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Museum Het Valkhof in Nimwegen zeigt in Ausstellung Parallelen von der Pest zu Coronapandemie auf

Ausstellung : Kunst und Todesangst

Das Museum Het Valkhof in Nimwegen rückt mit einer Ausstellung über die Pest die menschliche Verwundbarkeit in den Fokus. Die Parallelen zu Corona sind offensichtlich. Erstarkt nun der Staat, war es damals die Kirche.

An die kleinen Piktogramme vor Eingangstüren von Supermärkten, Sportvereinen oder Museen, die auf die aktuellen Corona-Vorschriften verweisen, haben wir uns längst gewöhnt. Auf solche stoßen auch die Besucher des Museums Het Valkhof in Nimwegen. Bei näherer Betrachtung aber fällt auf: Auf den kleinen Plakaten vor der aktuellen Ausstellung geht es nicht um Covid-19.

Es geht um den Kampf gegen die Pest. Infizierte Hunde müssten totgeschlagen und die Straßen saubergefegt werden. Erkrankte Personen werden angehalten, sich Zuhause in strenge Quarantäne zu begeben. Kohl, Zwiebeln oder Gurken aus Holland dürften nicht auf dem Markt verkauft werden. Das Halten von Schweinen in der Stadt sei verboten, die Einfuhr von Waren werde streng kontrolliert.

Die Maßnahmen gegen die Pest, 1664 in Nimwegen, wirken deutlich drakonischer als jene gegen die aktuelle Pandemie. Und dennoch: Die Ziele sind identisch. Menschen sind bemüht, sich gegen lebensgefährliche Viren zu schützen. Das illustriert die Ausstellung „Pest“ seit Anfang Juni mit Malereien, Heiligenbildern, Weinkelchen, Skulpturen, Rattenkönigen und Zitaten. Doch offenkundig war die Angst vor der Pest über vier Jahrhunderte noch deutlich einschneidender als jene vor Corona. Der Schwarze Tod, hinter dem das aggressive Bakterium Yersinia pestis steckt, hielt den europäischen Kontinent fest im Griff – und forderte zwischen 20 und 50 Millionen Tote.

 An mehreren Stellen wird der Pestheilige Sebastian in der Ausstellung gezeigt. Von Pfeilen durchlöchert, so überlebte der Märtyrer dennoch.  RP-Foto: MVO
An mehreren Stellen wird der Pestheilige Sebastian in der Ausstellung gezeigt. Von Pfeilen durchlöchert, so überlebte der Märtyrer dennoch. RP-Foto: MVO Foto: Markus van Offern (mvo)
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Mit mehr als 200 Werken von Künstlern wie Gabriel Metsu, Albrecht Dürer, Erwin Olaf und Berlinde De Bruyckere sowie Schriftstellern wie Dante Alighieri, Giovanni Boccaccio und Albert Camus bringt das Museum die Pestgeschichte in Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Pandemie. „Die Ausstellung nimmt Sie mit auf eine spannende Reise von Angst und Bedrohung, die Suche nach Hoffnung, Trost und Solidarität bis hin zu neuen Lösungen“, heißt es vom Museum Het Valkhof. 

Skelette mit Pestbakterien aus dem 14. Jahrhundert, die in einem Massengrab im niederländischen Bergen op Zoom gefunden wurden, bringen die Fortschritte der DNA-Forschung näher. Durch spezielle Tests konnte in deren Backenzähnen die Pest nachgewiesen werden. Sie gelangte in den Blutkreislauf der Infizierten und führte zur Blutvergiftung. Die tödlichen Pestbakterien stammten aus dem Norden und nicht, wie lange landläufig angenommen, aus Südeuropa oder England.

Immer wieder taucht der Pestheilige Sebastian in der Ausstellung auf, die ursprünglich bereits ab Oktober 2020 hätte gezeigt werden sollen. Der Märtyrer des dritten Jahrhunderts wurde von Pfeilen durchlöchert, überlebte jedoch wie durch ein Wunder. Viele Christen schöpften aus seiner Geschichte Hoffnung. Sie glaubten, dass Sebastian vor dem Tode retten könne – und verehrten ihn deshalb über Jahrhunderte. Die Gläubigen sahen die Pfeile, die seinen Körper durchbohrten, als Symbol der Pest. Gott feuerte sie als Strafe ab und brachte so die tödliche Krankheit unters Volk. Gegen diesen Willen Gottes könne man nur beten und Sebastian um Schutz bitten. Der halbnackte Mann, in auffällig entspannter Pose, wurde für Maler und Bildhauer zu einem beliebten Motiv. 

Ohnehin stärkte die Pest die Institution Kirche. Sie nahm für sich weitgehende Ausnahmen von den Schutzmaßnahmen in Anspruch: Die Geistlichen organisierten Zusammenkünfte in Gruppen und organisierten Bußprozessionen. Noch weiter gingen Flagellanten, um sich mit Gott auszusöhnen: Sie zogen durch die Straßen, während sie sich selbst mit Peitschen und Ruten schlugen, bis sie am gesamten Körper bluteten. Zudem suchten Komplottdenker nach Schuldigen – und fanden diese in jüdischen Mitbürgern. Auch da überraschen die Parallelen zu Corona. Der Grund damals: Viele Juden lebten abgeschieden und setzten aufgrund ihres Glaubens auf strengere Hygienemaßnahmen. Es machte sie zu tödlichen Sündenböcken: Es hieß, sie würden die Wasserquellen der Christen vergiften. Um die Pest loszuwerden, wurden Massenverbrennungen von Juden durchgeführt.