Moyland: Joseph Beuys und sein Rudel mit Schlitten am Rosenmontag

Rosenmontag im Museum Schloss Moyland : In Moyland Beuys statt Bützchen

Das Rudel, Papierkunst und die ersten Blüten: Traditionell öffnet das Museum Schloss Moyland am Rosenmontag seine Pforten und bietet eine Alternative zum Karneval. Das Café hat geöffnet, es gibt Führungen.

Heute überrascht es in Kassel mit seiner ungemeinen Wucht immer wieder aufs Neue: Das Rudel aus Schlitten, das aus einem alten VW-Bus heraus gesprungen ist. 1969 stehen die Schlitten noch auf dem Flur der Düsseldorfer Kunstakademie. Aufgereiht in einem der schmalen, hohen rundbogigen Gänge in dem Gründerjahrebau. Die Schlitten stehen teils in einem dunklen Abschnitt, die Taschenlampen, die neben Filz und Fett zum Schlitten gehören, sind angeknipst und leuchten dem Betrachter entgegen. Ein bis heute aufregendes Werk von Joseph Beuys, das schon im Guggenheim-Museum in New York zu sehen war und das auch der RP-Fotograf und Beuys-Freund Fritz Getlinger fotografieren durfte. Noch vor der ersten öffentlichen Präsentation auf der Kölner Kunstmesse bannte Eva Beuys das Werk auf die Platte ihrer Kamera: Ein tolles Dokument der Arbeit, die später vom Land Hessen für 16 Millionen D-Mark gekauft wurde.

Das Eva-Beuys-Foto vom Rudel ist eines der Bilder, die das Museum Schloss Moyland jüngst ankaufte und die jetzt in einer feinen Ausstellung in der Beuys-Etage gezeigt werden und auch Rosenmontag zu sehen sind: Dann heißt es nämlich für Karnevalsflüchtlinge Beuys statt Bützchen. Beuys Frau Eva fotografierte die Werke teils wie für einen Katalog. Beuys selbst hielt sich dabei stets im Hintergrund und ist auf den Bildern nicht zu sehen.

Zu jedem Bild gibt es die Geschichte der Zeitzeugin Eva: Wie die Story des Rudels, für das Beuys unbedingt Schlitten aus russischer Produktion wollte, an die nicht so einfach heranzukommen war und „wohl kaum noch in Russland gebaut wurden“, wie Eva Beuys im Buch zur Ausstellung schreibt. Für die Auflage des Kunstwerkes als Multiple hat Beuys dann den klassischen deutschen Schlitten genommen. Auch der trägt Filz, Fett und Taschenlampe und die rostbraune Beuys-Signatur. In Moyland ist beides zu sehen: die Installation des Rudels als Foto und das Multiple.

„Wir öffnen Rosenmontag seit 1999“, sagt Moylands Ex-Verwaltungsdirektor Johannes Look. Er hatte Rosenmontag im jahr zuvor, 1998, in Moyland gearbeitet. Als er das Schloss verlassen wollte, stand eine Schlange vor der verschlossenen Tür am Kassenhaus. Montags war ja zu. „Da haben wir uns gedacht: Dann machen wir doch künftig auf, wenn so viele Menschen kommen“, sagte Look. Gesagt – getan. Seit dem zählt Moyland Rosenmontags mindestens zwischen 250 und 300 Besucher inSchloss und Garten. „Es sind Menschen, die eine Alternative suchen – und die in der Regel ein großes Interesse an unseren Ausstellungen und den Angeboten drumherum zeigen. Man findet bei uns eben den Kunstgenuss“, fügt Look an. Dafür steht das Team vom Schloss dann auch bereit, bietet Führungen an.

Zu sehen sind:

Erich Reusch – OIE. Auf den Spuren eines Pioniers zeigt OIE einen Querschnitt durch das Werk des Bildhauers. Als einer der Ersten entwickelte Reusch Skulpturen und Installationen mit beweglichen und akustischen Elementen und wurde zu einem wegweisenden Künstler der internationalen Gegenwartskunst.

Kunst.Bewegt Im Spannungsfeld zwischen Skulptur und Architektur stoßen in einem Dialog braune, schwarze und weiße Kartonplastiken von Erwin Heerich auf farbige Wandinstallationen aus gefaltetem Papier von Marianne Pohl.

Fotografien von Eva Beuys Mit einer Großformat-Plattenkamera hielt Eva Beuys das Leben im Wohnatelier am Drakeplatz 4 in Düsseldorf-Oberkassel fest.

Museums-Park Bei gutem Wetter lädt der Park zum Schlendern zwischen den Skulpturen an. Die ersten Krokusse blicken auch schon raus.

Café Das Museums-Café hat ebenfalls geöffnet und lädt ein.

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