museum unbezahlbar wären. „Wir können selbst dies aber nur in Zusammenarbeit mit dem Land, das in der Regel den größten Batzen gibt, der Förderstiftung Museum Kurhaus Kleve und nicht zuletzt dem Freundeskreis, unser wichtigster Partner“, sagt Kunde jetzt bei der Präsentation der neuen Sammlungs-Ausstellung.

Die führt an alte Bekannte heran: So füllen Stephan Balkenhols nackte Männer, die auf Frauen starren (oder umgekehrt) den Doppelsaal des Hauses. Die ins Holz geschlagenen Männer und die als Zeichnungen auf Tafeln gesetzten Frauen. Eine wunderbare Einrichtung, wie geschaffen für diesen Raum. „Im Grunde kann man sie auch nur hier zusammen zeigen“, sagt Kunde.

Balkenhol ist eine Seite der Sammlung (auch mit Blick auf den Eisernen Mann draußen vor der Tür). Die Fotografien der Düsseldorfer Schule eine andere, ganz wichtige: Axel Hüttes „Dschungel“ und Andreas Gurskys berühmtes Bild vom Gemälde Pollocks korrespondieren mit der Digitalen Hochglanz-Fotografie von Michael Reisch, die nur scheinbar Natürliches abbildet.

In einem anderen Raum ein Bild aus der bekannten „Nudes“-Serie von Ruff. „Auch dies ein Beispiel, dass wir nur exemplarisch sammeln können“, sagt Kunde. Dabei habe das Museum von Ruff sogar einen schönen Querschnitt, sagt Kunde und verweist auf das kleine Foto von Ruff vom Gemälde Richters von einem Zeitungsfoto.

Bleibt Kundes Lieblingsraum: Mit Faltungen von Olaf Holzapfel, der bei der Documenta für Furore sorgte, mit den Gemälden von Pia Fries und nicht zuletzt mit einem Klassiker aus der Sammlung des Klever Museums: Das weiße Bild der großen Katharina Fritsch aus der Reihe der acht Bilder in acht Farben, die zur Eröffnung des Hauses 1997 schon zu sehen waren.

Der Blick in die Sammlung ist bis Mitte September zu sehen, dann folgt die nächste Ausstellung.